Mehr Freiheit am Horizont
Bahn kündigt abermals Sanierung in Bösensell an

Senden -

Der Bahnhof in Bösensell soll saniert werden, bestätigt die Deutsche Bahn. Im Mittelpunkt der Modernisierung stehen die Mängel bei der Barrierefreiheit. Ob die Bautrupps im Sommer wirklich anrücken, ist entgegen der Beteuerungen aber nicht ganz sicher.

Donnerstag, 02.04.2020, 18:30 Uhr aktualisiert: 02.04.2020, 22:02 Uhr
Jetzt soll die Sanierung kommen. Bisher winkt der Rollstuhlfahrer aus Bösensell dem Zug hinterher.
Jetzt soll die Sanierung kommen. Bisher winkt der Rollstuhlfahrer aus Bösensell dem Zug hinterher. Foto: di

Die Bahn zurrt ihren Fahrplan fest: Wie das Transportunternehmen auf WN-Anfrage bestätigt, macht der Sanierungszug noch in diesem Jahr in Bösensell Station. Klaus Stephan , Beigeordneter und Bauressort-Leiter der Gemeinde Senden, nimmt die Nachricht, die zuerst vom Landtagsabgeordneten Dietmar Panske verbreitet worden war, positiv auf: „Wir würden uns freuen . . .“ Die Kommune selbst sei bislang aber noch nicht informiert worden („im Hause wird jetzt recherchiert“).

Laut Bahnpressestelle startet die Sanierung mit dem Bahnsteig 2 als sogenannte Schattenbaustelle. Das bedeutet, dass die Sperrung eines Gleisabschnitts gleich für mehrere Baumaßnahmen genutzt wird, um die Eingriffe in den Bahnverkehr gering zu halten.

Der Bösenseller Bahnsteig 1 soll im Bereich Februar/März 2021 modernisiert werden, lauten die weiteren Angaben der Deutschen Bahn . Der Kern der Maßnahme und wichtigste Grund für das Projekt – über dessen Kosten dem Bahnsprecher keine Angaben vorliegen – besteht darin, Barrierefreiheit herbeizuführen. „Die Situation ist wirklich verbesserungswürdig“, unterstreicht Stephan die Notwendigkeit der Sanierung.

Maßnahme stand schon öfter auf „Fahrplan“

Sie soll mit Mitteln aus dem Topf des Zukunftsinvestitionsprogramms (ZID) des Bundes bestritten werden und wurde bereits vielfach angekündigt – ohne dass Bautrupps bisher in Bösensell tatsächlich angerückt wären. Die Bahnpressestelle räumt ein, dass zuletzt 2018 die Maßnahme auf dem Terminplan stand, sie aber verschoben wurde, weil die Ausschreibung keine wirtschaftlich akzeptablen Angebote erbracht habe.

Dass dieses Risiko auch dieses Jahr besteht, darauf weist Uli Beele , Pressesprecher des „Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL), auf WN-Anfrage hin. Beele sieht eine weitere Unwägbarkeit, auf die sich jene einstellen sollten, die jetzt schon über die gute Nachricht frohlocken. Da es sich beim Gleis 2 in Bösensell um eine „Schattenbaustelle“ handele, werde diese nur in Angriff genommen, wenn die Primärmaßnahmen in dem Gleisabschnitt ebenfalls stattfinden.

Höhengleiche Einstiege und mehr Komfort

Für die Pendler in Bösensell und alle Bahn-Fahrgäste ist es jedenfalls eine hoffnungsvolle Aussicht auf mehr Komfort und einen niveaugleichen Einstieg in den Zug, wozu der Bahnsteig auf 185 Metern Länge auf 76 Zentimeter Höhe angehoben werden muss. Neben der Barrierefreiheit wird in Wetterschutz, Beleuchtung und taktile Wegeführung investiert. Die schäbigen Glasbausteine, die vielfach zerdeppert worden sind, sollen ebenfalls verschwinden, kündigt Beigeordneter Stephan an. Er ist geduldig mit der Bahn: Das Thema Bahnhof in Bösensell beschäftigt Stephan seit er 2006 nach Senden gekommen ist. Aus Sicht des Fachbereichsleiters Bauen im Sendener Rathaus sei es richtig gewesen, als Kommune eine Schubladenplanung für das Projekt erstellt zu haben. Denn umgesetzt werde nur, was planerisch unter Dach und Fach sei.

Aufwertung des Umfeldes

Sofern die barrierefreie Sanierung des Bahnhofs in Bösensell kommt, nimmt die Gemeinde das Umfeld der Station in den Blick. Dort soll unter anderem die Beleuchtung verbessert werden, so Beigeordneter Klaus Stephan. Er kündigt gegenüber den WN „Anpassungen auf Flächen an, die nicht der Bahn gehören“. Perspektivisch rücke auch die Gaststätte Farwick in den Fokus.Bereits verschiedentlich diskutiert wurde eine Erweiterung der Fahrradabstellanlage am Bösenseller Bahnhof. Bisher habe sich aber kein so großer Bedarf ergeben, der eine Förderung rechtfertigt, gibt Stephan den aktuellen Stand wieder.

...

Das Ende der Barrieren und damit den Anfang einer mobilen Freiheit sehnen sich besonders Menschen mit Handicap in Bösensell herbei. Zwar könnten auch die Rampen an ihrem Ende noch abgeflacht werden, „aber ich bin schon froh, wenn die Bahnsteige angehoben werden“, so ein 28-Jähriger Rolli-Fahrer. „Dann wird Bahnfahren für mich deutlich stressfreier.“

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