Leiche lag acht Jahre lang in Wohnung
Bekannte sollen sich an Konto des toten Sendeners bedient haben

Senden -

Nach dem Leichenfund in Senden Ende September hat die Polizei fünf Wohnungen durchsucht. Deren Bewohner sollen sich unrechtmäßig Zutritt zu den Kontodaten des Toten verschafft und damit unter anderem Verträge auf seine Kosten abgeschlossen haben. 

Donnerstag, 31.10.2019, 12:00 Uhr aktualisiert: 31.10.2019, 12:31 Uhr
Leiche lag acht Jahre lang in Wohnung: Bekannte sollen sich an Konto des toten Sendeners bedient haben
Einer der Verdächtigen, dessen Wohnung am Mittwoch durchsucht wurde, hatte 2016 die Kennzeichen des Autos des Verstorbenen abmontiert und an einen anderen Wagen zum Transportieren von Drogen geschraubt. Foto: di

Im Zuge der Ermittlungen um den Fund der zufällig entdeckten Leiche eines bereits 2011 verstorbenen Mannes "vollstreckte die Polizei Coesfeld am gestrigen Mittwoch insgesamt fünf Durchsuchungsbeschlüsse in Senden, Münster und im Kreis Warendorf", heißt es in der Pressemitteilung der Polizei vom Donnerstag.

Grund für die Hausdurchsuchungen waren noch offene Fragen: "insbesondere die Frage nach der Post, die dem Verstorbenen weiter zugestellt worden war". Anwohner des 39-Parteien-Hauses an der Schulze-Bremer-Straße hatten die Briefe des toten Frührentners wohl zunächst aufbewahrt und einige Zeit später entsorgt. Allerdings stieß die Polizei auch auf widerrechtliche Abbuchungen vom Konto des Verstorbenen. Dessen Leiche und die seines Hundes waren erst durch Zufall nach einem Brand in dem Hochhaus am 22. September entdeckt worden. 

Nun scheinen die Ermittlungen für die Polizei weitgehend abgeschlossen zu sein. Denn: Bei den Wohnungsdurchsuchungen seien Beweismittel gefunden worden, die den Verdacht des Betrugs und der Verletzung des Briefgeheimnisses "in allen Fällen" bestätigten, sagte eine Sprecherin der Polizei. So hätten vier Männer und Frauen - darunter ehemalige Nachbarn und Bekannte von aktuellen Hausbewohnern - die Briefe des mit 59 Jahren verstorbenen Mannes geöffnet, seien so an seine Kontodaten gekommen und hätten damit beispielsweise Handyverträge abgeschlossen. 

Der Polizei Coesfeld zufolge beläuft sich die Schadenshöhe auf rund 2000 Euro. Die Tatverdächtigen sollen seit Sommer 2017 auf Kosten des Toten Einkäufe getätigt haben. Gegen sie werden nun Verfahren eingeleitet.

"Völlig überzogen" Wohnungen gestürmt

Betroffen von den Durchsuchungen der Polizei am Mittwoch war auch ein 25-Jähriger aus Senden, der sich nach eigenen Angaben in der Wohnung seiner Frau in Gremmendorf aufgehalten hatte. Er bezeichnete den Einsatz der Beamten als "völlig überzogen". Mit gezogenen Waffen und Sturmhauben seien die Räume um 6.20 Uhr gestürmt worden. Folge: Eine beschädigte Wohnungstür und "Chaos" in der Wohnung. Die eineinhalbjährige Tochter des Paars sei dadurch erheblich geschockt worden, schildert der 25-Jährige, der von sich aus den Kontakt zur WN-Redaktion gesucht hatte.

Der 25-Jährige, der durch den Polizeieinsatz verletzt worden sei, habe eine Ärztin aufgesucht und eine Anwältin eingeschaltet. Er räumte aber auch ein, 2016 die Kfz-Kennzeichen am Auto des Verstorbenen mit einem Bekannten abmontiert zu haben. Mit dem Auto, in dem die Kennzeichen gefunden wurden, waren beträchtliche Mengen Drogen, darunter Amphetamine, transportiert worden. Der 25-Jährige, so seine Schilderung, sei aber "nur" wegen Fahrens unter Betäubungsmitteleinfluss und ohne Führerschein sowie Diebstahls der Kennzeichen belangt worden.

Leichenfund im Hochhaus in Senden

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  • Rosen und Grablicht wurden an dem Auto des Verstorbenen, das noch immer auf dem Privatparkplatz steht, aufgestellt.

    Foto: di
  • Brandstelle, die zum Feuerwehreinsatz und zur Evakuierung des Gebäudes führte, ist noch lange Zeit abgesperrt.

    Foto: di
  • Angelika Havener kuschelt mit Toulouse, die heute 60-Jährige hatte intensiv um den Nachbarn gekümmert.

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  • In der zweiten Etage lebte der Frührentner auf etwa 50 Quadratmetern.

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  • Alle Sendener Löschzüge waren mit Unterstützung von benachbarten Wehren im Einsatz.

    Foto: Feuerwehr
  • Der Feuerwehreinsatz zog sich lange hin.

    Foto: di
  • Das DRK war ebenfalls mit einem starken Kräfteaufgebot bei dem Brand an der Schulze-Bremer-Straße im Einsatz.

    Foto: DRK
  • Anwohner des evakuierten Hauses mussten versorgt werden.

    Foto: DRK
  • DRK, Feuerwehren und Polizei arbeiteten bei dem Großeinsatz zusammen.

    Foto: DRK
  • Der Wohnkomplex stammt aus den 1970er Jahren.

    Foto: di
  • Unter Atemschutz drangen Wehrleute durch extrem dichten Raum gegen den Brandherd im Keller vor.

    Foto: Feuerwehr
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