Info-Abend zur Lidl-Erweiterung
Dialog ja – Harmonie nein

Senden -

Die geplante Erweiterung des Lidl-Marktes sehen die Nachbarn skeptisch. Zwar wurde von ihnen die frühzeitige Information und Einbeziehung in die Planung begrüßt, inhaltlich stoßen sich die Anrainer aber an mehreren Punkten und führen generelle Zweifel am Lärmschutzkonzept ins Feld.

Mittwoch, 11.09.2019, 19:56 Uhr
Die geplante Erweiterung des Lidl-Marktes stößt bei Nachbarn auf Skepsis.
Die geplante Erweiterung des Lidl-Marktes stößt bei Nachbarn auf Skepsis. Foto: di

Das Zauberwort des Abends lautete „Dialog“. Ob dieser Austausch, der mehrfach beschworen wurde, „magische“ Wirkung zeigt, steht dahin. Aber die Geste der Gemeindeverwaltung, die Bürger frühzeitig und noch vor dem später ohnehin förmlich vorgesehenen Beteiligungsverfahren einzubeziehen, war erkennbar. „Wir haben damit gute Erfahrungen gemacht“, betonte Bürgermeister Sebastian Täger, als er Anwohner aus den Bereichen Rorups Wiese und Winkelbusch am Dienstagabend zur Info-Versammlung im Rathaus begrüßte. Grund für das Treffen sind, wie berichtet, Absichten des Lebensmittel-Discounters Lidl , den Standort in Senden um 200 auf dann 1250 Quadratmeter Verkaufsfläche zu erweitern.

Dieses Gebäude an der Bulderner Straße muss weichen.

Dieses Gebäude an der Bulderner Straße muss weichen. Foto: di

Von diesem Wunsch habe die Verwaltung im vorigen April erfahren, schilderte Carsten Busche , Sachgebietsleiter im kommunalen Ressort Bauen und Planen, der die weiteren Schritte, den Flächennutzungsplan der Gemeinde Senden und Bebauungsplan Kalverkamp zu ändern, skizzierte. Busche, der ebenfalls den Dialog und größtmögliche Transparenz beteuerte, hob hervor, dass die Bauleitplanung noch ganz am Anfang stehe. Er appellierte an die anwesenden Anrainer, ihre Bedenken und Anregungen nicht nur während der Diskussionsrunde im Bürgersaal, sondern auch schriftlich zu Protokoll zu geben. Dies ist im Rahmen der „frühzeitigen Beteiligung der Öffentlichkeit“ noch bis zum 7. Oktober möglich, alle Plan-Unterlagen, betonte der Sachgebietsleiter, finden sich auf der Homepage der Gemeinde Senden. Während die Anwohner, was ihre Rolle im Verfahren betrifft, also ein Stück weit „abgeholt“ wurden, traten aber die „Sollbruchstellen“ hervor, als es um die inhaltlichen Aspekte ging.

Anlieferung durch eine Art Tunnel

Was Lidl, als Mieter der Immobilie, an der Bulderner Straße vorhat, stellte Steffen Noll vor. Um den Markt in Richtung Osten (Kreisel) zu erweitern, muss das angrenzende weiß verputzte Gebäude weichen. Die Lieferrampe für Lkw werde eingehaust. Quasi in eine Art Tunnel, dessen Innenleben mit schallabsorbierendem Belag ausgestattet ist, fahren die Brummis künftig hinein, wenn sie Waren bringen. Was gegenüber der bisherigen offenen Anlieferung einen Vorteil darstellt, wie Jürgen Gesing als Lärmschutzsachverständiger herausstellte. Die Anwohner fürchten aber, dass die überdachte Anlage außerhalb der Öffnungszeiten Personen anziehen könnte, die dort für abendliche Störungen sorgen. Ob der Anlieferungstunnel nicht verschlossen werden könnte, lautete eine Anfrage der Anwohner. Die offen blieb. Noll versprach im Anschluss an die Veranstaltung auch gegenüber den WN , diese und weitere Anmerkungen des Abends an den Grundstückseigentümer (=Bauherr) weiterzugeben, der der Einladung zu der Info-Versammlung selbst nicht gefolgt war.

Waren im Bürgersaal präsent: Nele Bonnekessel (Planungsbüro Wolters, v.l.), Bürgermeister Sebastian Täger, Beigeordneter Klaus Stephan, Schallschutzgutachter Jürgen Gesing und Lidl-Manager Steffen Noll.

Waren im Bürgersaal präsent: Nele Bonnekessel (Planungsbüro Wolters, v.l.), Bürgermeister Sebastian Täger, Beigeordneter Klaus Stephan, Schallschutzgutachter Jürgen Gesing und Lidl-Manager Steffen Noll. Foto: di

Generelle Einwände gegenüber Schallschutz-Konzept

Zu den neuralgischen Punkten zählte, dass die Einkaufswagen, bisher in den Gebäudekomplex integriert, auf den Parkplatz verlagert werden sollen. Auch dies könne einen Personenkreis anlocken, der mit den Wagen und an dem Unterstand Radau mache. Einwände der Anrainer rührten aber auch an der grundsätzlichen Methodik des Schallschutzgutachtens und der Ausweisung besonders des Wohngebiets Rorups Wiese, die schon strittig war, als sich Lidl ansiedelte. Nicht nur Lärm auf dem Parkplatz sei relevant, sondern auch Lärm auf der Straße, der entsteht, weil der Discounter Kunden anzieht, machten Anlieger geltend.

Öffnungszeiten als neuralgischer Punkt

Auf die Absicht von Lidl , die Öffnungszeiten auszuweiten zu wollen, reagierten die Nachbarn sehr empfindlich. Geregelt wird dies aber nicht im Baurecht, sondern in einem separaten städtebaulichen Vertrag.

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