Rektorin Angelika Trillsch blickt auf Entwicklung an der Davertschule
Für die Zukunft gut aufgestellt

Ottmarsbocholt -

Nach 14 Jahren als Rektorin der Davertschule wird Angelika Trillsch zum Ende des Schuljahres in den Ruhestand verabschiedet. Im WN-Gespräch skizziert die Pädagogin die Aufgaben, denen sich Schule in der heutigen Zeit stellen muss, und wirft einen Blick voraus.

Dienstag, 02.07.2019, 13:32 Uhr aktualisiert: 02.07.2019, 16:26 Uhr
Inmitten der Kinder fühlt sich Angelika Trillsch wohl. Am kommenden Mittwoch wird die Rektorin in den Ruhestand verabschiedet.
Inmitten der Kinder fühlt sich Angelika Trillsch wohl. Am kommenden Mittwoch wird die Rektorin in den Ruhestand verabschiedet. Foto: sff

Angelika Trillsch sagt der Davertschule Lebewohl. Denn nach 41 Jahren im Schuldienst und 14 Jahren in Ottmarsbocholt wird die Rektorin am 10. Juli (Mittwoch) aus dem Schuldienst verabschiedet. Aus diesem Anlass sprach WN-Redakteur Siegmar Syffus mit der Pädagogin über die Besonderheiten, die Veränderungen und die Zukunftsperspektiven der Ottmarsbocholter Grundschule.

14 Jahre sind ein lange Zeit. Mit welchen Empfindungen verlassen Sie die Davertschule?

Trillsch: Die Arbeit in meinem Beruf hat mir immer viel Freude gemacht. Persönlich hat sie mir Struktur, auch Anerkennung und Sinn gegeben. Von daher fällt es mir nicht leicht, mich von dieser Aufgabe zu trennen. Zunehmend spüre ich aber die vielfältigen Belastungen der Schulleitungsaufgaben und bin daher auch ein wenig erleichtert, die Verantwortung abgeben zu können.

Was hat Ihnen hier die meiste Freude bereitet. Und: Was ist das Besondere an der Davertschule?

Trillsch: Das Besondere in einem kleinen Ort ist die Einbindung in das Dorfleben. Ein Beispiel dafür sind die umfangreichen Vorbereitungen für den Karnevalsumzug . Das Gemeinschaftsgefühl wird gestärkt, und das führt dazu, dass viele Eltern auch für schulische Belange Verantwortung übernehmen.

Der Karneval ist schon lange fester Bestandteil in Ottmarsbocholt. Dennoch bleibt die gesellschaftliche Entwicklung nicht stehen.

Trillsch: Ja. Wir haben uns in den letzten Jahren eingestellt auf den zunehmenden Bedarf an Betreuungsplätzen in der OGS, aber auch auf die Integration von Geflüchteten sowie die Förderung von Kindern mit Unterstützungsbedarf. Die Aufgaben der Schule sind durch die veränderte Struktur der Bevölkerung deutlich vielfältiger geworden. Die früher eher homogenen Lerngruppen sind durch die Unterschiedlichkeit der Kinder sehr viel heterogener geworden. Um darauf einzugehen sind auch die Aufgaben für das Kollegium komplexer geworden.

Wie hat sich in diesem Zusammenhang das jahrgangsübergreifende Lernen bewährt?

Trillsch: Das jahrgangsübergreifende Lernen, das wir im sechsten Jahr organisieren, kommt dieser Aufgabe sehr entgegen, denn es erfordert von den Kolleginnen ein hohes Maß an Individualisierung und Differenzierung, das durch die Entwicklungsunterschiede der Kinder aber sowieso erforderlich ist. Ein großer Vorteil ist, dass sich die Kinder in diesen Klassen ihren Möglichkeiten entsprechend entwickeln und die Schuleingangsphase in drei Jahren durchlaufen können, ohne die Lerngruppe wechseln zu müssen. Bezüglich unserer vielfältigen Aufgaben sind wir inzwischen gut aufgestellt. Wir werden unterstützt durch eine Sonderschullehrerin, eine Sozialpädagogin, Integrationshelfer und viele Ehrenamtliche, die auch die Flüchtlingskinder im Sprachunterricht betreuen. Das ist ein multiprofessionelles Team, ohne das man heutzutage gar nicht mehr auskommt.

Das ist der Jetzt-Stand. Doch welchen Anforderungen wird sich Schule in den nächsten Jahren noch stärker stellen müssen?

Trillsch: Die Vermittlung folgender wichtiger Kompetenzen, sehe ich zunehmend als Aufgaben der Schule der Zukunft: Das ist die Förderung von Kreativität sowie die Vermittlung von Teamfähigkeit – das gilt übrigens auch für die Arbeit im Kollegium. Die Förderung von Kritikfähigkeit bekommt – unter anderem – zunehmend im Bereich der Digitalisierung eine wichtige Bedeutung. Der Einsatz digitaler Medien – hier haben wir uns bereits auf den Weg gemacht – bringt ein grundlegendes Umdenken der Vermittlung von Inhalten auch unter dem Aspekt der Individualisierung mit sich. Den Kollegen und Kolleginnen wünsche ich, dass sie nie die Freude im Umgang mit den Kindern und die Bereitschaft zu sinnvoller pädagogischer Veränderung und Entwicklung verlieren. Ich jedenfalls habe aus diesem Grund diesen Beruf gewählt.

Schule wird kommissarisch geleitet

Nach Auskunft der Bezirksregierung Münster ist die Nachfolge für Angelika Trillsch noch offen. Solange diese Vakanz besteht, werde die Aufgabe „von einer Sendener Schulleiterin“ übernommen, hieß es auf WN-Anfrage.Ein entsprechende Situation gab es vor rund 16 Jahren schon einmal, als die damalige Rektorin Marita Wrocklage die Davertschule verließ. Seinerzeit übernahm Ulrich Röttger, damals Leiter der Sendener Marienschule, für circa anderthalb Jahre die kommissarische Leitung.

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