Marc Henrichmann diskutiert mit Neuntklässlern
Schüler bohren gründlich nach

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Live-Talk mit einem Politiker: Wer dies für gähnend fad hielt, wurde bei der Diskussion, die Neuntklässler des Joseph-Haydn-Gymnasiums mit dem Bundestagsabgeordneten March Henrichmann führten, eines Besseren belehrt.

Donnerstag, 04.07.2019, 16:48 Uhr
Gut vorbereitet: Von Klimaschutz bis Cannabis-Legalisierung und Urheberschutz im Internet reichte das Themenspektrum bei der Diskussion mit Marc Henrichmann.
Gut vorbereitet: Von Klimaschutz bis Cannabis-Legalisierung und Urheberschutz im Internet reichte das Themenspektrum bei der Diskussion mit Marc Henrichmann. Foto: di

Er trägt ein weißes Hemd, das schmal schwarz abgesetzt ist, keine Krawatte und eine beigefarbene Chino-Hose, seine Sehkraft verstärkt er mit einer „Nerd“-haften Hornbrille. Das Alter: So jungenhaft erwachsen, dass sich der Eintrag im Pass nicht sicher schätzen lässt. Von Weitem könnte der Mann, auf den sich im Raum A 1 des Joseph-Haydn-Gymnasiums alle Blicke richten, ein Lehrer sein. Falls ja, dann ein guter. Denn die 9 b hört konzentriert zu. Mehr noch, die Schüler beteiligen sich aktiv.

Neuntklässler tipptopp präpariert

Ein Bundespolitiker live im Klassenraum – darauf hatten sich die Mittelstufenschüler im Politikunterricht mit Referendarin Anne Heinrich tipptopp vorbereitet. Die selbstbewusste junge Generation legte den Finger zunächst in die Klimapolitik-Wunde. Das Mitglied der CDU/CSU-Bundestagsfraktion bekannte, dass „Selbstkritik“ angebracht sei und seine Partei „Nachholbedarf“ bei diesem Thema habe. Henrichmann fächerte seine Stellungnahme aber weiter auf: Er warnte davor, sich als Volkspartei zu sehr auf ein einziges Thema zu konzentrieren. Denn das, was gerade oben auf der Agenda steht, könnte kippen, gab der Parlamentarier zu bedenken. Als Beispiel nannte er, dass das Thema innere Sicherheit beispielsweise nach einem Anschlag von vielen als wichtiger empfunden werden könnte als Klimaschutz.

Klimaschutz mit hoher Komplexität

Dessen inhaltlichen Herausforderungen seien auch komplizierter, als es den Anschein habe, so der 43-jährige Jurist. Das gelte etwa für die Frage, warum es bis 2038 dauert, bis der Kohle-Ausstieg umgesetzt werden soll. Von Versorgungssicherheit und Bezahlbarkeit von Energie über Arbeitsplätze bis zum ökologischen Wiederherstellen der Abbaugebiete hänge ein Rattenschwanz von zu klärenden Problemen an dieser Frage. „Eine Deadline ist gut, aber es kann auch vorher klappen.“ Der passionierte Jäger und Vater einer Tochter monierte das in Deutschland weit verbreiteten Schwarzmalen à la „morgen geht die Welt unter“. Wer einen Klimanotstand ausrufe, „darf auch kein Freibad mehr betreiben“.

Jeder muss sich die Frage stellen, was er selbst tun kann.

Marc Henrichmann über die Anstrengung für Klimaschutz

Der Havixbecker warb für die klassischen Volksparteien, die die Aufgabe übernehmen, ein breites Spektrum an Aufgaben zu bewältigen und widerstreitende Interessen in Einklang zu bringen. Deshalb würde er auch wieder in die CDU eintreten, antwortete Henrichmann auf die Frage einer Schülerin. Der „Fridays for Future“-Bewegung zollte er Respekt: Ihr sei es gelungen, den Klimaschutz nach oben auf die Tagesordnung zu pushen. Allerdings pochte der Abgeordnete darauf, dass nicht nur die Politik in der Pflicht sei. „Das ist auch ein gesellschaftliches Problem. Jeder muss sich die Frage stellen, was er tun kann.“

Begrenzter Einfluss der Politik

Überhaupt – die Grenzen der Politik. Dass sich in der EU einzelne Staaten etwa bei der Flüchtlingspolitik oder auch beim Betreiben eines riskanten Atomkraftwerkes (eine weitere der pfiffigen Schülerfragen) aus der Affäre ziehen können, wurmt Henrichmann. „Wer sich verweigert, muss Konsequenzen spüren“, mahnte er europäische Solidarität an.

Der Halb-Berliner, der 21 Sitzungswochen lang an der Spree arbeitet, spürt auch den erhöhten Druck auf Mandatsträger durch soziale Medien und die Presse. „Ich wünsche mir manchmal mehr Nachsicht“, sagte der Politiker über prompte und oft harsche Gegenreaktionen auf Statements.

Von Wissen der Schüler beeindruckt

Vom politischen und technischen Wissen der JHG-Schüler war Henrichmann beeindruckt. Das Profil als Schule in der MINT-Exzellenz-Anwartschaft und der Stand bei der Digitalisierung wurden dem Gast bei einer Führung durchs JHG nahegebracht.

Die Schüler, die sich auch für Stellungnahmen zu E-Mobilität, Cannabis-Legalisierung oder dem Urheberrecht im Netz interessierten, gaben dem Politiker im Live-Talk gute Noten: „Er war nicht von oben herab, sondern hat uns als Personen ernst genommen“, ziehen Lennart Kasberg und Johanna Schmiing auf WN-Anfrage im Namen ihrer Klasse ein Fazit. Der Abgeordnete habe „sehr gut ´rübergebracht, wie hoch die Komplexität politischer Probleme“ sei. Dem Mann ohne Krawatte und mit Nerd-Brille bescheinigte die 9 b, laut Stimmungsbild der Schüler, „authentisch“ gewirkt zu haben.

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