Ausstellung im Rathaus
„Die Bilder öffnen unseren Blick für Vielfalt und Kultur“

Senden -

Die Vielfalt von Menschen und ihren Kulturen, die in Senden Zuflucht und womöglich auch Heimat gefunden haben, vermittelt eine Ausstellung der Flüchtlingshilfe Senden, die jetzt im Rathaus eröffnet wurde.

Montag, 09.12.2019, 17:38 Uhr aktualisiert: 11.12.2019, 18:20 Uhr
Diskussionsrunde: Konrad Faber, Mamdoh Kalesharo, Yacuub Osman, Michael Obeng, Krmanj Murad Ido (stehend), Nisrin Assad, Khatera Savari, Daoud Mohseni, Rahman Abdur, Sebastian Täger, Angela Weiper, Tesfaye Ogbaselasse, Kader Cavci (v.l.). Es fehlen Mamadou Barry und Bashar Al Mahmoodmit.
Diskussionsrunde: Konrad Faber, Mamdoh Kalesharo, Yacuub Osman, Michael Obeng, Krmanj Murad Ido (stehend), Nisrin Assad, Khatera Savari, Daoud Mohseni, Rahman Abdur, Sebastian Täger, Angela Weiper, Tesfaye Ogbaselasse, Kader Cavci (v.l.). Es fehlen Mamadou Barry und Bashar Al Mahmoodmit. Foto: jpk

13 Menschen, die Senden bereichern und erleuchten. Dies war der einhellige Tenor der Eröffnung der Ausstellung mit dem Titel „Überlebt oder Angekommen?!“ Etwa 50 Gäste und Porträtierte haben sich am Sonntag im Rathaus eingefunden, um miteinander ins Gespräch zu kommen und die Bilder auf sich wirken zu lassen. Die Flüchtlingsporträts zeigen 13 Menschen mit unterschiedlicher Fluchtgeschichte, die nun alle Sendenerinnen und Sendener sind. Die Ausstellung entstand aus der Zusammenarbeit der Flüchtlingshilfe Senden, der freien Journalistin Angela Weiper und des Sendener Fotografen Felix Hüsch-Waligura in Zusammenarbeit mit Sendener Unternehmen und der Gemeinde Senden.

Dr. Hans Meckling, Vorsitzender der Flüchtlingshilfe Senden, eröffnete mit einleitenden Worten und führte durch den Vormittag. „Es geht hier um ein Zeichen der Solidarität zu Menschen, die zu uns gekommen sind.“ Die Ausstellung sei zwar zunächst klein, soll aber deutschlandweit ausstrahlen. Die Menschen sind jetzt schon zum großen Teil seit vier oder fünf Jahren hier. Aber das Thema Flucht sei ein Langzeitthema. Nach zweieinhalb Jahren Bemühungen konnte die Ausstellung realisiert werden. Weiper hatte Interviews mit den porträtierten Menschen geführt, die WN berichteten in einer Serie. Die Ausstellung soll daran anschließen und die Menschen mit ihrer Geschichte nachwirken lassen. Aus „den“ anonymen Flüchtlingen werden einzelne Menschen mit ihrer jeweiligen Geschichte, Erfahrungen und Hoffnungen. „Es braucht Mut und Vertrauen, sich in einem fremden Land und fremder Sprache zu öffnen, um sich interviewen, fotografieren und in der Zeitung davon berichten zu lassen“, so Meckling. „Es handelt sich um besondere Menschen. Menschen, die stellvertretend bereit sind, ihre Gefühle zu zeigen und uns etwas zurückzugeben was uns interessiert. Wenn wir vor diesen Bildern stehen, dann sprechen diese Bilder ohne Worte zu uns. Wir verstehen mehr als mit Worten gesagt werden kann.“

Wir müssen entschiedener gegen Fremdenhass eintreten.

