Erster Ottmarsbocholter Nachkriegsbau macht Platz für neues Wohnprojekt
Wie Phoenix aus der Asche

Ottmarsbocholt -

Das Gebäude an der Clemens-Hagemann-Straße 11 ist das erste steinerne Wohnhaus, das nach dem Krieg in Ottmarsbocholt gebaut wurde. Die Steine stammen aus dem Bauschutt zerbombter Häuser aus Münster. Der Altbau wurde soeben abgerissen. Auf dem Gelände soll eine Mehrfamilienhaus für sechs Mietparteien entstehen.

Mittwoch, 19.02.2020, 15:18 Uhr aktualisiert: 20.02.2020, 17:50 Uhr
Der Bagger des Unternehmens Thomas Kamlage leistet ganze Arbeit: Der aus dem Jahr 1947 stammende Altbau an der Clemens-Hagemann-Straße 11 weicht einem Wohnhaus, das Platz für sechs Mietparteien bietet.
Der Bagger des Unternehmens Thomas Kamlage leistet ganze Arbeit: Der aus dem Jahr 1947 stammende Altbau an der Clemens-Hagemann-Straße 11 weicht einem Wohnhaus, das Platz für sechs Mietparteien bietet. Foto: Siegmar Syffus

Haus Davert, das ehemalige Ottmarsbocholter Krankenhaus, liegt in Schutt und Asche, ist Geschichte. Das freie Areal wird für ein Neubauprojekt des Sozialwerkes St. Georg genutzt (WN berichteten). Doch auch ein anderes geschichtsträchtiges Ottmarsbocholter Gebäude ist in den vergangenen Tagen vom Erdboden verschwunden und soll – wie Phoenix aus der Asche – Platz für ein privates Wohnprojekt machen. Die Rede ist vom Wohnhaus Clemens-Hagemann-Straße 11. Das Elternhaus von Georg Rave ist das erste steinerne Haus, das nach dem Zweiten Weltkrieg in Ottmarsbocholt errichtet wurde. Sein Vater Felix Rave schaffte es mit viel Eigenleistung, das Gebäude pünktlich zur Hochzeit im Jahr 1947 fertigzustellen.

Doch nicht allein dieser Umstand ist etwas Besonderes. Denn: „Die Steine stammen aus dem Bauschutt zerbombter Häuser aus Münster, die zuvor abgepickt werden mussten. Der Sand kam mit dem Schiff nach Senden und wurde per Hand auf Pferdefuhrwerke umgeladen“, berichtete Klemens Rave vom Heimatverein Ottmarsbocholt. Er ist der Neffe von Felix und Helene Rave und kennt die Geschichte des Gebäudes aus mündlicher Überlieferung. „Unser Haus war unterkellert“, ergänzt Georg Rave. „Mein Vater hat dazu den Boden in Eigenleistung von Hand ausgehoben. Etwas, was man sich heutzutage gar nicht mehr vorstellen kann.“ Der rechte Teil mit zwei tiefer liegenden Fenstern sei dann einige Jahre später als „Waschküche“ mit kleinem Stallteil – so wie es damals üblich war – angebaut worden. Zum Haus gehörte ein großer Garten zur Selbstversorgung. Als die Familie wuchs, wurde am Garten der Wohnteil mit einem Anbau vergrößert.

Auf dem benachbarten Grundstück (heute Heitkötter) stand damals noch ein Behelfsheim für Kriegsflüchtlinge und Vertriebene. „Insgesamt haben dort drei oder vier Behelfsheime bis circa 1961 gestanden“, erinnert Klemens Rave an ein weiteres, für die jüngere Generation kaum mehr vorstellbares Kapitel der Heimatgeschichte.

Doch nicht nur damals war, sondern auch heute ist Wohnraum knapp. Insofern schließt sich der Kreis zur Historie. Denn nach Auskunft von Georg Rave soll auf dem Grundstück an der Clemens-Hagemann-Straße 11 ein Gebäude für sechs Mietparteien entstehen.

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