Training mit Vierbeinern
Konflikte mit Hunden vermeiden helfen

Senden -

Bei der Gemeinde sind 1600 Hunde gemeldet. Ihre Zahl sei seit Langem relativ konstant. Um Konflikte zwischen Menschen und Vierbeinern – sowie unter den beliebten Haustieren selbst – zu verringern, eignen sich Ausbildungen, die der Hundeverein Senden anbietet. Das Ordnungsamt begrüßt das Training ebenfalls.

Mittwoch, 15.01.2020, 09:58 Uhr aktualisiert: 15.01.2020, 16:14 Uhr
Beim Hundeverein Senden (IRJGV): Auf dem Übungsplatz läuft das Training der Leistungsgruppe, deren Hunde die Begleithundeprüfung schon absolviert haben.
Beim Hundeverein Senden (IRJGV): Auf dem Übungsplatz läuft das Training der Leistungsgruppe, deren Hunde die Begleithundeprüfung schon absolviert haben. Foto: di

Ein Samstagmorgen in der dunklen Jahreszeit am Kanal: Zwei Hunde kommen aus dem düsteren Nichts auf ein joggendes Ehepaar zugeschossen. Das Bellen und die Körpersprache verraten den höchsten Aggressionslevel der Vierbeiner. Was bei den Frühsportlern schockartig Angst um Leib und Leben auslöst. Mit lautstarkem Anbrüllen schlägt der Mann die offenbaren Angreifer in die Flucht. Deren Herrchen und Frauchen im Bereich der Marienkapelle zunächst nicht in Sicht sind.

Eine von vielen unerfreulichen Situationen, die im Alltag in Senden nicht die Regel, aber auch keine ganz seltenen Ausnahmen sind. Stellen zumindest regelmäßige Draußen-Fans fest. Als die Hunde unter Kontrolle sind, verlieren manche der Zweibeiner diese. Die Situation eskaliert, mündet in wildes Geschrei und Null Einsicht. Im Gegenteil, statt sich beim sportlichen Ehepaar zu entschuldigen, gehen einzelne der Hundehalter verbal in die Offensive.

Einsichtsfähigkeit der Hundehalter oftmals gering

Für Holger Bothur , Leiter des Ressorts Bürgerservice, Ordnung und Soziales, kein untypischer Verlauf. Denn die Einsichtsfähigkeit von Hundehaltern und die Bereitschaft, sich für das Verhalten ihres Haustiers zu entschuldigen, sei oftmals gering ausgeprägt. Der Hund sei Teil der Familie und werde verteidigt – auch wenn andere Menschen schlüssig schildern, wie sehr der Hund sie verängstigt oder gar verletzt hat.

1600 Hunde in Senden registriert

Bei der Gemeinde gemeldet sind 1600 Hunde (weitgehend konstant seit Jahren), davon sind 860 anzeige- oder erlaubnispflichtig, weil sie mindest 40 Zentimeter (Widerrist) hoch oder 20 Kilogramm schwer sind.Vorfälle, so das Ordnungsamt, gab es vorwiegend im Bereich versäumte Anzeige, Verstoß gegen die Anleinpflicht oder Verschmutzungen durch Hundekot.Beißvorfälle unter der Anzahl der gemeldeten Vorfälle: zwei von 16 (2015), zwei von 17 (2016), zwei von sechs (2017) und drei von neun in 2018, bis Dezember 2019: drei von 23.

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Dass das Miteinander zwischen Hundehaltern und Hundeskeptikern schlechter geworden ist, diese Einschätzung teilen die Fachleute im Rathaus aber nicht. „Die Zahl gemeldeter Vorfälle nimmt eher ab“, resümiert Bothur.

Hunde, die nicht gehorchen, gehören an die Leine

Er zieht jedoch auch eine klare Grenze: Hunde, die nicht zuverlässig parieren, gehören an die Leine. Und sobald Menschen sich von den Hunden bedroht fühlen, endet die – an sich zu wünschende – Freiheit der Vierbeiner.

Die Begegnung zwischen freilaufenden und nicht gehorchenden Hunden am Kanal, die – wie andere regelmäßige Läufer bestätigt haben – kein Einzelfall war, zeigt, dass nicht so sehr die Hunde, sondern eher ihre Halter das Problem sind.

Hundeverein bietet Ausbildung an

Diese Auffassung teilt auch der Sendener Hundeverein (IRJGV). Schon bei der Auswahl der Rasse müsse geschaut werden, welcher Hund zum Lebensalltag von Herrchen und Frauchen passt. Um einen Hund führen zu können, bietet der Hundeverein verschiedene Ausbildungen an. Nicht nur das Miteinander von Hund und fremden Menschen lasse sich dadurch verbessern, sondern auch teils blutig endende Konfrontationen unter Struppi & Co.

Holger Bothur teilt die Auffassung, dass Training sinnvoll ist. „Wenn Hundehalter ihre Fähigkeiten, ihren Hund kontrolliert und sicher zu führen, noch erweitern, begrüße ich das sehr.“ Nur: Die Gemeinde könne dies nicht zur Pflicht machen und den Haltern, die sozusagen in Vorleistungen treten, auch keine Abschläge von der Hundesteuer gewähren, was als Vorschlag an die Gemeinde herangetragen worden war.

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