Konrad Faber

Ankommen – mehr als nur Überleben

Zum Titel der Veranstaltung merkte Meckling an, dass Überleben jeder versteht, aber das Gefühl des Ankommens tiefer geht. Für Menschen, die ihre Heimat verloren haben, ist das Ankommen in einem anderen Land ein jahrelanger Prozess. Die Ziele der Ausstellung sind dreierlei: Erstens: Was fühlen und denken Menschen, die in eine neue Heimat kommen? Zweitens: Wir begegnen ihnen Auge in Auge. Auch die Menschen stellen Fragen an uns. Die Bilder öffnen unseren Blick für Vielfalt und Kultur. Drittens das persönliche Gespräch. Daran knüpfte das Grußwort von Bürgermeister Sebastian Täger an. Eine Ausstellung mit dem Thema „Ankommen“ sei in der Adventszeit geradezu prädestiniert. Aus der Mitgliederversammlung der Flüchtlingshilfe sei der Satz hängen geblieben: „Heimat ist da, wo man sich nicht erklären muss“. Ein syrischer Filmemacher hatte dort angemerkt, dass er sich wünscht, nicht mehr zu erklären woher er kommt, sondern als Künstler wahrgenommen zu werden. Doch bis es soweit sei, so Täger, müsste noch viel erklärt werden. Täger dankte allen Beteiligten für ihren Einsatz. Die Vielfalt der Personen sei beeindruckend. Frieden sei auch für uns keine Selbstverständlichkeit. Gerburgis Sommer aus Haltern erläuterte die Idee zu einer ersten Ausstellung in Haltern mit dort lebenden Flüchtlingen. Diese Idee wurde nach Senden übertragen. Angela Weiper erzählte von den Geschichten der 13 interviewten Menschen. Sie sind Teil der Sendener Gesellschaft und machen Senden bunter. Wenn sie auch unter Umständen noch nicht alle angekommen sind. Die Geschichten vieler Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten, haben ein Gesicht bekommen, so Weiper.

Bewusste Entscheidung für Schwarz-Weiß

Der Fotograf Felix Hüsch-Waligura führte in die Hintergründe der Portraits ein. Neben technischen Details ging es um die Interaktion, um mit den unterschiedlichen Menschen in einen Austausch zu treten. Die Bilder sind bewusst in schwarz-weiß gehalten, um den Fokus auf die Ausstrahlung der Menschen zu setzen. Nach einer kleinen Pause, kam es zu einer spannenden Runde. 11 der 13 Portraitierten waren vor Ort. Anhand eines Fragenkatalogs diskutierten sie untereinander und mit dem Publikum. Bürgermeister Täger trat mit ihnen in den Dialog und hörte aufmerksam zu. Krmanj Murad Ido, der als Kurdischlehrer mittlerweile unterrichtet, führte durch die Diskussion. Alle fühlen sich hier wohl, aber das Heimweh nach ihren Herkunftsländern ist weiterhin groß. Dort leben oft ihre Familien und Verwandte. Viele dankten von Herzen für die Gastfreundschaft und Offenheit, die sie erfahren haben. Sie haben hier neue Familien finden können. Stellvertretend seien hier Yacuub Osman, Michael Obeng und Khatera Savari genannt. Ein entscheidendes Kriterium zum echten Ankommen seien die Sprache und ob sie Arbeit finden konnten. Denn die ermöglicht den Kontakt zu hier Lebenden. Viele haben sich selbst Deutschkenntnisse beigebracht, da es zu wenig Sprachkurse gibt. Ein Appell, der sich stellvertretend an Täger und die politischen Vertreter richtet, hier mehr möglich zu machen. Tesfaye Ogbaselasse drückte es so aus: „Wir brauchen Hilfe“. Täger lobte an dieser Stelle die Arbeit der Flüchtlingshilfe. Es seien noch „dicke Bretter“ politisch zu bohren, aber man sei in Gesprächen. Konrad Faber, der als kleines Kind mit seiner Mutter als Vertriebener nach Senden kam, drückte seine Gefühle aus. „Wir müssen entschiedener gegen Fremdenhass eintreten. Wir brauchen Toleranz gerade gegenüber Fremden. Die damaligen Sendener haben mich aufgenommen.“ Dies sei nun unsere Verpflichtung. Täger dankte abschließend allen Porträtierten, dass sie das Zusammenleben bereicherten. Die Ausstellung kann im Rathaus während der Öffnungszeiten bis zum 20. Dezember besucht werden. Es lohnt sich.

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