Musterachse auf Schloss Senden freigelegt
Fassade entfaltet ganze Schönheit

Senden -

Ein Teil des Herrenhauses von Schloss Senden ist freigelegt und denkmalgerecht restauriert worden. Diese bauliche Musterachse gibt einen anschaulichen Eindruck, wie das historische Gebäude künftig insgesamt aussehen könnte. Auch die ersten öffentlichen Nutzungen kommen in den Blick.

Mittwoch, 26.02.2020, 19:00 Uhr aktualisiert: 27.02.2020, 09:38 Uhr
Dr. Lennart Pieper (l.) und Dr. Franz Waldmann sehen der Zukunft des Sendener Schlosses zuversichtlich entgegen. Die Musterachse gibt einen Ausblick auf die folgende übrige Fassadensanierung des Herrenhauses.
Dr. Lennart Pieper (l.) und Dr. Franz Waldmann sehen der Zukunft des Sendener Schlosses zuversichtlich entgegen. Die Musterachse gibt einen Ausblick auf die folgende übrige Fassadensanierung des Herrenhauses. Foto: Siegmar Syffus

Der Verein Schloss Senden hat ein Fenster geöffnet, das sowohl einen eindrucksvollen Blick in die Vergangenheit als auch in die Zukunft des Sendener Wahrzeichens ermöglicht. Mit „Fenster“ ist die sogenannte Musterachse am Herrenhaus gemeint. Sie wird gebildet durch den freigelegten und restaurierten Giebel sowie durch einen links- und einen rechtsseitig gelegenen, ebenfalls restaurierten Fassadenstreifens. An diesem Teilbereich sind die verschiedenen Bauepochen des Schlosses abzulesen. Ebenso demonstriert die Musterachse, zu welchem Schmuckstück für Senden das historische Bauwerk insgesamt werden könnte.

Ziel ist es, mit der Musterachse eine Perspektive für die übrige Fassadensanierung zu geben.

Dr. Lennart Pieper

„Erste Nutzungen sehe ich bei optimistischer Einschätzung erst in den kommenden zwei bis drei Jahren“, räumt Dr.  Franz Waldmann ein. Denn damit beispielsweise Konzerte, Ausstellungen und andere öffentliche kulturelle Ereignisse oder auch Eheschließungen in einem ansprechenden Rahmen stattfinden können, müssen Heizung, Strom- und Wasserversorgung ebenfalls noch auf Stand gebracht werden. „Das ist ein großer Block“, betont das Vorstandsmitglied des Schloss-Vereins.

Die Entfernung des Putzes brachte an der Giebelseite eine Schmuckfriese zum Vorschein.

Die Entfernung des Putzes brachte an der Giebelseite eine Schmuckfriese zum Vorschein. Foto: Lennart Pieper

„Da die Fördermittel nur für einen Teil des Herrenhauses ausreichten, schlug Architekt Bernhard Mensen vor, zunächst die Giebelseite sowie einen je fünf Meter breiten Streifen zur Gräften- und zur Hofseite in Angriff zu nehmen“, erläutert Dr.  Lennart Pieper . „Ziel ist es, mit der Musterachse eine Perspektive für die übrige Fassadensanierung zu geben“, führt der wissenschaftliche Mitarbeiter des Vereins Schloss Senden aus.

So zeigt die Fassade zur Gräfte hin jetzt ein elegantes Schmuckfries, das durch die Anordnung von hell und dunkel gebrannten Ziegeln ein Zickzack-Muster bildet. „Dass sich eine solche Schönheit hinter dem Putz verbirgt, hätten wir nicht erwartet“, sagt Waldmann. „Damit ergeben sich auch ganz neue Erkenntnisse über die Baugeschichte des Schlosses.“

Dass sich eine solche Schönheit hinter dem Putz verbirgt, hätten wir nicht erwarte.

Dr. Franz Waldmann

So verweisen beispielsweise die aus Sandstein gefertigten Gewände der Fenster auf ihre mittelalterliche Herkunft. Doch als die Steinmetze sie von ihrer alten gelben Farbe befreit hatten, „zeigte sich dass ursprünglich spätgotische Steinkreuzfenster verbaut waren“, erläutert Pieper. Im 18. Jahrhundert seien die Steinkreuze durch großflächige Fensterscheiben ersetzt worden. Die nicht mehr benötigten Sandsteinkreuze der ursprünglichen Fenster seien dann – heute noch erkennbar – in der Fassade des Schlosses verbaut worden.

Mit Spenden einzelner Paten konnten die maroden Fenster denkmalgerecht restauriert werden.

Mit Spenden einzelner Paten konnten die maroden Fenster denkmalgerecht restauriert werden. Foto: Lennart Pieper

„Die neuen Fenster der Musterachse sind in Einzelanfertigung denkmalgerecht hergestellt worden. Die Finanzierung ist jeweils von einem festen Paten übernommen worden“, berichtet Waldmann. Es sei aus Sicht des Vereins höchsterfreulich, dass diese Investition komplett aus Spenden gedeckt werden konnte. Dies sei ein Zeichen für die gewachsene Identifikation mit dem Sendener Wahrzeichen.

Für die nun weitere Restaurierung des Herrenhauses hat der Verein insgesamt vier Förderanträge gestellt: bei der Gemeinde Senden, beim Bund, beim Land sowie bei der Deutschen Stiftung Denkmalpflege. „Mit einem Gemeindeanteil von 70 000 Euro wird auf diese Weise ein Volumen im Wert von rund 900 000 Euro nach Senden gebracht“, sagt Waldmann. Mit Hilfe dieser sowie bereits investierter Mittel würden „repräsentative Räume“ für „gehobene Kulturveranstaltungen“ im Herrenhaus geschaffen, die der Allgemeinheit zugute kommen. „Die Offenheit bleibt“, verspricht das Vorstandsmitglied des gemeinnützigen Vereins Schloss Senden.

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