Kabarettabend mit Simone Solga
„Das war jetzt böse“

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„Kuschelkurs“ war beim Kabarettabend mit Simone Solga ganz und gar nicht angesagt. Scharfzüngig ging sie vor rund 600 Zuschauern mit der Bundespolitik ins Gericht. Doch sie thematisierte auch ihre eigene Kindheit und Jugend in der DDR.

Sonntag, 17.11.2019, 12:00 Uhr
Scharfzüngig ging die Kabarettistin Simone Solga mit der Bundespolitik ins Gericht.
Scharfzüngig ging die Kabarettistin Simone Solga mit der Bundespolitik ins Gericht. Foto: Bastian Becker

„Ich bitte Sie heute Abend ganz offiziell um Asyl“: So stellte sich Kabarettistin Simone Solga am Freitagabend vor etwa 600 Zuschauern in der Halle 2 im Sportpark vor. Denn die selbst ernannte „Kanzlersouffleuse“ befindet sich auf der Flucht aus dem Krisengebiet, dem politischen Berlin. So wunderte sich die Leipzigerin auch nicht über die Unterbringung in einer Turnhalle und versprach: „Ich werde ihren Glauben akzeptieren, dass die Steverhalle nächstes Jahr fertig wird.“

„Ich bin an sich ein zartes, liebes Wesen“, erklärte Solga zwischenzeitlich. In ihrem Programm „Jetzt gibt´s Ärger“ vermittelte sie diesen Eindruck relativ selten. Kuschelkurs war nicht angesagt. Denn mit spitzer Zunge bewegte sich die Kabarettistin gerne auch mal politisch inkorrekt oder unter der Gürtellinie.

Zunächst bekamen vor allem verschiedene Politiker und Parteien wie Annegret Kramp-Karrenbauer („die Metamorphose in der CDU ist abgeschlossen, vom Schmetterling zur Raupe“), die SPD („vielleicht ist Politik auch nicht das Richtige für sie“) oder Sarah Wagenknecht („die dialektische Domina des deutschen Parlamentarismus“) ihr Fett weg. Am Ende ihrer Sätze brachte Solga dabei fast beiläufig ihre teilweise bitterbösen Spitzen an. Zwischendurch merkte sie selbst fast erschrocken an: „Das war jetzt böse“ und blickte entschuldigend ins Publikum.

Später thematisierte Solga ihre Kindheit und Jugend in der DDR („Das Wort ,ich‘ habe ich 1989 das erste Mal kennengelernt“) oder führte einen Exorzismus durch, um die inneren Seehofers oder Dobrindts aus den Zuschauern zu entfernen. Spontanen Applaus erntete sie für ihre Forderung „Ich will nicht mehr Polizei. Ich will weniger Gründe, die mehr Polizei nötig machen“. Zudem enthüllte sie Details aus ihrem Privatleben, etwa dass Ehemann Udo beim Urlaubsshopping immer vor der Tür angebunden wird.

Die Klimadebatte geht Solga eher pragmatisch an, weiß aber genau: „Unsere Umwelt hat nur eine Chance: Wir müssen alle sofort euer Leben ändern.“ Zum Thema Älterwerden zitiert sie ihre über 100 Jahre alte russische Großmutter: „Man muss immer auf die Signale des Körpers achten. Wenn es im Ohr pfeift, Teekessel vom Herd nehmen.“

Zwischendurch telefonierte Solga dann noch zwei Mal mit der Bundeskanzlerin („Übertreiben Sie’s nicht, Frau Merkel! Rom wurde auch nicht an einem Tag zerstört“) oder verzehrte eine Wurst. Zum Finale schlug sie dann noch etwas nachdenklichere Töne zum Thema Migration an und bilanzierte: „Noch nie waren wir uns so fremd wie heute.“ Ihr Nachtgebet zum Schluss schloss schließlich mit dem feinen Reim: „Hab Mitleid mit mir armem Ferkel! Schenk mir ein Leben nach der Merkel!“

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