Zwangspause: Keine Einnahmen für Kneipen-Wirtinnen
Durststrecke statt Zapfhahn

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Sie wissen nicht, wie lange es dauert, bis sie wieder ein kühles Blondes servieren können. „Es ist schon heftig“, räumen die Betreiberinnen des „Journal“, Heike und Sandra Blömer, ein. Aber sie spüren auch, dass die Stammgäste das Kneipen-Team nicht vergessen haben.

Freitag, 03.04.2020, 16:16 Uhr aktualisiert: 05.04.2020, 11:34 Uhr
Sandra und Heike Blömer, Betreiberinnen des Journal
Sandra und Heike Blömer, Betreiberinnen des Journal Foto: privat

Sie stecken in einer Durststrecke, statt am Zapfhahn zu stehen. In der Kneipe „Journal“ fließt seit dem 17. März kein Bier mehr – und kein Geld in die Kasse. Als am Abend zuvor die letzten kühlen Blonden ausgeschenkt wurden, standen manchem Stammgast die Tränen in den Augen. Was Heike und Sandra Blömer berührt, ist, dass die Gäste „Paohl“ halten – wenn sie auch nicht am Tresen stehen. „Wir merken, dass die Leute an uns denken.“

Wir merken, dass die Leute an uns denken.

Heike und Sandra Blömer über die „Journal“-Stammgäste

Die Verbundenheit dürfte nicht abreißen, auch wenn die Corona-Zwangspause noch länger anhält, erwarten die Gastro-Geschwister. Wie lange sie ohne Einkünfte auskommen müssen, können die Wirtinnen nicht abschätzen. Sie stellen sich innerlich eher auf Ende Mai oder Ende Juni als auf Ende April ein. „Alles, was früher ist, wäre toll“, sagen sie über die Frist bis zum Neustart.

So oder so – selbst eine Gaststätte, die gut läuft, kann nicht längere Zeit auf Gäste und ihren Umsatz verzichten. „Es ist schon heftig, aber da müssen wir durch“, zieht Sandra Blömer ein Zwischenfazit für das Virus-bedingte Aus. Neue Geschäftsmodelle, Lieferdienste oder Ähnliches lassen sich für die Bierkneipen-Wirtinnen auch nicht mal eben aus dem Hut zaubern.

Der Weg, die Corona-Soforthilfe für Kleinunternehmen in Anspruch zu nehmen, lag deshalb nahe. 9000 Euro, die nicht zurückgezahlt werden müssen, werden den Unternehmerinnen zur Überbrückung überwiesen. Bürokratie mal im Turbo-Modus: Auf den Antrag der Wirtinnen, der am vorigen Freitag gegen 23 Uhr den Rechner verlassen habe, sei am Samstagmorgen die Bewilligung eingetrudelt. Die Mitarbeiter müssen trotzdem eine Pause einlegen. Doch: Das Gros der Aushilfen im „Journal“ gehe noch einem Vollzeitberuf nach oder habe sich einen anderen Job gesucht, schildert Sandra Blömer.

Das beste aus der Situation machen

Sie räumt ein, dass nicht nur mancher Gast emotional auf die jähe Schließung reagiert habe. Auch die Unternehmerin selbst habe sich in der ersten Phase gefragt: „Wie soll es weitergehen, wie halten wir das durch?“ Schon jetzt sei klar, dass Investitionen in das Lokal, die gerade angestanden hätten, aufgeschoben werden müssen. Dennoch, so Sandra Blömer, habe sie inzwischen beschlossen, „nicht Trübsal zu blasen, sondern das beste aus der Situation zu machen“.

Eine Devise, die offenbar auch einige Gäste beherzigen. So habe beispielsweise ein Paar, das zu den Stammbesuchern zählt, ein Bild geschickt, auf dem es sich mit einem Weizenbier beziehungsweise Rotweinglas zuprostet. Das Freiluft-Picknick hatten die beiden vor die Kneipe am Dümmer verlegt. Mit dem Kommentar: „Wenn wir schon was trinken, dann vor dem Journal“.

Dort wollen Heike und Sandra Blömer am 6. Juni ihr Zehnjähriges als Betreiber feiern. Ob das klappt, weiß das garstige Corona-Virus allein. Doch ob an diesem Datum oder später – gefeiert wird die neue alte Freiheit im „Journal“ auf jeden Fall.

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