Scheidender Oberst Georg Mußenbrock bleibt St. Johanni treu verbunden
„Weil es eine tolle Gemeinschaft ist“

Senden -

Mit dem diesjährigen Schützenfest neigt sich eine Ära in der Schützenbruderschaft St. Johanni Senden ihrem Ende zu: Nach 38 Jahren als berittener Offizier bekleidet Georg Mußenbrock zum letzten Mal das Amt des Oberst. Er möchte den „Sattel frei“ machen für einen geordneten Generationswechsel im Sendener Traditionsverein.

Freitag, 21.06.2019, 14:31 Uhr aktualisiert: 21.06.2019, 18:39 Uhr
Alte Kameraden: In den Anfangsjahren stieg Georg Mußenbrock (2.l.) gemeinsam mit Dieter Schneider (l.), Ludger Grothues (2.v.r.) und Hubert Potthoff für St. Johanni Senden aufs Pferd.
Alte Kameraden: In den Anfangsjahren stieg Georg Mußenbrock (2.l.) gemeinsam mit Dieter Schneider (l.), Ludger Grothues (2.v.r.) und Hubert Potthoff für St. Johanni Senden aufs Pferd. Foto: privat

Keine Frage: Georg Mußenbrock löscht seinen Durst durchaus schon mal mit einer erfrischenden „Gerstenkaltschale“ – das gehört beim Schützenfest selbstverständlich dazu. Die Begeisterung für das Schützenwesen und die damit tief verwurzelten traditionellen Werte hat der (Ur-)Sendener allerdings mit einem ganz anderen Getränk zu sich genommen: mit der Muttermilch.

„Meine Mutter Marga war gleich drei Mal Schützenkönigin, zwei Mal im Dorf, einmal in Schölling-Holtrup“. Mein Vater Albert war zweimal König, einmal im Dorf, einmal in Schölling-Holtrup“, erzählt der Oberst der Schützenbruderschaft St. Johanni. 38 Jahre lang saß er als berittener Offizier auf dem Pferd – zunächst als Adjutant, seit 17 Jahren führt er das Kommando über das Bataillon. Doch nach dem diesjährigen Schützenfest reitet er von der großen Bühne ab.

„Mit Blick auf unser 425-jähriges Jubiläum möchte ich rechtzeitig jüngere Leute an die Zügel lassen, damit bis 2027 genug Zeit für einen geordneten Generationswechsel besteht“, sagt der 63-Jährige. „Wenn ich gebraucht werde, stehe ich unserer Schützenbruderschaft selbstverständlich zur Verfügung. Dazu benötige ich aber keinen Schmuck am Nachthemd“, sagt der scheidende Oberst schmunzelnd.

Heute bilden Markus Stutenkemper (v.l.), Stefan Kleuter, Georg Mußenbrock und Ulli Deelmann ein repräsentatives Quartett für St. Johanni Senden.

Heute bilden Markus Stutenkemper (v.l.), Stefan Kleuter, Georg Mußenbrock und Ulli Deelmann ein repräsentatives Quartett für St. Johanni Senden. Foto: Dieter Klein

Im zarten Alter von 19 Jahren trat der gebürtige Sendener gemeinsam mit zehn Kegelbrüdern in die St.-Johanni-Bruderschaft von 1602 ein. „Weil es eine tolle Gemeinschaft ist, in der wir gemeinsam schon viele schöne Feste gefeiert haben. Das Schützenfest war ein Dorffest, ein Erlebnis für alle. Da standen die Uhren still, da wurden die Geschäfte geschlossen“, blickt Mußenbrock zurück und ergänzt: „Weil ich wollte, dass es auch in Zukunft gut weitergeht mit unserem Verein, war ich bereit, Verantwortung zu übernehmen. Es ist schon eine Menge Arbeit, so ein Fest auf die Beine zu stellen.“

Zum Pferd kam der seit 38 Jahren berittene Offizier allerdings wie die Jungfrau zum Kinde: „Bei einer Komiteesitzung 1981, zur vierten Stunde am neuen Tag, sagte der damalig Adjutant Heinz Lammert : Der Schimmel ist mir zu nervös. Ich mach‘s nicht mehr“, erinnert sich Mußenbrock. Bei der nächsten Komiteesitzung habe Lammert ihn dann – ungefragt – vorgeschlagen. „Na gut, bevor keiner aufs Pferd steigt und ich mit dem Motorrad vor her fahren muss, mach‘ ich‘s“, berichtet der Oberst lächelnd. Damals stieg er gemeinsam mit Dieter Schneider, Hubert Potthoff und Ludger Grothues für St. Johanni in den Sattel. Zwischenzeitlich war auch Erich Heeren als Berittener mit von der Partie. Aktuell reitet Georg Mußenbrock mit seinen Freunden Markus Stutenkemper, Ulli Deelmann, Stefan Kleuter und Thorsten Otten.

Dass er selbst nie Schützenkönig war, stört den Oberst ganz und gar nicht: „Es ist eine große Ehre einem so traditionsreichen Verein zu dienen. Seit 1602 bewahren wir Werte, wie Kameradschaft, Brauchtumspflege, Zuverlässigkeit, Zusammengehörigkeitsgefühl. Wir möchten den jungen Leuten vermitteln: Man ist nicht allein auf der Welt. Und es geht längst nicht nur ums Feiern“, betont Mußenbrock. Die Schützenbruderschaft sei zudem offen für alle und insbesondere zum Schützenfest, das an diesem Wochenende im Festzelt an der Steverhalle gefeiert wird, sei jeder willkommen. Das Königsschießen beginnt am Samstag (22. Juni) um 15 Uhr.

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