„Aber bitte mit ohne“: Martin Zingsheim in Senden
Maximaler Minimalismus auf Bühne

SEnden -

Martin Zingsheim kommt ohne viel Brimborium aus. Er selbst, ein Mikro und Verbalartistik. Sein Programm, das er in Senden vorstellt, heißt ja auch „Aber bitte mit ohne“.

Sonntag, 15.12.2019, 14:32 Uhr aktualisiert: 18.12.2019, 16:50 Uhr
Ein Kabarettist, ein Handmikrofon und Wortwitz: In seinem Programm „Aber bitte mit ohne“ beschränkt sich Martin Zingsheim auf das Wesentliche.
Ein Kabarettist, ein Handmikrofon und Wortwitz: In seinem Programm „Aber bitte mit ohne“ beschränkt sich Martin Zingsheim auf das Wesentliche. Foto: sct

Zwei Stunden lang konzentriert sich Martin Zingsheim auf das Wesentliche. Das merkt das Publikum schon bei der minimalistischen Bühnengestaltung: nur ein Handmikrofon und seine Präsenz. Kein Klavier, wie bei seinem letzten Auftritt in Senden. Einige unter den 500 Zuschauern sind irritiert: „Ein Schlager-Abend ohne Klavier?“, denn viele dachten an „Aber bitte mit Sahne“.

Martin Zingsheim spricht Themen an, die heute wieder in aller Munde sind, wie die nicht einfache Reduktion auf das Wesentliche, Rücksicht auf die Nachhaltigkeit. Dass wir in einer Wegwerfgesellschaft leben, die zuviel Müll produziert, ist ihm bewusst geworden, als er seinen Pappbecher-Kaffee in einen Metallbecher steckte. Nachhaltigkeit in kleinen Schritten halt. Denn Verzicht ist nicht leicht, betont er.

Seine vier Kinder führen ihn zu einer Reduktion auf das finanziell Wesentliche und er empfiehlt dem Publikum, sich Kinder anzuschaffen, sogar eigene, wenn es geht. Denn Kinder bringen Erwachsene zum Nachdenken, sind ehrlich und kennen keine Tabus. Wie vor kurzem sein Sohn, der in einem ehrlichen Gespräch mit der Oma ihre Wohnung bewunderte und fragte, ob er dort einziehen dürfte, wenn sie stirbt. Und dazu fragte, wann es soweit sei.

Die Ehrlichkeit der Kinder zeige sich auch bei den „Fridays for Future“-Demonstrationen. Zingsheim findet es eine gute Idee, denn so können die Kinder an die frische Luft. Ein Zeichen des Engagements der jüngeren Generationen sei durchaus als positiv zu bewerten. Nur in den Ferien geht es nicht, denn da sind diese aktiven Schüler bestimmt auf Kreuzfahrt oder sind in den Urlaub geflogen. Aber ja, alles in kleinen Schritten.

Der Abend mit Martin Zingsheim ist wie immer unterhaltsam und kurzweilig. Das Publikum lacht und interagiert mit ihm, auch wenn er über Geschlechterklischees spricht oder über eine Veränderung der Religion: „Advent war früher eine Fastenzeit, eine Art Ramadan für Katholiken.“ Der Comedian betont, dass man Religion öfter mit Humor nehmen sollte und zitiert dabei Robert Lembke: „Christen dürfen nur eine Frau heiraten. Das nennt man Monotonie.“

Verzichten sei nicht leicht in seiner Familie, wenn es ums Weihnachtsessen geht. Sein Vater bereitet eine Pute mit veganer Füllung zu. Der vegane Martin kann sie also essen. Ethisch gut dargestellt und schmeckt gut nach Braten.

Als Jugendlicher wollte er mal Gangsta-Rapper werden, „aber dann kamen mir Abitur und Respekt vor Frauen dazwischen“ und jetzt als Vater könne er einen „Keine-Zeit-Rap“ präsentieren. Diesen bringt er tatsächlich auf die Bühne, er beweist sich als Rapper, bestätigt seine bekannte Wortakrobatik und dankt seiner Zirkularatmung.

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