Brand auf Hof in Ottmarsbocholt
Säurealarm: Feuerwehrleute aus Klinik entlassen

Ottmarsbocholt -

Der Großeinsatz auf dem Hof in Ottmarsbocholt nahm eine dramatische Wendung: Schwefelsäure wurde freigesetzt und verletzte neun Feuerwehrkameraden. Der Gefahrenbereich ist abgesperrt, die Brandermittler nehmen ihre Arbeit erst nach einer Entsorgung des Säuretanks auf.

Dienstag, 03.12.2019, 11:40 Uhr aktualisiert: 03.12.2019, 17:58 Uhr
Der Brand in einem Nebengebäude eines Hofes mit einer großen Biogasanlage in Ottmarsbocholt nahm eine dramatische Wendung.
Der Brand in einem Nebengebäude eines Hofes mit einer großen Biogasanlage in Ottmarsbocholt nahm eine dramatische Wendung. Foto: sff

Es fing an wie ein anspruchsvoller, aber schnell zu kontrollierender Einsatz, der vieler Kräfte und deren systematischen Einsatz bedurfte. Doch dann nahm der vermeintliche Routine-Fall am Montagabend eine dramatische Wendung. Schwefelsäure wurde freigesetzt. Im Zuge des Einsatzes auf dem Hof in der Dorfbauerschaft wurden dadurch Kameraden der Löschzüge Senden und Ottmarsbocholt verletzt. Neun von ihnen wurden in Krankenhäuser gebracht. Fünf mussten auch über Nacht in den Kliniken bleiben, bestätigt Manfred Overbeck, Chef der Feuerwehr Senden, auf WN-Anfrage. Im Laufe des Dienstags erfolgte aber die Entwarnung alle Einsatzkräfte – außer einer Kameradin, die noch einen weiteren Tag zur Beobachtung im Krankenhaus bleiben muss, sind gesund zu Hause angekommen, fasst Overbeck den Stand zusammen.

Einen solchen Fall habe ich noch nicht erlebt.

Feuerwehrchef Manfred Overbeck über gleich mehrere im Einsatz verletzte Kameraden

Auch die Kreispolizeibehörde bestätigt gegenüber den WN , dass es zu Verletzungen durch Schwefelsäure gekommen ist. Diese Chemikalie werde im Gärprozess in Biogasanlagen eingesetzt, insofern sei es üblich, dass die Säure auf Höfen wie dem in Ottmarsbocholt gelagert werde, so Rolf Werenbeck-Ueding, Sprecher der Polizei Coesfeld. Weitere Angaben macht der Polizeihauptkommissar zunächst noch nicht.

Säure dringt durch die schweren Uniformen

Kunststoffkanister in dem brennenden Gebäude hätten sich durch die Hitzeentwicklung geöffnet, dadurch seien Einsatzkräfte an den Beinen von der Säure getroffen worden, die die schweren Uniformen durchdrungen habe. Die Wehrleute, deren Haut gereizt worden sei, konnten aber die Krankenhäuser schon wieder verlassen, so die Angaben von Einsatzleiter Overbeck.

Mit gereizten Atemwegen in Krankenhäuser

Gravierender sei gewesen, dass die Säure mit dem Löschwasser aus dem Gebäude nach draußen gespült und dort die Dämpfe von anderen Einsatzkräften eingeatmet worden sei. Mit gereizten Atemwegen seien die Kameraden in mehrere umliegende Krankenhäuser – von Unikliniken bis Werne – transportiert worden.

DRK stockt Anzahl der Kräft auf

Das DRK, das mit dem Rettungsdienst und dessen Leiter Michael Hofmann vor Ort war, verstärkte den Personalansatz durch Kräfte der Betreuungseinheit.

Die Feuerwehr, die mit etwa 70 Personen in der Dorfbauerschaft im Einsatz war, rückte gegen 1.30 Uhr von dem Hof ab. Die weiteren Löscharbeiten gestalteten sich nach Austreten der Schwefelsäure als schwieriger, erläutert Overbeck. Am Dienstagvormittag waren sieben Kräfte zur Nachschau vor Ort.

Einschnitt in Geschichte der Feuerwehr Senden

Für die Feuerwehr Senden ist es ein Einschnitt in ihrer Geschichte, dass gleich mehrere Kameraden im direkten Verlauf eines Einsatzes verletzt wurden und eine Klinik aufsuchen mussten. Overbeck hat einen ähnlichen Fall noch nicht erlebt. Und zwar, seit er sich 1982 der freiwilligen Feuerwehr anschloss. Gleichwohl gingen die betroffenen Wehrleute „relativ gelassen“ mit den Ereignissen um, so das Fazit des Feuerwehrchefs.

.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7107379?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F104%2F166%2F
Räuber überfällt Tankstelle und erbeutet Bargeld
Mit Skibrille und Wollmütze maskiert: Räuber überfällt Tankstelle und erbeutet Bargeld
Nachrichten-Ticker