Gabi Anderie-Meyer: 33 Jahre als Landärztin in Senden
„Es ist mein Traumberuf“

Senden -

Gabi Anderie-Meyer hat zum Jahreswechsel ihre Praxis übergeben. Gegenüber den WN zieht sie eine Bilanz als Medizinerin, die 33 Jahre lang als Landärztin in Senden Patienten betreut hat.

Dienstag, 07.04.2020, 16:06 Uhr aktualisiert: 07.04.2020, 20:54 Uhr
Als Gabi Anderie-Meyer ihren Dienst als Allgemeinmedizinerin quittierte, überschütteten sie ihre Patienten mit Dankeschön-Karten und vielen guten Wünschen für die Zukunft. Die liebevoll gestalteten Schriftstücke füllen einen ganzen Ordner.
Als Gabi Anderie-Meyer ihren Dienst als Allgemeinmedizinerin quittierte, überschütteten sie ihre Patienten mit Dankeschön-Karten und vielen guten Wünschen für die Zukunft. Die liebevoll gestalteten Schriftstücke füllen einen ganzen Ordner. Foto: Angela Weiper

Gabi Anderie-Meyer räumt gerade die Zimmer in ihrem Haus auf – so richtig gründlich. „Schön, dass ich jetzt endlich Zeit dazu habe“, sagt sie. Seit Mitte Dezember des vergangenen Jahres ist die Allgemeinmedizinerin im Ruhestand, hat ihre Praxis, die sie 33 Jahre in Senden führte, an Ute Bartholomäus übergeben.

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge hat sie den Schlussstrich gezogen. Für Anderie-Meyer ist ihr Beruf eine Berufung: „Es ist mein Traumberuf“, sagt die 65-Jährige, „was anderes hätte ich nie machen wollen.“

So ganz kann die gebürtige Pfälzerin aber nicht von ihrer Arbeit lassen: „Ich unterstütze meine Nachfolgerin und übernehme regelmäßig den hausärztlichen Notdienst“, blickt die Medizinerin auf ihren ziemlich aktiven Ruhestand. Sie freut sich auf die sogenannten „Sitzdienste“ im Krankenhaus und auf die Hausbesuche, die bei ihren Diensten so anfallen. Ganz entspannt kann sie sie angehen: „Ich muss ja hinterher nicht mehr in die Praxis.“

Als am 21. Dezember Schluss war, überschütteten die Patienten Gabi Anderie-Meyer mit Dankeschön-Karten und vielen guten Wünschen für die Zukunft. Die liebevoll gestalteten Schriftstücke füllen einen ganzen Ordner.

„Ich habe mich bei Ihnen immer wohl gefühlt, auch wenn Sie mir manchmal den Kopf gewaschen haben“, steht da oder „Sie haben mir immer zugehört und mich und meine Anliegen ernst genommen“ oder „wegen Ihnen studiert meine Tochter jetzt Medizin“.

Besser und schöner kann ein Lob wohl kaum ausfallen. Gabi Anderie-Meyer hat offensichtlich einen guten Weg gefunden, um die Behandlung ihrer kleinen und großen Patienten nicht nur auf das rein Medizinische zu beschränken.

„Mir ist immer auch das Zwischenmenschliche wichtig und deshalb nehme ich mir die Zeit, die meine Patienten brauchen“, sagt Anderie-Meyer. Als sie 1986 ihre Praxis an der Herrenstraße eröffnete, war die junge Medizinerin auf alles gefasst – auch darauf, dass die Praxis nicht läuft. „Ich habe mir zwei Jahre gegeben“, erinnert sich Anderie-Meyer, Mutter von drei Kindern, an die Anfänge. Die Einrichtung war gebraucht und so manches Möbel von Ehemann Manfred Meyer selbst geschreinert, um die Kosten niedrig zu halten. Lediglich das Ultraschall-Gerät war neu: „Das war mir wichtig“. Als sie die Praxis im Oktober 1986 eröffnete, hatte sie lediglich zwei Patienten: „Einen morgens und den anderen am Abend.“

Doch das änderte sich rapide. Und mit der Feierabend-Sprechstunde für Berufstätige fand Gabi Anderie-Meyer eine Marktlücke, die sie mit Erfolg schloss. Neben der Arbeit in der Praxis, absolvierte die Sendener Ärztin ungezählte Notdienste, fuhr in ihrem Lada Niva zu Hausbesuchen und war für ihre Patienten irgendwie immer im Dienst. Einen richtigen Feierabend habe es für die engagierte Medizinerin nie gegeben. Manchmal standen die Patienten sogar sonntags zur allerbesten Kaffeezeit am Gartenzaun und versuchten, ärztlichen Rat zu bekommen.

Das Familienleben habe schon unter ihrem Beruf leiden müssen, so Anderie-Meyer. „Meine Kinder fanden es gar nicht gut, dass ich oft weg war.“ Aber trotzdem fanden sie den Beruf ihrer Mutter schon besonders. Als Anderie-Meyer einen Einsatz im Sendener Schulzentrum hatte und mit ihrem Lada angebraust kam, um als Notärztin einem verunfallten Schulkind zu helfen, war es ihr Sohn, der das Geschehen beobachtete und voller Stolz sagte: „Das da vorne, das ist meine Mama!“

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