Empörte Reaktion im Rathaus
Bauern wehren sich gegen Diffamierung

Senden -

„An den Pranger gestellt“ seien die Landwirte, erklärt Bernd Aundrup im Brustton der Überzeugung. Und diese „Diffamierung ihres Berufstandes“ lassen er und seine Kollegen in Senden nicht auf sich sitzen - auch sie wollen informieren, Verfehlungen anmahnen und ihr eigenes Bild von der Problematik zeichnen. Denn das Bild, das die Ausstellung „Irrweg Pestizide“ im Sendener Rathaus von Landwirtschaft zeichne, ist laut den Landwirten vor allem eins: einseitig. Ihre Meinung taten sie darum mit einer Demo in Senden lautstark kund und brüllten im Rathaus sogar die Verantwortlichen an.

Montag, 16.09.2019, 17:43 Uhr aktualisiert: 16.09.2019, 17:57 Uhr
Empörte Reaktion im Rathaus: Bauern wehren sich gegen Diffamierung
Wollen nicht am Pranger stehen: Landwirte aus Senden kamen zum Rathaus zur Eröffnung der Ausstellung, "die für sie ein Fass zum Überlaufen gebracht hat". Foto: Hannah Harhues

Im Rahmen der Klimaschutzwochen im Kreis Coesfeld stellt die Gemeinde Senden als eine von einer Reihe von Aktionen die Ausstellung „Irrweg Pestizide“ vom NABU Regionalverband Angermünde in Brandenburg aus. Auf 12 Tafeln soll auf negative Auswirkungen des Einsatzes von Pestiziden in der industriellen Landwirtschaft aufmerksam gemacht werden, thematisiert werden unter anderem das Artensterben, das Pestizid Glyphosat, der globale Welthandel mit Lebensmitteln sowie Strategien der ökologischen Landwirtschaft.

Hier wird ein gesamter Berufsstand unter Generalverdacht gestellt und angeklagt.

Landwirtin Mechthild Aundrup

Für die Landwirte des Sendener Ortsvereins, die bei der Eröffnung am Sonntag ihre Wut deutlich machten, ist die Botschaft der Ausstellung eindeutig: „Hier wird ein gesamter Berufsstand unter Generalverdacht gestellt und angeklagt“, meint Landwirtin Mechthild Aundrup . Die Tafeln würden Tatsachen darstellen, die auf kommunaler Ebene schlichtweg falsch und nicht anwendbar seien - die Verwaltung habe es sich mit dieser Ausstellung aus Brandenburg leicht gemacht, so der drastische Vorwurf der Bauern. Aufgrund der Demo konnte die Eröffnung nicht planmäßig stattfinden und lediglich zwei Gäste besuchten die Veranstaltung, blieben jedoch auch nicht für den NABU-Film über das Artensterben, der im Anschluss gezeigt wurde.

Wir wollen mit den Landwirten im Gespräch bleiben und den Dialog weiterführen.

Petra Vollmerg, Klimaschutzmanagerin der Gemeinde Senden

Dass die lokalen Landwirte jedoch nicht die Zielscheibe dieser Aktion sein sollten, möchte Petra Vollmerg , Klimaschutzmanagerin der Gemeinde Senden, betonen: „Unsere Intention war nicht ein Angriff auf die Landwirte, sondern ein Plädoyer für die ökologische Landwirtschaft“, so Vollmerg. Die Ausstellung wandere außerdem durch Deutschland und sei von Brandenburg und nicht für Brandenburg erstellt worden. Verständnis für die Reaktion der Sendener Landwirte, die von allen Seiten unter Druck ständen, äußerte Vollmerg auch und lobte schon gemachte Fortschritte in der Verwendung von Pestiziden. „Wir wollen mit den Landwirten im Gespräch bleiben und den Dialog weiterführen“, betonte die Klimaschutzmanagerin.

Klimaschützer

Hatten nicht mit so heftigen Reaktionen gerechnet: Klimaschutzmanagerin Petra Volmerg (3.v.l.) sowie Karina Mildner, Wolfgang Dropmann und Sven Hoffman von der Agenda 21-Gruppe. Foto: Harhues

Die Rolle des Buhmanns und ständige Vorwürfe von allen Seiten, sind die Landwirte absolut leid. Die Ausstellung in Senden war also nur der ein Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte, machten sie bei der Kundgebung am Sonntag deutlich. Normalerweise halte man sich aus der Politik raus, doch durch die „nicht objektive Berichterstattung“ der Ausstellung, würden „Brücken eher eingerissen statt gebaut“, klagten die Landwirte.

„Wir Landwirte sind mündig und lassen uns von der Chemie nichts vorschreiben“, erklärte Hiltrud Schulze-Icking und verwies auf Fortbildungen, Beratung von Experten, Feldbegehungen, das reduzierte Füttern von Soja und die laut ihr insgesamt sparsame Verwendung von Pestiziden - Maßnahmen, die die Landwirte durchführen, um immer auf dem neuesten Stand der Wissenschaft zu bleiben. Dass aber auch Fehler begangen wurden, gaben die Bauern zu: „Wir wissen, dass wir noch etwas besser machen müssen und verschließen uns ganz sicher nicht Neuerungen“, betonte Mechthild Aundrup.

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