Barocke Heiligenfigur im Schlosspark restauriert
Nepomuk strahlt in die Natur

Senden -

Eine aus dem Jahr 1777 stammende Statue des Heiligen Nepomuk ist fachkundig restauriert worden. Sie ist ein weiterer Mosaikstein in der Herrichtung des Schlossparks für die Öffentlichkeit. Trotz der Corona-Krise laufen die Planungen für den Tag der Gärten und Parks am 7. Juni auf Schloss Senden vorerst weiter.

Mittwoch, 08.04.2020, 17:17 Uhr aktualisiert: 08.04.2020, 17:30 Uhr
Nach der Restaurierung strahlt die Statue des Nepomuk in neuem Glanz.
Nach der Restaurierung strahlt die Statue des Nepomuk in neuem Glanz. Foto: Siegmar Syffus

Regelmäßigen Besuchern des Schlossparks fällt es sogleich auf: Die Sandsteinstatue des Heiligen Nepomuk strahlt so hell und freundlich wie lange nicht mehr. „Nach einer mehrwöchigen Restaurierung an Ort und Stelle ist das Gerüst samt Schutzplane nun abgenommen und gibt den Blick frei auf das ausgezeichnete Ergebnis“, berichtet Dr.  Lennart Pieper , wissenschaftlicher Mitarbeiter des Vereins Schloss Senden.

Anfang des Jahres hatte ein Restaurator der Firma Naturstein Häder aus Greven mit den Arbeiten an der Heiligenstatue begonnen. Nach einer behutsamen Reinigung wurde die zum Teil stark verwitterte Oberfläche wieder gefestigt und Risse im Gestein verschlossen. Die kurzfristige Umsetzung der dringend notwendigen Maßnahme wurde ermöglicht durch eine gemeinsame Förderung seitens des Kreises Coesfeld, der Gemeinde Senden sowie der LWL-Denkmalpflege. „Damit ist der Erhalt der Figur für die nächsten Jahrzehnte sichergestellt“, freut sich Pieper.

Der Legende nach geriet der Ende des 14. Jahrhunderts in Prag lebende Geistliche Nepomuk in einen Streit mit König Wenzel, woraufhin dieser ihn von der Karlsbrücke stürzen ließ. Statt dem König die Geheimnisse von dessen der Untreue bezichtigten Gemahlin anzuvertrauen, hatte Johannes Nepomuk, so sein vollständiger Name, auf dem Beichtgeheimnis beharrt.

Schon bald nach seinem Tod wurde er als Märtyrer verehrt, die Heiligsprechung erfolgte jedoch erst im Jahr 1729. Im Volksglauben galt Nepomuk seit der Barockzeit als „Brückenheiliger“ und findet sich seitdem als Statue an zahlreichen Flussübergängen. Zudem war die Errichtung einer Nepomuk-Statue stets auch ein Bekenntnis zur katholischen Kirche sowie zum Habsburgerreich.

Eine stark verwitterte Inschrift an der linken Seite des Sockels verrät, dass die Sendener Statue im Jahr 1777 errichtet worden ist. „Möglicherweise stand sie ursprünglich an der Brücke über die erste Gräfte und wurde erst später an ihren jetzigen Standort versetzt, wo sich früher ebenfalls eine kleine Brücke befand“, erläutert Pieper. Eine weitere Jahreszahl, etwas versteckt auf der Rückseite, nennt 1942 als mögliches Datum.

Das barocke Gebet auf der Vorderseite nimmt auf Nepomuks Stillschweigen Bezug und bittet um göttlichen Beistand, wenn es gilt, „die zung behutsam zu bewahren“. Dargestellt ist der Heilige im Gewand eines Priesters mit den für ihn typischen Attributen Palmzweig und Kreuz. Zu seinen Füßen hockt ein kleiner Engel, dessen Kopf leider in jüngerer Zeit verloren gegangen ist. Derartige Verluste werden nach den Prinzipien der Denkmalpflege gewöhnlich nicht wieder ergänzt.

Mit der nun abgeschlossenen Restaurierung ist ein weiterer Mosaikstein in der Herrichtung des Schlossparks für die Öffentlichkeit gelegt, nachdem im vergangenen Monat bereits zahlreiche Freiwillige im Rahmen des jährlichen Parkpflegeseminars die Gehölze zurückgeschnitten hatten. „Derzeit hoffen wir trotz Coronavirus auf eine tolle Draußen-Saison am Schloss“, zeigt sich die Geschäftsführerin des Schlossvereins Dr. Martina Fleßner optimistisch. „Wir beobachten die aktuelle Lage ganz genau. Die Planungen für den Tag der Gärten und Parks am 7. Juni laufen vorerst weiter.“ Wenn sich die Situation bis dahin entspannt hat, sollen gleich zwei Gartenkunst-Projekte in den Park locken.

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