Reaktion auf Zivilcourage eines 19-Jährigen
Von Respekt bis zu konkreter Hilfe

Senden -

Der Vorfall, den die WN ausführlich nachgezeichnet haben, blieb nicht ohne Reaktionen: Mehrere WN-Leser bieten dem 19-Jährigen Hilfe an, dessen Auto von einem Aggressor, der Frauen bedroht hat, mit einem Fußtritt massiv beschädigt worden ist. Auch der „Weiße Ring“ nimmt sich des Falls an.

Mittwoch, 06.11.2019, 07:30 Uhr aktualisiert: 06.11.2019, 07:38 Uhr
Auf 3000 bis 3500 Euro beläuft sich der Schaden an dem Auto des 19-Jährigen. Zumindest für einen Teil des Ausfalls zeichnet sich Unterstützung ab.
Auf 3000 bis 3500 Euro beläuft sich der Schaden an dem Auto des 19-Jährigen. Zumindest für einen Teil des Ausfalls zeichnet sich Unterstützung ab. Foto: di

Die Empörung war zu erwarten. Und sie war zu spüren. Auf den WN-Bericht „Zivilcourage endet mit Blechschaden“ [WN+] folgten einige Reaktionen. Der Tenor: Es kann nicht angehen, dass ein junger Mann auf einem hohen finanziellen Verlust sitzen bleibt, nur weil er sich eingemischt hat. Über die Bekundungen hinaus, dem 19-Jährigen für sein Verhalten Respekt zu zollen, bleibt es aber nicht. Mehrere WN-Leser haben dem Opfer eines gewalttätigen 32-Jährigen, der wiederholt in Senden wütete, konkrete Hilfe angeboten.

Bürger bieten finanzielle Unterstützung für Reparatur an

„Das verdient auf jeden Fall Anerkennung“, begründete ein Sendener, weshalb er den 19-Jährigen bei den Reparaturkosten für das Auto unterstützen will. „Ich bin dabei“, kündigte auch ein örtlicher Unternehmer gegenüber den WN an, der sich anschließen will, sobald eine Hilfsaktion für den Geschädigten initiiert würde. Bis nach Nottuln zog der Vorfall, der auch in Senden starken Nachhall fand, seine Kreise: „Zivilcourage – wir helfen gerne“, lautete die Betreffzeile der Mail einer Familie aus Sendens Nachbargemeinde an die WN-Redaktion. In dem Schreiben wird offeriert, dem 19-Jährigen unter die Arme zu greifen. Denn: „Hut ab“ vor seinem Verhalten, so die Nottulnerin über den Sendener, der drei junge Frauen vor einem Angriff auf helllichter Straße bewahrte. Eine „innere Gänsehaut“ habe sie ergriffen, als sie den Artikel las, schilderte die Nottulnerin, die jetzt Unterstützung leisten will, im Gespräch mit den WN.

Ich will nicht als Held dastehen.

19-Jähriger aus Senden sieht sein Verhalten als ganz normal an

Dass es auch juristische Wege gibt, Ansprüche gegenüber dem Aggressor, der in eine psychiatrische Klinik zwangseingewiesen wurde, geltend zu machen, weiß der junge Mann, dessen Wagen auf seine Mutter zugelassen ist. Die Chance, tatsächlich Schadenersatz zu erhalten, schätze die Polizei jedoch als gering ein, gibt die Familie des Opfers die Äußerungen in der Kriminalwache wieder.

Polizei schlägt Brücke zu Opferschutzorganisation

Was die Polizei aber ausdrücklich getan hat, ist, die Brücke zu Opferschutzorganisationen zu schlagen. So sei der örtlich zuständige Weiße Ring bereits informiert und – nach Rücksprache mit dem 19-Jährigen – eine Kontaktaufnahme verabredet worden. Dabei geht es zwar um eine mögliche materielle Kompensation – aber nicht nur. Denn auch die Wirkung der aggressiven Attacke auf den 19-Jährigen sowie auf die drei jungen Frauen und die Besucher des Lidl-Marktes könne noch zu Belastungen führen.

Traumatische Belastung nicht auszuschließen

Das gibt auch Dominic Schreiner, Pressesprecher des „ Weißen Rings “, auf Anfrage zu bedenken. Diese Organisation bietet nicht nur Rechtsberatung, sondern knüpft auch weitere Hilfe, wenn sich nach Verbrechen traumatische Erlebnisse einbrennen. Der „Weiße Ring“ stellt ebenso Informationen über Opferentschädigungen bereit und übernimmt es unter bestimmten Voraussetzungen auch selbst, finanziellen Ausgleich bereitzustellen. „Da ist auch etwas möglich“, bestätigt Schreiner. Er bricht ebenfalls eine Lanze für Zivilcourage. Dabei gelte als Grundregel, den Selbstschutz zu beachten, sofort weitere Unterstützer zu suchen und die Polizei zu alarmieren. Was der 19-Jährige getan hat. Für sein Dazwischengehen hat er auch in persönlichen seinem Umfeld ein paar Schulterklopfer eingeheimst. „Aber ich will nicht als Held dastehen“, stellt der junge Mann klar.

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