Frauen in der Wehr nur langsam auf dem Vormarsch
Empathie ist ihre größte Stärke

Senden -

Die drei Löschzüge der Sendener Feuerwehr verfügen über modernisierte Gerätehäuser und eine zeitgemäße Ausstattung. Doch in puncto Frauenanteil hinkt die Wehr deutlich hinterher. Lediglich fünf der insgesamt 129 Aktiven sind weiblich. Bei der Jugendfeuerwehr liegt der Anteil der Mädchen allerdings schon bei rund 20 Prozent.

Dienstag, 23.07.2019, 14:30 Uhr aktualisiert: 26.07.2019, 15:41 Uhr
Anderen Menschen in Notsituationen zu helfen, ist die stärkste Triebfeder für die Frauen und Mädchen, sich in der aktiven Wehr beziehungsweise in der Jugendfeuerwehr tatkräftig zu engagieren.
Anderen Menschen in Notsituationen zu helfen, ist die stärkste Triebfeder für die Frauen und Mädchen, sich in der aktiven Wehr beziehungsweise in der Jugendfeuerwehr tatkräftig zu engagieren. Foto: Andreas Krüskemper

Die Feuerwehr ist bis heute eine Männerdomäne – obwohl der Anteil der Frauen stetig steigt. Lag die Quote bei der Freiwilligen Feuerwehr im Jahr 2000 deutschlandweit bei 5,7 Prozent, waren es 2016 immerhin schon 9,2 Prozent. In Senden hinkt die Wehr mit 3,8 Prozent – fünf Frauen bei 129 Aktiven – deutlich hinterher. Doch der Trend zeigt nach oben. Denn in der Jugendfeuerwehr sorgen aktuell vier Mädchen für einen Frauenanteil von rund 20 Prozent. Nach dem Umbau der Gerätehäuser in den drei Ortsteilen sind diese nun mit getrennten Umkleiden ausgestattet, sodass die Feuerwehr für einen Anstieg des Frauenanteils gerüstet ist.

Wie die Frauen und Mädchen ihren Weg zur Feuerwehr finden, ist sehr unterschiedlich. Tabitha Kramer beispielsweise hat mit der Schule das Sendener Gerätehaus besucht und sich dann mit einer Freundin entschieden, zur Feuerwehr zu gehen. Larissa Brockamp musste lange auf die Verwirklichung ihres Traumes warten: Mit sieben Jahren erwachte bei einem Tag der Offenen Tür in Ottmarsbocholt das Interesse an der Feuerwehr und hielt bis zum Erreichen es Jugendfeuerwehralters von 14 Jahren an.

Bei Lena Kautz spielte der Wunsch, anderen Menschen zu helfen, eine große Rolle bei der Entscheidung, zur Feuerwehr zu gehen. Das führte zu einem Domino-Effekt: Beim Sport begeisterte sie Nina Borchert für die Jugendfeuerwehr, die wiederum ihre Freundin Marie Wörmann mitbrachte.

Der Weg in die Feuerwehr führt nicht zwangsläufig über die Jugendfeuerwehr: Juliane Frank hat sich nach einem Aufruf auf der Homepage bei der Wehr gemeldet. „Die Voraussetzungen sind für Männer und Frauen gleich“, führt Christine Rüschenschmidt aus. Was einleuchtet, denn im Ernstfall sind alle gleichermaßen gefordert.

Die Akzeptanz bei den männlichen Kameraden ist auf jeden Fall da: „Wichtig ist, wie man sich in die Gruppe einfügt“, so die einhellige Meinung der Frauen. „Natürlich kommt ab und zu mal ein blöder Spruch, dann gibt man halt einen zurück, und es ist gut“, so Rüschenschmidt. Auch hier wird nicht zwischen Mann und Frau unterschieden.

Das häufigste Vorurteil, mit dem Frauen in der Wehr konfrontiert sind, ist, dass sie schwächer sind als Männer. „Teilweise stimmt das, aber auch unter den Männern gibt es stärkere und schwächere“, sagt Kautz. Dafür seien die weniger Starken oft kleiner und können sich durch Durchgänge zwängen, in denen andere stecken bleiben. Noch einen weiteren Vorteil nennen die Kameradinnen: Frauen sind oft empathischer als Männer. Bei der Betreuung von Patienten oder Betroffenen nach Bränden oder Unfällen tun sich Männer oft schwerer, sind sich die Frauen einig. Und wie sieht es mit „Zickenalarm“ aus? Dafür sei in der Feuerwehr kein Platz, heißt es unisono. Man dürfe keine Angst haben, mal dreckig zu werden. „Und man muss sich unbedingt aufeinander verlassen können“, heißt es aus der Runde.

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