Knut Hanßen beim Sendener Rathauskonzert
Virtuosität ist kein Selbstzweck

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Beim Rathauskonzert in der Reihe „Best of NRW“ überzeugte Knut Hanßen auf ganzer Linie. Nicht nur durch sein technisches Können als Pianist, sondern auch durch sein Hineinspüren in die von ihm ausgewählten Werke.

Montag, 10.02.2020, 15:54 Uhr aktualisiert: 10.02.2020, 16:56 Uhr
In jedes seiner ausgewählten Werke führte Knut Hanßen beim Sendener Rathauskonzert ein.
In jedes seiner ausgewählten Werke führte Knut Hanßen beim Sendener Rathauskonzert ein. Foto: Axel Engels

Leider hatten sich am Sonntagabend nicht so viele Besucher durch die Windböen von „ Orkan Sabine “ zum Rathaus gekämpft, wie es der Klavierabend von Knut Hanßen verdient gehabt hätte. Denn was der junge Kölner Pianist den Liebhabern feinster Pianistik bot, war schon ganz große Kunst. Sein Mitwirken in der renommierten Konzertreihe „Best of NRW“ hat diese sicherlich um eine eindrucksvolle pianistische Facette bereichert.

Denn durch seine poetisch-lyrische Art setzt sich Hanßen wohltuend von der Gruppe junger Tastenvirtuosen ab, steht da wohl eher in der Tradition von Dinu Lipati, Wilhelm Kempff und Heinrich Neuhaus. In jedes seiner ausgewählten Werke führte er mit kleinen Moderationen ein, erläuterte diverse Dinge am Flügel und schuf so den Boden für ein noch besseres Verständnis. Virtuosität ist für ihn nie Selbstzweck, das spürte man sofort beim ersten Werk, der „Partita Nr. 1 B-Dur BWV 825“ von Johann Sebastian Bach . Jenseits aller immensen spieltechnischen Anforderungen dieser Partita konnte sich Knut Hanßen ganz der musikalischen Gestaltung widmen. Manierismen und Verzierungen waren mit Akribie und Feinsinn in den Spielfluss integriert worden, erklangen die einzelnen Tanzsätze in einem jeweils ihrem Charakter nachempfundenen Gewand. Besonders bei den langsamen Partien zeigte er sich als inniger Melodiegestalter. Bei den lebendigen und spritzigen Tänzen ließ er seiner Spielfreude freien Lauf, erklang „sein“ Bach unglaublich lebendig und gleichzeitig inspirierend.

Die „Sonate Nr. 31 As-Dur op. 110“ aus der Feder Ludwig van Beethoven nimmt für viele Liebhaber der Klaviersonaten des großen Meisters eine Sonderstellung ein. Sie schien wie für Hanßen geschrieben, fühlte man sich bei seiner Interpretation mitgenommen in den einzigartigen Kosmos des Denkens und Empfindens des großen Klaviertitanen. Aber in diesem Werk hat der Komponist nicht große dramatische Momente in Musik gesetzt, sondern persönliche Empfindungen. Diese große Gefühlstiefe prägte die Interpretation durch Knut Hanßen, mit Innigkeit und Leidenschaft spielte er dieses jedem Pianisten bestens vertraute Werk. Bei seiner sehr transparenten und melodiebestimmten Wiedergabe entdeckte man Schönheiten, die im Spiel anderer jungen Interpreten oftmals untergehen.

Für klangmalerische Momente hatte sich Hanßen den zweiten Konzertteil vorbehalten. Da erklang mit dem Zyklus „Bilder einer Ausstellung“ von Modest Mussorgsky eines der populärsten Lehrwerke der Programmmusik. Der Mann am Flügel wusste die einzelnen Bilder mit wohl differenzierten Klangfarben zu malen, nahm das Publikum ganz im Sinne des Komponisten dabei nicht nur auf einen Rundgang durch die Bilderwelt des Malers Victor Hartmann mit, sondern gleichsam auf ein Zeitreise durch Länder und Epochen. Das schaffen nur wenige Pianisten, das zeichnet den sympathischen Knut Hanßen aus.

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