Literarisch-musikalischer Abend im Rathaus
Else Lasker-Schüler: Exzentrisch, rastlos, genial

Senden -

Beim vierten literarisch-musikalischen Abend präsentierten Rezitatorin Claudia Wulf und Pianistin Andrea Sauer Leben und Werk der Lyrikerin Else Lasker-Schüler. Die wohl bedeutendste Dichterin des Expressionismus war ihrer Zeit in verschiedenen Aspekten weit voraus.

Donnerstag, 31.10.2019, 17:08 Uhr aktualisiert: 04.11.2019, 15:26 Uhr
Ließen Leben und Werk der Lyrikerin Else Lasker-Schüler im Sendener Rathaus lebendig werden: Pianistin Andrea Sauer (l.) und Rezitatorin Claudia Wulf.
Ließen Leben und Werk der Lyrikerin Else Lasker-Schüler im Sendener Rathaus lebendig werden: Pianistin Andrea Sauer (l.) und Rezitatorin Claudia Wulf. Foto: Angela Weiper

„Am Ende des Abends werden Sie genauer wissen, wer Else Lasker-Schüler war, wie sie gelebt und was sie gemacht hat“, sagte Günter Melchers vom Kulturamt der Gemeinde Senden, als er am Mittwoch den literarisch-musikalischen Abend im Rathaus eröffnete. Claudia Wulf (Lüdinghausen) als Rezitatorin und Erzählerin und Andrea Sauer (Nordkirchen) als Pianistin, die diese Veranstaltung nunmehr schon zum vierten Mal gestalteten, nahmen die rund 100 Zuschauer mit auf eine spannende Reise durch das Leben der wohl bedeutendsten Dichterin des Expressionismus. Den beiden Künstlerinnen gelang es, das Leben der Else Lasker-Schüler, die 1869 in Elberfeld geboren wurde und 1945 in Jerusalem starb, in 90 spannende, informative und unterhaltsame Minuten zu packen.

Eckig und ruhelos, oft ihrer Zeit weit voraus, in einer Traumwelt lebend, zweimal verheiratet, zweimal geschieden, aber doch stets auf der Suche nach der großen Liebe: Lasker-Schüler war Mutter eines unehelichen Sohnes, Exzentrikerin, Lebefrau in der Berliner Gesellschaft, die am liebsten Männerkleidung trug, Freundschaften mit Künstlern wie Franz Marc pflegte. Die Jüdin reiste mehrere Male nach Palästina, kam aber dort nie wirklich an. Vor allem aber war sie eine vielfältig interessierte Künstlerin und geniale Lyrikerin, deren Gedichte und Prosa sich durch ein Sprachgefühl hervortun, das von unendlicher Zartheit geprägt ist, deren Sinn aber oft nur schwer zu fassen ist.

Das alles und noch viel mehr ist Else Lasker-Schüler, deren Leben einst im beschaulichen Elberfeld, das heute zu Wuppertal gehört, begann und stark von ihrer Mutter Jeanette geprägt war. Sie war es, die der Tochter mit zwei Jahren das Reimen beibrachte, mit vier Jahren Lesen und Schreiben und ihr so den Ruf eines Wunderkindes verschaffte. Jeanette Schüler tauchte oft in Fantasiewelten ab, liebte Ritterromane und schätzte Goethe.

Sie starb, als Elisabeth, genannt Else, 21 Jahre alt war und riss eine große Lücke in das Leben ihrer Tochter: Es war für Else die „Vertreibung aus dem Paradies“. Knapp vier Jahre später heiratete sie den Arzt Berthold Lasker und zog mit ihm nach Berlin, wo ihre literarische Karriere begann. Ihren ersten Gedichtband „Styx“ veröffentlichte sie 1901. Auch sie verlor sich in Traumwelten, gab sich Namen wie Prinz Yussuf von Theben oder Prinzessin Tino von Bagdad.

Ihr Leben endete 1945 in Jerusalem, begraben wurde sie am Ölberg. Wo sich ihr Grab genau befindet, weiß heute niemand mehr.

Und so scheint auch der Schlusspunkt ihres Lebens ein Zeichen für ihre Rast- und Ruhelosigkeit zu sein: Dem Leben zugetan, aber nirgendwo richtig zu Hause.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7035626?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F104%2F166%2F
Nachrichten-Ticker