KFD St. Urban beschäftigt sich mit Leben und Werk von Mascha Kaleko
Kulinarischer Abend mit literarischer Kost

Ottmarsbocholt -

Im Vorfeld des literarisch-kulinarischen Abends der KFD St. Urban war es nicht zu ahnen, dass der Abend Brisanz bekommen würde. Doch nach dem Anschlag von Halle folgten die Frauen dem Vortrag über Leben und Werk der jüdischen Schriftstellerin Mascha Kaleko mit ganz besonderer Aufmerksamkeit.

Sonntag, 20.10.2019, 13:40 Uhr aktualisiert: 21.10.2019, 15:56 Uhr
Pastoralreferentin Ute Albrecht (stehend) stellte den KFD-Frauen im Rahmen des kulinarischen Abends das Leben und Werk der jüdischen Schriftstellerin Mascha Kaleko vor
Pastoralreferentin Ute Albrecht (stehend) stellte den KFD-Frauen im Rahmen des kulinarischen Abends das Leben und Werk der jüdischen Schriftstellerin Mascha Kaleko vor Foto: ure

In dem Gefühl groß zu werden, heimatlos, vaterlos und überall ein Fremdling zu sein: So charakterisierte Pastoralreferentin Ute Albrecht am Freitagabend im Pfarrheim die Umstände, unter denen Mascha Kaleko aufgewachsen ist. Eine jüdische Frau und eine Dichterin. Zwar nicht jemand, den man unbedingt zu den ganz bekannten Schriftstellerinnen zählt, was aber nichts an der Tatsache ändert, dass sie „wunderschöne Gedichte geschrieben hat“, von denen die KFD-Vorsitzende Margret Klemmer in ihrer Begrüßung so schwärmte. Und das machte Lust darauf, mehr über diese Person und ihre beeindruckende Lebensgeschichte zu erfahren. Und weil das Ganze im Rahmen des „kulinarischen Abends“ stattfand, gab es dabei für die 21 Teilnehmerinnen auch noch Schmackhaftes auf den Teller.

Seit etwa acht Jahren gibt es bei der KFD St. Urban jetzt eine erfolgreiche Kombination von Kochkunst mit Religiosität und Kultur. Den Anfang machte seinerzeit eine „biblische Mahlzeit“, bei der man sich intensiv mit dem Apostel Paulus beschäftigte. „Wir sind damals mit einem Mann angefangen“, erinnert sich Albrecht, in deren Händen von Anbeginn an die inhaltliche Gestaltung dieser Veranstaltungen liegt, was Margret Klemmer ein anerkennendes Wort wert war. Danach verlegte man sich auf das weibliche Geschlecht. Zunächst waren es Heilige, deren Leben daraufhin abgeklopft wurden, wie es den Menschen in der heutigen Zeit eine Stütze sein kann. Später dehnte man den Radius auf Frauen aus, die in der Vergangenheit bedeutende literarische Texte verfasst haben.

Als das KFD-Team die Initiative dazu ergriff, sich jetzt mit der Biografie der 1907 in Galizien (Südpolen) geborenen Jüdin Mascha Kaleko auseinanderzusetzen, habe man nicht ahnen können, dass diese Thematik nach dem Anschlag von Halle nun eine aktuelle Brisanz bekommen habe, erklärte Margret Klemmer. Die erste Judenverfolgung erlebte Kaleko im Alter von sieben Jahren, als ihre Familie nach Ausbruch des ersten Weltkrieges vor den Russen nach Deutschland fliehen musste. Dort wurde dann aber ihr Vater aufgrund seiner russischen Staatsbürgerschaft als feindlicher Ausländer interniert. Später erlang sie in Berlin große literarische Anerkennung, ihre Karriere wurde aber 1938 „sozusagen zwangsweise unterbrochen“, womit Ute Albrecht auf die Flucht vor den Nationalsozialisten in die USA abzielte.

Ein „falscher Hase“ spielte am Freitag in zweifacher Hinsicht eine Rolle. Zum einen gehörte er zu der geistigen Nahrung, weil es ein hierzu von der Jüdin geschriebenes Gedicht gibt. Zum anderen handelte es sich um den hierunter allseits bekannten Hackbraten, was Margret Klemmer zu einem dicken Dankeschön an das Kochteam veranlasste.

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