Corona-Krise: Pfarre nutzt neue Wege in Austausch und Seelsorge
Nah bei Menschen sein

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Kontaktverbote und eine mehrwöchige Pause bei den Gottesdiensten haben zu veränderten Wegen in der Kommunikation mit den Angehörigen der Pfarrgemeinde und der Seelsorge geführt. Dazu gehört eine Facebook-Seite, die sich generationsübergreifend einer hohen Beliebtheit erfreut.

Montag, 11.05.2020, 19:40 Uhr aktualisiert: 11.05.2020, 20:28 Uhr
Beschreiten neue Wege der Seelsorge: Mirka Raabe und Rosalia Rodrigues vor der Pfarrkirche St. Laurentius in Senden.
Beschreiten neue Wege der Seelsorge: Mirka Raabe und Rosalia Rodrigues vor der Pfarrkirche St. Laurentius in Senden. Foto: Pfarrgemeinde

Während der Zwangspause bei den gemeinsamen Gottesdiensten und in Zeiten von Kontaktsperren entwickelten sich in der Pfarrgemeinde St. Laurentius neue Wege des Austauschs und der Seelsorge. WN-Redakteur Dietrich Harhues sprach mit Pastoralreferentin Rosália Rodrigues und Pastoralassistentin Mirka Raabe , die die Facebook-Seite „Inspirationen in der Isolation“ für die Gemeindemitglieder in Senden und den Ortsteilen ins Leben gerufen haben.

Wie ist die Facebook-Seite angenommen worden und welche Wege des Austauschs gab es noch?

Raabe: In dieser virtuellen Kontaktaufnahme, zum Beispiel in der Facebook-Gruppe, nehme ich eine wohlwollende und wohltuende Stimmung wahr, soweit man das online wahrnehmen kann. Insgesamt ist die Facebook-Gruppe, glaube ich, sehr gut angenommen worden und hat vielen die Möglichkeit geboten, in Kontakt zu bleiben. Der virtuelle Austausch bietet auch eine große Chance, neue Kontakte zu knüpfen, die sonst vielleicht gar nicht entstehen würden. Es gibt natürlich neben Facebook auch viele andere Wege, die wir nutzen – chatten, zoomen, klassisch telefonieren, E-Mails . . . 

Rodrigues: Der Austausch verläuft hauptsächlich über den FB-Messenger, also über private Nachrichten und über WhatsApp. Zu meinem persönlichen Favoriten zählt zur Zeit der Videoanruf.

Verlief der Austausch interaktiv, also in beide Richtungen, oder dominierte das Anbieten von inspirierenden Inhalten durch die Profis des Seelsorgeteams?

Raabe: Eine Form der Interaktivität in der virtuellen Kommunikation ist für mich auch schon die Tatsache, dass die auf der Facebookseite geposteten Impulse, Bilder und Gedanken angeschaut, „geliked“ oder kommentiert werden. Denn auch so kann eine Art der Verbindung entstehen. Auch denke ich, dass wir alle in dieser Krise erstmal lernen müssen, was gut funktioniert und was wiederum nicht. So war und ist es auch mit der virtuellen Kommunikation. Mit Blick auf die Facebook-Gruppe überwiegen die Beiträge der Seelsorgerinnen und Seelsorger. Ich freue mich immer sehr, wenn Menschen aus der Gruppe selber etwas posten, was sie gerade bewegt. Das tut auch uns sehr gut. Neulich hat eine Teilnehmerin ein schönes Bild von ihren Pfingstrosen gepostet. Und ich dachte – die habe ich auch im Garten. Also bin ich nach draußen gegangen und habe unsere eigenen Pfingstrosen bewusst beobachtet. So habe ich mir auch einen Impuls für den Tag „geholt“.

Rodrigues: Großartig angenommen wurde die Kreidebilder-Aktion zu Ostern . Die Menschen wurden eingeladen, mit Kreide „Frohe Ostern“ vor ihren Haustüren und auf dem Gehweg zu malen. Es haben mich sehr viele bunte „Frohe Ostern“-Bilder erreicht. Auch haben wir vor mehr als 50 Tagen dazu aufgerufen, jeden Abend ein Hoffnungslicht um 19.30 Uhr zu entzünden. Viele Fotos dieser brennenden Kerzen werden täglich von Bettina Kasberg zu einer hoffnungsvollen Collage gestaltet.

Was waren bisher die thematischen Schwerpunkte des inhaltlichen Austausches?

Rodrigues: Einen wirklichen Schwerpunkt gibt es nicht. Die Themen reichen von der Vereinbarkeit von Familie und Homeoffice und Homeschooling bis hin zu „was tut mir gerade gut in dieser Zeit?“ Auch kreative Anregungen werden von uns oft mit den Mitgliedern geteilt.

Raabe: Es ging uns nicht darum, gezielt thematische „Schwerpunkte“ zu setzten, sondern darum, eine weitere Möglichkeit zu finden, mit möglichst vielen Menschen in Kontakt zu bleiben und erreichbar zu sein, wenn auch auf ungewohnte Weise. Das kann auch dadurch geschehen, dass regelmäßig ein aktuelles Bild, ein Gedanke, ein Video oder eine Frage gepostet wird. Und nicht zuletzt können wir durch die Facebook-Gruppe auch auf die Angebote der Pfarrei aufmerksam machen.

Gibt es Feedback dazu, wie sich die Facebook-Seite ausgewirkt und ob sie den Menschen während der Phase der Isolation geholfen hat?

Rodrigues: Die Daumenhochfunktion und zahlreiche Kommentare wie: Voll schön, gute Idee, Danke für diese Anregung... sind wohl der größte Indikator für die Annahme der Gruppe und der unterschiedlichen Beiträge. Über die Facebook-Gruppe haben wir auch viele neue „Freundschaftsanfragen“ erhalten. Ich sehe die Facebook-Gruppe als „Verkündigungsort“ als guten Weg. Einen Beitrag, den wir posten, lesen um die 70 Menschen.

Wie viele Facebook-Nutzer haben sich der Gruppe angeschlossen?

Rodrigues: In der Gruppe sind 87 Mitglieder. Wobei es sich um eine offene Gruppe handelt. Man kann die Beiträge auch lesen, ohne Mitglied zu sein. Das heißt, dass auch Nichtmitglieder sich Inspirationen aus der Gruppe einholen.

Welche Generationen sind vertreten?

Raabe: Es sind unterschiedlichste Altersgruppen vertreten. Von jugendlichen Messdienern bis zur Ü-70-jährigen KFD-Dame.

Hat die Corona-Krise ergeben, dass Bedarf für diese Art der virtuellen Seelsorge besteht und diese auch fortgeführt wird, wenn die Einschränkungen im Alltag verschwunden sind?

Rodrigues: Auf alle Fälle „ja“. Kirche soll nah bei den Menschen sein und die Menschen sind nun mal online in sozialen Netzwerken unterwegs, nicht nur in unseren Kirchen und Pfarrheimen, und nicht nur zu Coronazeiten.

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