Addi Bischoff untersucht Meteoritenfund
„Extrem seltener“ Gruß aus dem All

Münster/Senden -

An der Universität Münster wird ein Meteorit untersucht, der wichtige Aufschlüsse aus der Frühzeit des Sonnensystems erlaubt. Zu den Wissenschaftlern, die das Gestein, das im vorigen September in Norddeutschland auf die Erde prallte, analysieren, zählt der Sendener Prof. Dr. Addi Bischoff.

Mittwoch, 19.02.2020, 12:40 Uhr aktualisiert: 20.02.2020, 17:50 Uhr
Die Planetologen Prof. Dr. Addi Bischoff (l.) und Markus Patzek mit dem Meteoriten Flensburg, der mit dem Rasterelektronenmikroskop untersucht wird.
Die Planetologen Prof. Dr. Addi Bischoff (l.) und Markus Patzek mit dem Meteoriten Flensburg, der mit dem Rasterelektronenmikroskop untersucht wird. Foto: WWWU

Ein Feuerball am Himmel, begleitet von einem Knall, versetzte im September vergangenen Jahres Hunderte von Augenzeugen in Norddeutschland in Staunen. Grund für das Spektakel: Ein Meteoroid trat in die Erdatmosphäre ein und verglühte dort teilweise. Einen Tag nach dem Ereignis fand ein Bürger in Flensburg einen 24,5 Gramm schweren schwarzen Stein auf dem Rasen seines Gartens.

15 Unis und Institute an der Forschung beteiligt

Dieter Heinlein vom Augsburger Institut für Planetenforschung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt erkannte den Stein als Bruchstück eines Meteoriten und übergab die Probe an die Experten des Instituts für Planetologie der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU). Prof. Dr. Addi Bischoff , der in Senden wohnt, und Doktorand Markus Patzek untersuchen den Stein seitdem mineralogisch und chemisch – mittlerweile sind etwa 15 Universitäts- und Forschungsinstitute in Deutschland, Frankreich und der Schweiz an den Forschungsarbeiten beteiligt.

Die ersten Forschungsergebnisse zeigen, dass „Flensburg“, auf dessen Name der Meteorit getauft wurde, nur mit sehr selten gefallenen Meteoriten, sogenannten kohligen Chondriten, verglichen werden kann.

Rasterelektronenmikroskopische Untersuchungen belegen, dass Flensburg nur Minerale enthält, die sich unter der Beteiligung von Wasser in der Frühphase unseres Sonnensystems gebildet haben. Dabei handelt es sich insbesondere um Schichtsilikate und Karbonate. Somit kann der ursprüngliche Mutterkörper als Teil eines möglichen Bausteins der Erde angesehen werden, der in der Frühphase der Planetenentwicklung der Erde auch das Wasser gebracht haben könnte.

Hinweise auf Wasser vor 4,6 Milliarden Jahren

„Der Meteorit von Flensburg gehört einer extrem seltenen Meteoritenklasse an und ist der bisher einzige Meteoritenfall in Deutschland, der beweist, dass es vor 4,56 Milliarden Jahren im frühen Sonnensystem kleine Körper gegeben haben muss, auf denen es flüssiges Wasser gab. Vielleicht haben solche Körper der Erde auch das Wasser geliefert“, betont Addi Bischoff.

Fundstück aus dem All: Der Meteorit „Flensburg“ in der Nahaufnahme

Fundstück aus dem All: Der Meteorit „Flensburg“ in der Nahaufnahme Foto: WWWU/Markus Patzek

Aufschlüsse über die Entstehung von Planeten

Flensburg passt genau in die Forschungsarbeiten des Sonderforschungsbereichs „TRR170 – Späte Akkretion auf terrestrischen Planeten“, eine von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte Forschungskooperation zwischen Münster und Berlin. Die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wollen unter anderem herausfinden, aus welchen Bausteinen die Erde und andere Planeten ursprünglich gebildet wurden und ob Material erst nachträglich die Erde erreichte. Wenn ja: Wie war dieses Material beschaffen? Um diesen Fragen auf den Grund zu gehen, untersuchen die Forscher unter anderem Meteorite – Bruchstücke ferner Himmelskörper, vor allem von Asteroiden. Sie gelten als die ältesten Gesteine des Sonnensystems und sollen somit Aufschluss über die Entstehung von Planeten geben.

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