Corona: Altenheim hält seine Außentüren geschlossen
„Bei uns ist eine Schutzglocke drauf“

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Niemand kommt rein ohne zu schellen. Besuchern öffnet sich die Tür zum Altenheim St. Johannes nur in Ausnahmefällen und für kurze Zeit. Der Schutz der Bewohner wird von einem Krisenstab immer wieder neu beraten.

Sonntag, 22.03.2020, 14:56 Uhr aktualisiert: 23.03.2020, 12:59 Uhr
„Gemeinsam stark gegen Keime“: Seit Bekanntwerden der ersten Corona-Infektionen in Deutschland gilt im Altenheim St. Johannes „Winken statt Schütteln“. Mittlerweile sind die Türen für Besucher geschlossen. Sabine Neumann leitete einen hausinternen Krisenstab, der die Sicherheitsmaßnahmen für Bewohner und Mitarbeitende täglich neu berät und entsprechende Dienstanweisungen herausgibt.
„Gemeinsam stark gegen Keime“: Seit Bekanntwerden der ersten Corona-Infektionen in Deutschland gilt im Altenheim St. Johannes „Winken statt Schütteln“. Mittlerweile sind die Türen für Besucher geschlossen. Sabine Neumann leitete einen hausinternen Krisenstab, der die Sicherheitsmaßnahmen für Bewohner und Mitarbeitende täglich neu berät und entsprechende Dienstanweisungen herausgibt. Foto: Siegmar Syffus

Klare Ansage von Sabine Neumann : „Ohne schellen kommt keiner mehr in unser Haus. Wir müssen unsere Bewohner und die Mitarbeitenden vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus bewahren.“ Die Leiterin des Altenheims St. Johannes ist, wie sie betont, den politisch Verantwortlichen dankbar, dass Befugnisse zur Durchsetzung von Sicherheitsmaßnahmen zur Verfügung stehen. „Bei uns ist eine Schutzglocke drauf“, versichert Neumann auf WN-Anfrage.

Mit dem Inkrafttreten der Allgemeinverfügungen sei im Altenheim ein Krisenstab gebildet worden, der sich täglich trifft und die Lage jeweils neu berät. „Dieses Gremium gehören die Entscheidern aller Fachbereiche an. Sie gebe die laufend aktualisierten Dienstanweisungen an alle 110 Mitarbeitenden aus den Bereichen Pflege, Sozialdienst, Hauswirtschaft, Technik und Verwaltung heraus“, skizziert Neumann die Arbeitsweise des Krisenstabes.

Ratschläge der Leiterin

Senioren sind zwar nicht empfänglicher für das Coronavirus als andere Altersgruppen. Das Risiko, schwerer zu erkranken, ist bei ihnen jedoch höher als bei anderen Altersgruppen.So mancher, der sich um einen betagten Angehörigen oder Bekannten kümmert, ist verunsichert: Wie kann man helfen, ohne dass Gefahr besteht, den Senioren durch eventuell mitgeschleppte Keime zu infizieren? „Beziehungspflege mit schützendem Abstand“ lautet die Formel, lautet aus Sicht von Sabine Neumann eine probate Faustformel.Eine große Infektionsquelle sei der Einkaufswagen, weil er von vielen angefasst wird. „Man sollte sich niemals zwischendurch ins Gesicht fassen und bei den Eltern oder Großeltern zu Hause zunächst 30 Sekunden lang die Hände gründlich und mit viel Schaum waschen. Nicht in die Hand, nicht in den freien Raum niesen. Freundlich lächeln, statt Hände schütteln “, rät die Leiterin des Sendener Altenheims.Außerdem sollte man bei der Kontaktpflege mit älteren Menschen die technischen Möglichkeiten nutzen: Telefon und Internet. „Die Kinder können für Opa und Oma Bilder malen und ihnen ein WhatsApp-Video schicken“, nennt Sabine Neumann weitere Beispiel.

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„Es sollen keine Besuche mehr stattfinden. Das ist oberste Priorität. Nur in besonders dringenden Fällen darf ein Bewohner einen einzelnen Gast maximal eine Stunde lang und nur in seinem Zimmer empfangen“, berichtet die Leiterin des Sendener Altenheims. Aus organisatorischen Gründen habe sich der Krisenstab entschlossen, diese Ausnahmebesuche nur zwischen 16 und 18 Uhr zuzulassen. „Jeder Besucher wird am Eingang aufgelistet, um den Kontakt bei Nachfrage des Gesundheitsamtes melden zu können“, nennt Neumann eine weitere Sicherheitsmaßnahme. Jeder Externe, der das Altenheim betritt, erhalte eine Einweisung, wie er sich im Haus zu verhalten hat. Das bedeutet: Hände desinfizieren, Körperkontakt vermeiden und zwei Meter Abstand wahren. „Außerdem befragen wir jeden nach Risikofaktoren, zum Beispiel nach Auslandsaufenthalten und grippalen Infekten“, sagt Neumann. Erfreulicherweise seien die meisten Angehörigen kooperativ und dankbar, dass die Vorsichtsmaßnahmen konsequent angewendet werden.

Ehrenamt muss draußen bleiben

Außen vor sind aktuell auch die über 40 Ehrenamtlichen, die einen großen Teil des Freizeitangebotes für die Bewohner auf die Beine gestellt haben und regelmäßig tragen. „Die Mitarbeitenden unseres Sozialdienstes sind zusätzlich gefordert und leisten Großartiges. Sie gehen zum Beispiel mit unser Bewohnern in den Garten, damit sie keinen Lagerkoller bekommen“, führt die Altenheimleiterin aus. Sie hofft, „dass unsere fleißigen Ehrenamtlichen nach der Coronakrise wieder zu uns zurückkehren.“

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