Pflegewohngemeinschaft an der Kirchstraße geplant
Betreuung in häuslicher Atmosphäre

Ottmarsbocholt -

Pflege und Betreuung in einem häuslichen Umfeld versprechen sogenannte Pflegewohngemeinschaften. Eine oder sogar zwei dieser Einrichtungen für jeweils zwölf Klienten sollen im Ottmarsbocholt Ortskern an der Kirchstraße entstehen. Gleichzeitig könnte damit das Defizit an Pflegeplätzen in der Gemeinde abgemildert werden.

Mittwoch, 11.03.2020, 16:30 Uhr aktualisiert: 11.03.2020, 17:28 Uhr
Anstelle des Hauses Stoffers an der Kirchstraße soll in absehbarer Zeit eine Pflege- und Wohneinrichtung entstehen.
Anstelle des Hauses Stoffers an der Kirchstraße soll in absehbarer Zeit eine Pflege- und Wohneinrichtung entstehen. Foto: Siegmar Syffus

Der Begriff klingt sperrig. Die Vorzüge einer „anbieterverantworteten Pflegewohngemeinschaft“ hören sich hingegen recht vielversprechend an. Denn in einer solchen WG können Menschen verschiedener Pflegestufen größtmöglich eigenständig leben und werden gleichzeitig bedarfsgerecht rund um die Uhr betreut und gepflegt.

Ein solches Angebot soll in absehbarer Zeit in Ottmarsbocholt an der Kirchstraße 10 entstehen – auf dem Grundstück des ehemaligen Hauses Stoffers. Es liegt zentral, direkt an der Kirche, gegenüber einer Arztpraxis und der St. Urban-Apotheke. Nahversorger, Postfiliale, Bushaltestellen und Geldinstitute befinden sich in bequem fußläufiger Entfernung.

Am Dienstagabend hat der Sozialausschusses einstimmig die Gemeindeverwaltung beauftragt, einen Auslobungstext für einen Architekten- und Investorenwettbewerb zu entwerfen, der im Bezirksausschuss Ottmarsbocholt am 12. Mai (Dienstag) vorgestellt worden soll. Ziel ist es, an der Kirchstraße eine oder sogar zwei WGs für jeweils zwölf Bewohner einzurichten. Über die Rahmenbedingungen einer „anbieterverantworteten Pflegewohngemeinschaft“ informierte Constanze Spellerberg , Geschäftsführerin des Pflegedienstes Jakubke, die Ausschussmitglieder. Das Unternehmen betreibt unter anderem eine Einrichtung in Herbern.

Besonderer Vorzug der Wohngemeinschaften seien die „häusliche Situation“ für die Bewohner, so werde beispielsweise täglich frisch gekocht. Für die Mitarbeiter, die im Dreischichtbetrieb vor Ort sind, sei die Tätigkeit „sehr stressfrei“, führte Spellerberg aus. „Auch das Zusammenleben verschiedener Klientengruppe klappt in der Regel recht gut.“ Aufgrund der Spezialisierung sei der Pflegedienst in der Lage, „Klienten bis zuletzt zu bereuen“.

Im Sozialausschuss informierten Wilfried Mohring (2.v.l.), Constanze Spellerberg (3.v.l.) und Wolfgang Abbing (4.v.l.) über „anbieterverantwortete Pflegewohngemeinschaften“.

Im Sozialausschuss informierten Wilfried Mohring (2.v.l.), Constanze Spellerberg (3.v.l.) und Wolfgang Abbing (4.v.l.) über „anbieterverantwortete Pflegewohngemeinschaften“. Foto: Siegmar Syffus

Im Vergleich zu stationären Pflegeeinrichtungen seien ambulante Wohngruppen „deutlich günstiger“, hob die Referentin hervor. Die Kosten für Miete, Pflegedienst, Betreuungsvertrag (24-Stunden-Anwesenheit von Personal) sowie Gebrauchsüberlassung von Inventar bezifferte sie mit einem Betrag zwischen 1500 und 1800 Euro. Hinzu komme ein monatliches Entgelt für Essen (vier Mahlzeiten am Tag) in Höhe von 225 Euro. Sie könne sich vorstellen, nicht nur als Betreiber, sondern auch als Investor einer oder zweier „anbieterverantworteten Pflegewohngemeinschaft“ an der Kirchstraße aufzutreten, sagte Spellerberg.

Zum Einstieg in den Tagesordnungspunkt hatten Wolfgang Abbing und Wilfried Mohring vom Kreis Coesfeld über die rechtlichen Rahmenbedingungen für Pflegewohngemeinschaften beziehungsweise über den Bedarf an Pflegeplätzen in der Gemeinde Senden informiert. Nach Mohrings Worten steigt der Bedarf an Pflegeplätzen in der Gemeinde Senden bis 2030 von derzeit 204 auf voraussichtlich 232 Plätze. Mit zwei Pflegewohngemeinschaften „könnte die Lücke nahezu geschlossen werden“, sagte der Vertreter des Kreises Coesfeld.

„Passgenaues Angebot“

Die bisherigen Bemühungen, auf der Fläche Kirchstraße 10 in Ottmarsbocholt ein Tagespflegeangebot zu schaffen, waren bisher erfolglos. Da in Senden in Kürze zwei Tagespflegen entstehen, „erscheine es zweifelhaft, dass sich für Ottmarsbocholt eine weitere Tagespflege realisieren lässt“, heißt es in der Verwaltungsvorlage. Nach Abstimmung mit dem Kreis Coesfeld biete sich die sogenannte anbieterverantwortete Pflegewohngemeinschaft als bedarfsorientierte Alternative für Ottmarsbocholt an. Da sich der Betrieb einer solchen Einrichtung bereits ab circa zwölf Plätzen rechne, sei diese Pflegeform „in besonderem Maße dazu geeignet, auch für die Bewohner kleinerer Ortsteile ein passgenaues und wohnortnahes Pflegeangebot bereitzustellen“, heißt es in der Vorlage der Verwaltung weiter.

...
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7322668?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F104%2F166%2F
Nachrichten-Ticker