Pedalritter in der dunklen Jahreszeit
Das Risiko radelt mit

Senden -

Alle Jahre wieder: In der dunklen Jahreszeit geht längst nicht allen Radfahrern ein Licht auf. Die WN schauten sich auf den Schulwegen um. Die Quote der Schüler, die mit funktionierendem Licht und weiteren Extras wie Reflektoren oder Westen unterwegs sind, ist hoch. Es gibt aber auch Ausnahmen.

Donnerstag, 12.12.2019, 16:02 Uhr aktualisiert: 12.12.2019, 18:30 Uhr
Positives Beispiel: Diese Schüler sind mit Rädern, die Beleuchtung und Reflektoren aufweisen, auf dem Zebrastreifen Münsterstraße unterwegs.
Positives Beispiel: Diese Schüler sind mit Rädern, die Beleuchtung und Reflektoren aufweisen, auf dem Zebrastreifen Münsterstraße unterwegs. Foto: di

Super-Slalom an der Stever entlang: Ein „sportlicher“ Radler saust zwischen Gruppen von Schülern und anderen Radfahrern über den Rad- und Fußweg zwischen Busbahnhof und Joseph-Haydn-Gymnasium. Der Jugendliche geht auf volles Risiko, denn an seinem Mountainbike brennt kein Licht, er trägt dunkle Klamotten und verzichtet auch auf jegliche Reflektoren. Hauptsache, cool! Außer, dass er beinahe einen morgendlichen Jogger rammt und Kollisionen mit Schülern in Kauf nimmt. Die Szene, die sich am Mittwoch bei Dunkelheit und Regen um 7.52 Uhr abspielte, gehört zum ganz normalen Alltag auf dem Schulweg.

Erkennbarkeit steigert die Sicherheit

Doch nicht nur dort fallen Pedalritter auf, die wenig Wert auf eine funktionierende Beleuchtung legen. Für die Polizei liegen die technische Ausstattung und die Unfallgefahr nah beieinander. Weshalb die Kreispolizeibehörde Coesfeld alljährlich und in ihrem kompletten Bezirk zu Beginn der dunklen Jahreszeit die Aktion „Sicherheit durch Sichtbarkeit“ durchführt und alle Erstklässler mit reflektierenden Westen versorgt. Erkennbarkeit ist auch auf zwei Rädern das A und O: „Radfahrer gehören zu den schwächeren Verkehrsteilnehmern und müssen deshalb auf sich aufmerksam machen“, unterstreicht Rolf Werenbeck-Ueding , der auf leicht steigende Unfallzahlen mit Kindern auf dem Rad in Senden hinweist (2015: 24 Unfälle, 2018: 30).

Weithin sichtbar: Diese Schülerinnen haben nicht nur gutes Licht, sondern weitere Extras, die sie besser erkennbar machen, dabei.

Weithin sichtbar: Diese Schülerinnen haben nicht nur gutes Licht, sondern weitere Extras, die sie besser erkennbar machen, dabei. Foto: di

Die heutige Technik mache es leichter, dieses Ziel zu erreichen. „In Zeiten des Nabendynamos habe ich kein Verständnis mehr, dass jemand ohne Licht unterwegs ist“, weist der Polizeisprecher darauf hin, dass zusätzliche Kraftanstrengung nicht mehr vonnöten ist, um die Fahrradlampe mit Energie zu speisen, außerdem entfalle die Ausrede, dass sich ein Dynamo bei Nässe nicht richtig vom Reifen antreiben lässt. Auch bei den Reflektoren und Batterielichtern (auf StVZO-Zulassung achten) hat sich viel entwickelt. So gibt Werenbeck-Ueding den Speichenclips als Reflektoren den Vorzug gegenüber den herkömmlichen Katzenaugen. Ebenso rät der Polizeisprecher dazu, in eine Warnweste zu schlüpfen, wenn ab der Dämmerung ein Weg mit der „Leeze“ absolviert werden soll.

Auch die Eltern sind in der Pflicht

Die Fahrradkontrollaktion der Polizei, die gemeinsam mit der Zweiradmechanikerinnung auf die Beine gestellt wird, hat in diesem Jahr in Coesfeld, Dülmen und Lüdinghausen) stattgefunden. Zumindest an der Edith-Stein-Schule werden die „Leezen“ der Schüler ebenfalls systematisch in den Blick genommen. Dieses Vorhaben stehe auch für diesen Winter noch an. „Da sind wir dran“, kündigt Schulleiter Rainer Leifken an. Die Instandsetzung übernimmt die Fahrrad AG in der schuleigenen Werkstatt.Auch in den anderen Schulen schauen die Lehrer nach dem Zustand der Räder oder auffälligem Verhalten (beispielsweise auf dem dunklen „Korridor“, der vom Pfarrheimparkplatz zur Marienschule führt) einzelner Radler. Manche von ihnen spreche sie auch an, so Schulleiterin Annette Stähler. Insgesamt habe sich die Situation vor der Grundschule verbessert. „Die Aktionen haben sich gelohnt“, resümiert Stähler.Leifken sieht generell auch die Eltern, nicht nur seiner Schüler, in der Pflicht: „Oft sind Väter und Mütter schlechte Vorbilder.“

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Ob zumindest die Vorschriften befolgt werden, darauf hält die Polizei ein Auge. Besonders in der Schulwegsicherung besteht eine wichtige Aufgabe, die in der Regel die Bezirksbeamten übernehmen. Und die kennen ihre Pappenheimer. Für alle über 14 kann es über eine Ermahnung hinaus auch „ans Taschengeld gehen“, wie Werenbeck-Ueding es formuliert. 20 Euro werden für denjenigen fällig, der ohne Licht ertappt wird.

Radler ohne „Funzel“ oft auch noch als Verkehrsrowdys unterwegs

Die Kontrollen dürften ruhig noch etwas intensiver sein, fordern einige Sendener. Denn in Gesprächen und in Netzwerken wie der „Du bist Sendener, wenn“-Facebook-Gruppe finden sich häufig Hinweise auf Rüpel-Radler, die ohne Licht auch über die Hauptverkehrsstraßen rauschen und dabei zudem Vorfahrt oder Rotlicht ignorieren. Gleichzeitig können selbst gut beleuchtete Pedalritter einige Schreckerlebnisse schildern, weil Autofahrer den Schulterblick vergessen oder das Zweirad sogar auf weiter Flur übersehen haben.

Autofahrer sitzt der Schreck noch in den Knochen

Zum Glück haben die Radler öfter mal einen Schutzengel über sich schweben. Diesen Eindruck hatte auch Matthias Kruse. Der Sendener hatte gerade mehrfach hintereinander Begegnungen mit Radfahrern, die beinahe fatal geendet wären. Die schlimmste: Es war ein früher Samstagabend, als zwischen Ottmarsbocholt und Davensberg ein dunkel gekleideter Radfahrer ohne Licht und Reflektoren die L 844 überquerte. Eine halbe Sekunde später – und es wäre bei etwa 90 km/h zur Kollision gekommen, schildert Kruse. „Als Autofahrer hast du da keine Chance“, so der 59-Jährige. Er gibt zu: „Mir steckt der Schreck noch in den Knochen.“

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