Pfarrer Henry Okeke hat Doktorarbeit abgeschlossen
Fernes Afrika ist im Glauben nah

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Traditionelle afrikanische Glaubensauffassungen und der in Europa geprägte christliche Glaube sind gar nicht so weit voneinander entfernt, wie es scheinen mag. Dieses Phänomen zeigt der im Sendener Seelsorgeteam, aus Nigeria stammende Pfarrer Henry Okeke in seiner soeben fertiggestellten Doktorarbeit auf.

Samstag, 19.10.2019, 13:00 Uhr
Pfarrer Henry Okeke hofft, dass seine Doktorarbeit über die Spiritualität seines Volkes einen Beitrag zum besseren Verständnis der afrikanischen Kultur leisten wird.
Pfarrer Henry Okeke hofft, dass seine Doktorarbeit über die Spiritualität seines Volkes einen Beitrag zum besseren Verständnis der afrikanischen Kultur leisten wird. Foto: Siegmar Syffus

„Die meisten Deutschen kennen Afrika gar nicht. Die Religion, die Mentalität und die Kultur sind sehr unterschiedlich“, weiß Henry Okeke durch unzählige persönliche Erfahrungen. Schließlich lebt der aus Nigeria stammende Priester schon seit 2013 in Deutschland und ist seit Juli 2014 Pastor mit voller Stelle im Seelsorgeteam von St. Laurentius. Trotz aller Unterschiede, sagt Okeke, seien Glauben und Spiritualität auf den beiden Kontinenten gar nicht so weit voneinander entfernt, wie es den Anschein haben mag. Das zeigt der 54-Jährige in seiner soeben abgeschlossenen Doktorarbeit.

„Außerdem habe ich hier viel über Integration und Mentalitätsunterschiede gelernt. Mit meiner Dissertation möchte ich den Menschen etwas aus meiner eigenen Kultur zurückgeben“, führt Okeke aus. Denn mit Blick auf die katholische Kirche, die sich als Weltkirche verstehe, sei es wichtig, Brücken zwischen den unterschiedlichen Kulturen zu bauen, damit die Menschen im Glauben Christi „einander verstehen und voneinander lernen“.

„Die Spiritualität des Igbo-Volkes in Nigeria als Exempel eines religiösen Modernisierungsprozesses in einer globalen Welt“, lautet der deutsche Titel der 398-seitigen, in englischer Sprache verfassten wissenschaftlichen Arbeit. Mittlerweile liegt auch die von dem Bösenseller Theologen Prof. Dr. Detlev Dormeyer (sprachlich) überarbeitete deutsche Fassung vor.

In seiner Dissertation an der Universität Duisburg-Essen beschreibt Okeke die Spiritualität seines Volkes, der Igbo, einer ethnischen Gruppe von rund 50 Millionen Menschen im heutigen Nigeria. Die Igbo „zeichnen sich durch harte Arbeit, Erfolgsstreben, Anpassungsfähigkeit und demokratische Basisarbeit, aber auch durch ,Starrsinnigkeit’ aus“, schreibt Dormeyer im Vorwort der Dissertation. Die Religion basiere auf der Idee eines höchsten, allmächtigen Wesens „Chukwu“. Dieser „ große Geist“ sei den Menschen so fern, dass er erst durch die Vermittlung von Untergöttern und der verstorbenen Ahnen erreichbar werde.

Hier gebe es Parallelen zur christlichen Religion, sagt Okeke – zum gütigen allmächtigen Gott und zu den Heiligen als Bindeglieder, zu denen die Menschen beten, wenn sie um die Unterstützung Gottes bitten. Aufgrund dieser Ähnlichkeiten sei der christliche Glaube bei den Igbo auf fruchtbaren Boden getroffen. Rund 90 Prozent seien Christen – auf ihre eigene, spirituelle Weise. Denn: „Kultur und Religion kann man nicht voneinander trennen“, betont der afrikanische Geistliche ausdrücklich.

So urteilt Dormeyer in seinem Vorwort zur deutschen Fassung der Dissertation (200 Seiten): „Okeke ist ein Zeitzeuge der Igbos, der aus eigener Betroffenheit durch den Biafrakrieg den Modernisierungsprozess der traditionellen Igbo-Religion und des Christentums kritisch zu analysieren und neue Perspektiven aufzuzeigen weiß, nicht nur für die Igbos in Afrika, sondern für die globale Welt, also auch für Europa.“

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Seine Doktorarbeit präsentiert Henry Okeke gemeinsam mit Detlev Dormeyer im Rahmen eines Vortrags, den er am 13. Dezember in Senden, am 16. Dezember in Ottmarsbocholt und am 18. Dezember in Bösensell, jeweils um 19.30 Uhr im örtlichen Pfarrheim, halten möchte.

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