Opfer aus Senden geht in Berufung
Angeklagtem ist Vergewaltigung nicht mehr nachzuweisen

Senden/Münster -

Er soll die jugendliche Tochter seiner damaligen Ehefrau vergewaltigt haben, lautete der Vorwurf. Doch die Übergriffe, die mehr als 20 Jahre zurückliegen, waren nicht mehr nachzuweisen. Deshalb endete die Berufung vor dem Landgericht mit einem Freispruch für den Angeklagten.

Freitag, 15.03.2019, 11:58 Uhr aktualisiert: 15.03.2019, 15:34 Uhr
Die Berufung vor dem Landgericht Münster scheiterte.
Die Berufung vor dem Landgericht Münster scheiterte. Foto: dpa

Mehr als 20 Jahre, nachdem ein Mann die Tochter seiner neuen Ehefrau vergewaltigt haben soll, wurde der Fall in den vergangenen Tagen am Landgericht Münster verhandelt. Das mutmaßliche Opfer – zur möglichen Tatzeit noch eine Jugendliche – hatte Berufung eingelegt gegen ein Urteil des Amtsgerichts Lüdinghausen vom August vergangenen Jahres. Damals war der Mann freigesprochen worden, weil ihm eine Vergewaltigung nicht nachzuweisen sei.

Vorwurf: Übergriffe in der Wohnung in Senden

Der heute über 60-Jährige soll die von ihm nicht adoptierte Tochter seiner Ehefrau Mitte der 90er-Jahre in der Wohnung der Familie in Senden missbraucht haben. Im Jahr 2017 erstattete das mutmaßliche Opfer im Nachhinein Anzeige gegen ihn. Die Eheleute sind mittlerweile seit Jahren getrennt, der Mann lebt in einem anderen Bundesland und ist wiederverheiratet.

Was damals tatsächlich geschah, konnte das Landgericht – wie schon das Amtsgericht zuvor – nicht im Detail klären, weshalb der Angeklagte frei gesprochen wurde.

Opfer soll sich gewehrt haben – Mann streitet alles ab

Der Mann behauptete, so zitierte es der Richter zu Beginn der Verhandlung auch aus dem erstinstanzlichen Urteil, das die Taten, die ihm die junge Frau vorwirft, nie stattgefunden hätten. Die Frau pochte hingegen drauf, dass es in der Wohnung zu Übergriffen gekommen sei. Dazu habe die Vergewaltigung gehört, während der sie dem Angeklagten zur Abwehr mehrfach in die Schulter gebissen habe. Auch habe sie ihm gesagt, dass sie nicht wolle, was er mit ihr mache.

Das Landgericht kam nach Vernehmung mehrerer Zeugen zu dem eigenen Schluss, dass sie dem Mann die Tat nicht nachweisen könne. Zu den Gründen dafür zähle, dass die Frau – über 20 Jahre nach der möglichen Tat – insgesamt teils widersprüchlich ausgesagt habe. Ein Teil ihrer Vorwürfe sei juristisch verjährt gewesen, die Vergewaltigung selbst – nach heutigen längeren Verjährungsfristen gesehen – allerdings nicht.

Verhandlung unter Ausschluss der Öffentlichkeit

Die Verhandlung fand aus Gründen des Schutzes der Persönlichkeitsrechte der Frau weitestgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Ihr Anwältin hatte früh in der Verhandlung einen entsprechenden Antrag gestellt. Für die Verkündung des Urteils wurde die Öffentlichkeit wieder zugelassen.

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