LOV Ottmarsbocholt: Landwirte verstärken Protest
Diskussionen in Politik „sehr verkürzt“ geführt

Ottmarsbocholt -

Die Landwirte aus Ottmarsbocholt pochen darauf, dass Debatten in Politik und Gesellschaft sachlich, mit Tiefgang und Respekt geführt werden. Die Rolle als Watschenmann habe zur Folge, dass sich Protest und Solidarität verstärkt hätten.

Donnerstag, 16.01.2020, 16:28 Uhr
Die Landschaftsökologin Corinna Becke und Vorsitzender Philipp Beckhove stellten das Projekt für Feldvogelinseln in Maisfeldern zum Schutz von Kiebitzen und Feldlerchen vor.
Die Landschaftsökologin Corinna Becke und Vorsitzender Philipp Beckhove stellten das Projekt für Feldvogelinseln in Maisfeldern zum Schutz von Kiebitzen und Feldlerchen vor. Foto: ure

„Auf die Deutsche Bahn ist doch Verlass“, stellte der Vorsitzende Philipp Beckhove am Mittwochabend auf der Generalversammlung des Landwirtschaftlichen Ortsverbandes fest, nachdem Bürgermeister Sebastian Täger planmäßig eingetroffen war. Der kam nämlich von einem Termin in Düsseldorf und hatte dafür den Zug benutzt. Dieser Umstand hatte zuvor in der Versammlung für skeptische Stimmen gesorgt, dass der Rathauschef dann wohl erst mit Verspätung kommen werde. Im Saal Vollmer ging Täger dann auch auf die großen Bauern-Demonstrationen des letzten Jahres ein. „Dass da einem ganzen Berufsstand richtig was unter den Nägeln brennt und dass die Lage ernst ist“, sei von der Bevölkerung sehr stark wahrgenommen worden. Als „ein sehr starkes Problem“ sah der Bürgermeister die „fehlende Wertschätzung“ an, die den Landwirten entgegengebracht werde. Für das neue Jahr wünsche er sich deshalb, dass die Gesellschaft „sachlich und ehrlich“ darüber diskutiere, „was für eine Zukunft wir in der Landwirtschaft haben wollen“, und dass dieses mit mehr Respekt vor der Arbeit der Bauern erfolge.

Wir sind nicht die Sündenböcke der Nation.

Benedikt Selhorst

Der stellvertretende Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes, Benedikt Selhorst, kritisierte die einseitigen Schuldzuweisungen, die es in der Klimadiskussion gegen seinen Berufsstand gebe. „An allem sollen die Bauern schuld sein. Wir sind aber nicht die Sündenböcke der Nation“. Zuvor war schon aus der Versammlung heraus beklagt worden, dass „alles, was in Umwelt und Natur schief läuft, den Bauern in die Schuhe geschoben wird“. In dem Jahresrückblick hatte Philipp Beckhove auch die im Rathaus stattgefundene Ausstellung „Irrweg Pestizide“ erwähnt sowie die Schuldzuweisungen der Agenda-Gruppe in Bezug auf das Baumsterben.

Brachflächen zum Vogelschutz

Benedikt Selhorst stellte mit der Landschaftsökologin Corinna Becke und Philipp Beckhove ein neues „Feldvogelinsel-Projekt“ vor, das münsterlandweit Brut-, Nahrungs- und Rückzugsflächen für Kiebitz, Feldlerche, Rebhuhn und Fasan schaffen soll. Diese 5000 bis 10 000 Quadratmeter großen Brachflächen werden im Frühjahr innerhalb von Maisfeldern angelegt. „Ein neuer Weg, um nach außen sichtbar zu machen, dass wir mit dem Naturschutz auf einem Weg gehen“. Für den Ertragsausfall zahlt das Land eine Vergütung, und vielleicht legt der Kreis noch eine Schüppe drauf. „Das würde die finanzielle Attraktivität für die Bauern noch steigern und die Akzeptanz erhöhen“, hoffte Selhorst auf Unterstützung im Kreistag.

...

Dass Gespräche daraufhin von allen drei Sendener Ortsverbänden mit den Urhebern gesucht worden waren, dafür äußerte Kreislandwirt Georg Silkenbömer am Mittwoch ein dickes Dankeschön. „Ich finde es ganz wichtig, dass wir uns zu Wort melden und uns wehren, wenn Dinge falsch dargestellt werden. Dieses müsse aber „ruhig und sachlich“ erfolgen und kontinuierlich.

Landwirtschaft gerate zum „Spielball der Politik“

Die Landwirtschaft sei „zum Spielball der Politik“ geworden. Die Argumentation werde dabei oft „sehr verkürzt“ geführt und gehe „fachlich nicht in die Tiefe“. Dies habe dann zur Folge gehabt, dass „seit Jahrzehnten nicht mehr so viele Landwirte mobilisiert wurden“ und eine völlig neue Solidarität entstand. Diese drückte sich darin aus, dass die ganz großen Protestaktionen im Oktober und November nicht mehr vom Bauernverband, sondern nun aus Eigeninitiative von der Basis organisiert wurden. „Aber es wurde nicht einfach nur demonstriert, sondern man hat sich aus der Not heraus auch Gedanken darüber gemacht, wie es weitergehen kann“, lobte Silkenbömer das Engagement seiner Berufskollegen. Besonders gewürdigt wurde auf der Versammlung der Einsatz von Johannes Schulze Bölling, der im November mit seinem Trecker bis nach Berlin gefahren war.

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