Lesung in der Friedenskapelle
2019 klingt mit zärtlichen Worten aus

Senden -

Nicht mit Böllern und Raketen, sondern mit dem Klang sanfter, ja zärtlicher Worte ging für rund 60 Literaturinteressierte am Dienstagnachmittag 2019 zu Ende.

Mittwoch, 01.01.2020, 17:00 Uhr
Jürgen Janning rezitiert aus „So zärtlich war Suleyken“. Die Lesung in der Friedenskapelle wurde musikalisch von Alexander Zinowsky (rechtes Foto, l.) und Niklas Schindler begleitet
Jürgen Janning rezitiert aus „So zärtlich war Suleyken“. Die Lesung in der Friedenskapelle wurde musikalisch von Alexander Zinowsky (rechtes Foto, l.) und Niklas Schindler begleitet Foto: sff

Nicht mit Böllern und Raketen, sondern mit dem Klang sanfter, ja zärtlicher Worte ging für rund 60 Literaturinteressierte am Dienstagnachmittag 2019 zu Ende. Bereits zum 16. Mal hatte die Kunst- und Kulturinitiative Senden (KuKiS) zum musikalischen-literarischen „Das Jahr geht um“ in die Friedenskapelle eingeladen. Begleitet von Alexander Zinowsky und Niklas Schindler an den Gitarren rezitierte Jürgen Janning vor „ausverkauftem Haus“ Kurzgeschichten aus „So zärtlich war Suleyken“ von Siegfried Lenz .

So gestaltete sich der letzte Nachmittag des alten Jahres zu einer höchst amüsanten und zugleich niveauvollen „Deutschstunde“, die den Zuhörenden unterhaltsame Einblicke in die masurische Seele vermittelte. Gleichsam gab Janning seinem Publikum eine „Klangprobe“ ostpreußischer Mundart: Breit gesprochen mit ruhiger, zu meist bedächtiger Stimme, trug er fünf der insgesamt 20 Geschichten aus der 1955 erschienenen Sammlung vor. „Der ,Sound‘ der Geschichten ist wunderbar und hat mir schon damals, als ich noch ein Pennäler war, gut gefallen“, führte Janning in das besondere Flair der masurischen Episoden ein.

Alle spielen im dörflichen Milieu einer guten alten, noch „heilen“ masurischen Welt. In diesem Szenario erfuhren die konzentriert und still zuhörenden Gäste von der „Kunst, einen Hahn zu fangen“. Genussvoll ausholend wurden sie anschließend zur überraschenden Wendung der Geschichte „Das war Onkel Manoah“ geführt, in der der Onkel zuerst den Gläubigern und letztlich seinem schlitzohrigen Neffen, dem schönen Alec, ein Schnippchen schlägt. Es folgte die anrührende Liebesgeschichte vom schweigsamen Holzfäller Joseph Gritzan, der das Herz der schönen Katharina Knack mit Lakritz gewinnt. Und bevor es auf die „Reise nach Olesko“ ging, lernten die Zuhörer noch, wie es einst im Zirkus war.

Alle fünf Geschichten rezitierte Jürgen Janning behutsam, ja so zärtlich wie Suleyken selbst. Damit brachte er den Münsterländern die ostpreußische Seele ein Stück näher. Auf eine Weise, wie es sich der 2014 verstorbene Siegfried Lenz mit seiner „zwinkernde Liebeserklärung“ an Masuren wohl gewünscht hätte.

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