20 Jahre Roter Keil
Viel Unterstützung und viel zu tun

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Das Netzwerk Roter Keil feiert am Samstag (28. September) in Münster sein 20-jähriges Bestehen – kurz nach dem Weltkindertag und fast synchron mit dem Geburtstag der UN-Kinderrechtskonvention, die vor 30 Jahren verabschiedet wurde. Zwischen den dort verbrieften Rechten und der realen Situation vieler Kinder klafft aber noch eine beträchtliche Lücke.

Samstag, 28.09.2019, 14:00 Uhr
Christoph Schludecker, Vorstandsmitglied der Ortsgruppe Senden des Roten Keils.
Christoph Schludecker, Vorstandsmitglied der Ortsgruppe Senden des Roten Keils. Foto: privat

Über den Schutz von Kindern vor sexuellen Grenzverletzungen, Sensibilisierung und Aufklärung sprach unser Redaktionsmitglied Dietrich Harhues mit Christoph Schludecker , Vorstandsmitglied der Ortsgruppe Senden des Roten Keils, die 2006 gegründet wurde.

Was unterscheidet sich die anfängliche Arbeit vom heutigen Engagement?

Christoph Schludecker: Als wir vor 20 Jahren mit unserer Arbeit angefangen haben, war sexueller Kindesmissbrauch ein absolutes Tabuthema. Er fand statt, aber man dachte, er finde nur im Ausland statt und nicht bei uns. Es sind deutsche Männer, die als Sextouristen nach Sri Lanka, Thailand oder auf die Philippinen fahren, aber auch in Deutschland werden Kinder missbraucht. Es war wichtig, dieses Thema aus der Tabuzone zu holen – offen darüber zu sprechen und den Opfern eine Stimme zu geben. Früher waren die Kontaktaufnahmen zu Kindern noch offensichtlicher, geschahen auf Sport- oder Spielplätzen oder in Schwimmbädern. Heute geschieht das mehr im Verborgenen über das Internet. Hier müssen die Kinder über die Gefahren aufgeklärt werden.

Weshalb ist die Arbeit von Roter Keil wichtig?

Schludecker: Sexueller Kindesmissbrauch findet ganz häufig in geschützten Bereichen statt. Betroffen sind Jugendliche, Schul- und Kindergartenkinder, sogar Säuglinge oder Kinder und junge Menschen mit körperlichen oder geistigen Beeinträchtigungen. Diesen Kindern müssen wir eine Stimme geben.

Sind schon Erfolge zu verzeichnen oder nimmt die Wucht der Aufgaben eher noch zu?

Schludecker: In den Jahren ist schon einiges erreicht worden: In vielen Kindergärten und Schulen finden regelmäßige Präventionsprojekte für Kinder statt, Selbstbehauptungskurse für Mädchen und Jungen, Schulungen im Umgang mit den neuen Medien, Schulungen für Pädagogen und Lehrer im Umgang mit dem Thema sexuelle Gewalt; ein erweitertes Führungszeugnis für Trainer und Ehrenamtliche in Vereinen, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten. Das ist aber noch nicht genug. Neue Konzepte gegen die neuen Bedrohungen müssen erarbeitet werden – Stichwort Lover-Boys. Hier findet am 11. November im Rathaus Senden eine Informationsveranstaltung statt. Dies muss professionell erarbeitet werden. Das kann das Ehrenamt nicht leisten. Wir brauchen dafür Unterstützung von der Politik und endlich eine Fachstelle gegen Gewalt an Kindern und Jugendlichen im Kreis Coesfeld!

Was motiviert einen persönlich, diese ehrenamtliche Aufgabe zu übernehmen? Welche Erlebnisse spornen an, geben Kraft?

Schludecker: Es sind die vielen Kontakte zu unseren Projektpartnern und deren Berichte über die Kinder, die sie betreuen. Diesen Kindern wurde und wird so Furchtbares angetan, dass es uns auch nach Jahren schwerfällt, dies zu hören. Aber wir sehen auch, dass wir mit unseren Partnern vor Ort etwas dagegensetzen können. Wenn es auch manchmal nicht viel ist, aber genau das ist unsere Motivation, meine Motivation, weiter zu machen und die Kinder mit ihrem Schicksal nicht alleine zu lassen. Der diesjährige Weltkindertag stand unter dem Motto: „Wir Kinder haben Rechte!“ In Deutschland sind diese Kinderrechte noch nicht im Grundgesetz verankert. Es bleibt also noch viel zu tun.

Wie gelingt es ehrenamtlich Engagierten, das zu verarbeiten, was ihnen durch die Arbeit im Netzwerk und mit seinen Partnern an belastenden Berichten oder persönlichen Kontakten begegnet?

Schludecker: Unterstützung durch meine Familie, die Zusammenarbeit mit den Projektpartnern, die tollen Begegnungen mit engagierten Menschen – das hilft. Mein besonderer Dank gilt dem Radteam Roter Keil und der vielen positiven spontanen Unterstützung, die ich auf Veranstaltungen erfahre.

Nimmt die Bereitschaft der Bevölkerung am Ort, Roter Keil zu unterstützen, angesichts der häufigen Berichte in Medien eher zu oder schotten sich viele eher ab?

Schludecker: Wir stellen immer wieder fest, dass die Bereitschaft, sich mit dem Thema auseinander zu setzen, groß ist. Auch die Bereitschaft, sich für Verbesserungen einzusetzen, ist da, gerade nach Vorfällen wie auf dem Campingplatz in Lügde. Viele wissen aber nicht, wofür der Rote Keil steht und dass sie hier die Möglichkeit hätten, aktiv zu werden.

Haben sich die Vorwürfe gegen Christoph Metzelder als einen frühen und prominenten Unterstützer von Roter Keil auf die Arbeit des Vereins ausgewirkt?

Schludecker: Christoph Metzelder war ein Mitbegründer des Roten Keils. Er ist mit ihm verbunden, auch wenn er seit 2006 seine eigene Stiftung unterhält und nicht mehr aktiv für den Roten Keil tätig ist. Die Vorwürfe haben uns alle schockiert. Für mich gilt die Unschuldsvermutung als eines der zentralen rechtsstaatlichen Prinzipien. Ich habe großes Vertrauen in die Mechanismen dieses Rechtsstaates und in die Behörden.

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