Schloss Senden bei LWL-Aktion „Gärten und Parks“ in Westfalen
Poesie passt zur Welt der Pflanzen

Senden -

Am Tag der Gärten und Parks in ganz Westfalen-Lippe war Schloss Senden wieder beteiligt. Das Denkmal zog viele Besucher an, die unter anderem eine Führung geboten bekamen, bei der eine Brücke von der Welt der Poesie in die Sphäre der Pflanzen geschlagen wurde, wobei Informationen über die adlige Residenz selbst auch nicht zu kurz kamen.

Montag, 10.06.2019, 14:34 Uhr aktualisiert: 14.06.2019, 09:52 Uhr
Bettina Knust verband auf ihrer Führung Poetisches mit Informationen über Schloss Senden, das auch viele Kaffee-Gäste anzog.
Bettina Knust verband auf ihrer Führung Poetisches mit Informationen über Schloss Senden, das auch viele Kaffee-Gäste anzog. Foto: anw

Was Rainer Maria Rilke und seine Dichterkollegen Jean de La Fontaine, Rudolf Bunge oder Carl August Candidus mit Schloss Senden zu haben? Auf den ersten Blick eigentlich nichts. Im Rahmen des „Tags der Gärten und Parks“ des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe am Sonntag vereinte die Historikerin Bettina Knust die vier Literaten jedoch in ihrer Führung durch den Schlosspark auf eine ganz besondere Weise. An ausgesuchten Stellen rezitierte Knust aus deren Gedichten.

An der großen Trauerweide an der Gräfte kam Rudolf Bunge (1836 bis 1907) zu Wort. Er beschäftigte sich in einem seiner Gedichte mit diesem besonderen Baum und schreibt ihr dabei sogar menschliche Züge zu. „Gebeugt vom Liebesleide hängen herunter ihre Zweige …“, heißt es da. Und so ganz nebenbei erfuhren die Teilnehmer der Führung, dass diese Bäume keine heimischen Gewächse sind, sondern aus Asien stammen und schon früh wegen ihrer malerisch herabhängenden Zweige geschätzt wurden. Rainer Maria Rilke (1875 bis 1926) hatte seinen Einsatz am Nepomuk-Denkmal. In seinem Gedicht macht er sich über die große Verehrung des Brückenheiligen lustig: „Aber diese Nepomuken! Von des Torgangs Luken gucken/und auf allen Brucken spuken/lauter, lauter Nepomuken!“, spottet Rilke da in bester Ringelnatz-Manier über den Bischof aus Böhmen.

Tag der Gärten und Parks in Senden

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  • Historikerin Bettina Knust erläuterte den Teilnehmern der poetischen Schlossparkführung auch viel Geschichtliches wie zum Beispiel das Verhältnis des Adels zur Jagd.

    Foto: anw
  • Bettina Knust rezitiert aus Rudolf Bunges „Trauerweide“ an der Gräfte des Schlosses.

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  • Gruppenbild mit Bettina Knust und Teilnehmern der poetischen Schlossparkführung.

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  • Schloss Senden war am LWL-Aktionstag beteiligt, der in ganz Westfalen-Lippe stattfand.

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  • Kaffeetafel im Ehrenhof von Schloss Senden mit vielen Gästen.

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  • Die Sendener Künstlerin Beate Reul-Knebel stellte unter dem Thema Arcana Bontanica ungewöhnliche Perspektiven auf Blüten, Früchte und Pflanzen vor.

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Carl August Candidus‘ (1817 bis 1871) Werk „Das Mährchen von der schönen Platane“ wurde an der Platanen-Allee des Schlosses verlesen und Jean de La Fontaines (1621 bis 1695) Fabel „Der Gärtner und sein Herr“ an der Seite des Parks, wo es einst in den Wald ging, in dem der Adel zu jagen pflegte.

Informatives und Unterhaltsames über Pflanzen, Park und Schloss

Bettina Knust vereinte in ihrer „poetischen Schlossparkführung“ Informatives und Unterhaltsames und wusste so, ihre Zuhörer auch für die wechselvolle Geschichte des Schlosses zu begeistern. Heike Reinersmann, die aus Franken mit ihrer Familie angereist war, zeigte sich begeistert: „Das Schloss ist ein Kleinod, das nur noch poliert werden muss.“ Und auch Greta van der Beek-Optenddrenk, die eigens vom Niederrhein an die Stever gefahren ist, zeigte sich begeistert: „Eine sehr schöne Gartenführung“, machte die Nettetalerin deutlich, dass auf diese Weise deutlich wird, was der Schlossverein leistet: Es ist eine Arbeit, die viel Identifikationsfläche schaffe.

Das Schloss ist ein Kleinod, das nur noch poliert werden muss.

Heike Reinersmann

Nicht weniger begeistert zeigten sich die Schlossgäste von der Ausstellung mit Bildern der Sendener Künstlern Beate Reul-Knebel im Schloss. Mit „Arcana Botanica“ gelingen ihr ungewöhnliche Perspektiven auf Blüten, Früchte und Pflanzen – in spannenden Kombinationen oder bis auf Nano-Ebene vergrößert – immer bis ins Detail ausgearbeitet mit Aquarellpinsel und Zeichenstift.

Mit seinen Aktionen zum „Tag der Gärten und Parks“ des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe, hatte der Schlossverein ganz offenbar den Nerv seiner Gäste getroffen. Zahlreiche Radfahrer und Spaziergänger nutzen das schöne Pfingstwetter, um dem Wasserschloss einen Besuch abzustatten und um die Gastfreundschaft des Schlossvereins zu genießen. Denn der hatte es sich nicht nehmen lassen, wieder für leckeres Essen und erfrischende Getränke zu sorgen. Und so übten Erdbeerkuchen, Sommerbowle und Grillwürstchen eine mindestens ebenso große Anziehungskraft auf die Besucher aus wie die poetischen Schlossparkführungen, die Kunstausstellung oder die Pflanzensuche für Kinder.

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