Bewohner von Haus Davert feiern erste Weihnacht im neuen Domizil
„Wir machen es hier heimelig“

Ottmarsbocholt -

Nach dem Umzug aus dem Altbau feiern die Bewohner von Haus Davert jetzt das erste Weihnachtsfest in ihrem neuen Domizil. Auf eine gemeinsame Bescherung wird im Sinne des Inklusionsgedankens verzichtet. Jeder Klient des Sozialwerkes St. Georg gestaltet Heiligabend nach seinen individuellen Vorstellungen.

Montag, 23.12.2019, 17:00 Uhr
Etliche Erinnerungsstücke – wie dieser von einer Bewohnerin gestaltete Spiegel – sind vom Altbau mit in den Neubau gewechselt. Dort wird in der Tagesstätte eine offene Weihnacht angeboten. Für Johannes Wilhelm Feller (l.) und Nina Gravemeier (2.v.r.) ist wichtig, dass die Klienten im Sinne der Inklusion selbst entscheiden, wie sie feiern möchten.
Etliche Erinnerungsstücke – wie dieser von einer Bewohnerin gestaltete Spiegel – sind vom Altbau mit in den Neubau gewechselt. Dort wird in der Tagesstätte eine offene Weihnacht angeboten. Für Johannes Wilhelm Feller (l.) und Nina Gravemeier (2.v.r.) ist wichtig, dass die Klienten im Sinne der Inklusion selbst entscheiden, wie sie feiern möchten. Foto: sff

Im Neubau von Haus Davert riecht es noch überall nach frischer Farbe. Die meisten Wände sind kahl weiß. Etliche Bilder und Deko-Gegenstände warten darauf, ausgepackt zu werden. Dazu war im Umzugs- und Einrichtungsrummel bisher keine Zeit.

Ganz anders sieht es im Apartment von Jenifer Lamers aus. Bei ihr herrscht schwarz-gelbe Glückseligkeit. Denn als eingefleischter Borussia-Dortmund-Fan hat sie ihr ganzes Zimmer nahezu komplett mit Fahne, Schal, Käppi und anderen BVB-Fanartikeln ausstaffiert. Trotzdem würde sie sich als echter Fan über ein schwarz-gelbes Weihnachtsgeschenk besonders freuen. „Ich war bisher nur einmal im Stadion. Die Karten sind zu teuer. Das kann ich mir nicht leisten“, sagt die junge Frau, die an den Feiertagen ihre Mutter besuchen möchte.

„Wir machen bewusst keine Bescherung für unsere Klienten, sondern bieten in der Tagesstätte eine offene Weihnacht an – für alle, die nicht bei ihren Familien oder Freunden sind“, sagt Johannes Wilhelm Feller. Denn jeder Bewohner von Haus Davert soll selbst entscheiden, ob er Heiligabend lieber für sich im Zimmer bleibt, die Familie besucht, zur Kirche geht oder sich mit anderen Bewohnern in der Tagesstätte des Hauses zum Essen und Klönen trifft.

Dortmund-Fan Jenifer Lamers möchte Heiligabend nicht in Haus Davert, sondern bei ihrer Mutter verbringen.

Dortmund-Fan Jenifer Lamers möchte Heiligabend nicht in Haus Davert, sondern bei ihrer Mutter verbringen. Foto: sff

„Bei uns bekommen die Menschen so viel Unterstützung wie sie brauchen, um so eigenständig und selbstbestimmt leben zu können, wie es ihnen möglich ist. Das ist ganz im Sinne der Inklusion“, erklärt der Regionalleiter des Sozialwerkes St. Georg. Dieses Prinzip gelte auch zu Weihnachten. „Wer möchte, kann sich trotzdem bescheren lassen“, ergänzt Nina Gravemeier. „Im Vorfeld besprechen wir mit der jeweiligen Person, ob sie ein Geschenk möchte, das vom selbst ersparten Geld gekauft wird“, erläutert die Mitarbeiterin von Haus Davert. Dabei sei jeweils freigestellt, ob es sich um einen ganz bestimmten Gegenstand oder um eine tatsächliche Überraschung handeln soll. Das Geschenk werde Heiligabend in der Tagesstätte unter den Christbaum gelegt und könne dann ausgepackt werden.

Nicht ausgepackt sind auch nach Heiligabend zwar noch einige Erinnerungsstücke aus dem leerstehenden Altbau. Die Krippe hat allerdings schon einen festen Platz auf dem Flur des Neubaus gefunden. „Auch das eingesegnete Kreuz, einige Bilder und andere Gegenstände sind mitgekommen. Wir machen es hier heimelig“, verspricht Feller. Besonders wichtig sei, dass sich die Bewohner noch besser an den weitläufigen Neubau sowie die veränderten Wege und Strukturen innerhalb des Hauses gewöhnen.

Jenifer Lamers hat bei diesem Eingewöhnungsprozess die „wahre Liebe“ zur Borussia geholfen. Denn von Schwarz-Gelb umgeben, hat sie sich eine warme Atmosphäre im Neubau geschaffen. „Es ist ganz gut hier“, sagt sie zufrieden.

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