Betriebe vor Ort setzen auf Lieferservice
Handel trotz geschlossener Ladentür

Senden -

Die Ladentüren bleiben geschlossen – und keiner weiß, wie lange. Gleichwohl läuft das Geschäft weiter, denn viele Firmen bieten einen Lieferservice an. Die WN fragten nach den ersten Erfahrungen der Händler.

Samstag, 04.04.2020, 07:16 Uhr aktualisiert: 05.04.2020, 11:34 Uhr
Die Geschäftsleute sind vor Ort: Gaby Reimchen, Erna Schwalbe und Manfred Tiemann machen auf Online- und Liefer-Angebote der Sendener Einzelhändler aufmerksam.
Die Geschäftsleute sind vor Ort: Gaby Reimchen, Erna Schwalbe und Manfred Tiemann machen auf Online- und Liefer-Angebote der Sendener Einzelhändler aufmerksam. Foto: di

Jede Krise birgt eine Chance. Was nicht bedeutet, dass die Kaufleute in Senden die Corona-Krise unter „halb so schlimm“ abhaken. Aber die Händler und Betriebe stellen sich der Herausforderung des heruntergefahrenen öffentlichen Lebens und entwickeln neue Perspektiven und Stärken. Das Zauberwort, um die Brücke zu den Kunden zu schlagen, heißt Liefern und Online-Handel. Und für alle Bürger, die wissen wollen, welches Geschäft und welche Firma mit welchem Service parat steht, der sollte sich „Senden packt an“ merken.

Immer mehr Händler und Dienstleister auf Portal

Wer diesen Slogan googelt, landet auf einem Verzeichnis, das gerade – wie berichtet – auf der Homepage der Gemeinde Senden eingerichtet worden ist. Die Zahl der Gastronomiebetriebe, Dienstleister und Läden, die dort aufgeführt sind, ist inzwischen auf 49 angestiegen.

Parallel dazu besteht und wächst die Facebook-Seite „Wir verkaufen online – unterstützt die Händler vor Ort in Senden“, mit der Ga­briele Reimchen als Betreiberin des Geschäfts „Das kleine Ich bin ich“, den Stein für die Online-Offensive ins Wasser geworfen hatte. „Es läuft langsam an, dass es in die Köpfe der Kunden kommt“, lautet ihr bisheriges Fazit. Das Grundprinzip des Lieferservice der lokalen Betriebe: In der Regel wird elektronisch bezahlt und die bestellte Ware vor die Tür oder einen verabredeten Standort gestellt (kontaktlose Übergabe). Zusätzliche Kosten entstehen innerhalb Sendens nicht. Einzelne Händler räumen Kunden auch die Möglichkeit ein, die gewünschten Artikel vor dem Laden abzuholen.

Bestellen auch ganz ohne Internet

Doch braucht der Vertrieb ohne ein geöffnetes Geschäft kein lupenreiner Online-Handel zu sein, ergänzt Erna Schwalbe , Buchhändlerin und Vorstandsmitglied des Gewerbevereins Senden. Sie betont, dass Kunden, die keinen Internetzugang haben oder sich dort nicht sicher bewegen, ebenfalls zum Zuge kommen. Denn: Die Händler seien in der Regel in ihren Geschäften, weshalb Wünsche problemlos telefonisch übermittelt werden können. „Ich bin positiv überrascht, wie viele Bestellungen auf allen Kanälen kommen“, zieht Schwalbe ein erstes Resümee. Das mache nicht den üblichen Umsatz wett, gleichwohl zeige es, dass die Leseratten eine hohe Treue auszeichnet, so die Buchhändlerin, die auch eine ganze Reihe neuer Kunden verzeichnet. Die Bedeutung des Online-Handels – und des örtlichen Lieferns innerhalb Sendens und der Nachbarschaft – habe enorm zugenommen. Obschon die Buchhandlung, die seit 33 Jahren in Senden vertreten ist, schon seit gut zwei Jahrzehnten einen Online-Shop betreibe, habe dessen Nutzung in diesen Wochen massiv angezogen. Dass Kunden bewusst nicht die Online-Giganten, sondern örtliche Anbieter frequentieren, höre sie immer öfter, so Schwalbe. Auch Manfred Tiemann, Vorsitzender des Gewerbevereins Senden, glaubt, dass der Handel trotz Krise Punkte sammeln kann: als vertrauter Ansprechpartner vor Ort und gleichzeitig über zeitgemäße Online-Kanäle, deren Bedeutung wachse.

 

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