28 Jahre Kulturarbeit: Günter Melchers tritt in den Ruhestand
Für Senden stets das Beste im Blick

Mittwoch, 20.05.2020, 13:48 Uhr
Zwei dicke Stapel mit Plakaten aus den vergangenen 28 Jahren hat Günter Melchers mit nach Hause genommen. Als „Pensionär“ hat er Zeit, diese Erinnerungen an eine Vielzahl von Kulturveranstaltungen zu durchforsten und zu archivieren.
Zwei dicke Stapel mit Plakaten aus den vergangenen 28 Jahren hat Günter Melchers mit nach Hause genommen. Als „Pensionär“ hat er Zeit, diese Erinnerungen an eine Vielzahl von Kulturveranstaltungen zu durchforsten und zu archivieren. Foto: Siegmar Syffus

Jetzt schließt sich der Kreis für den 64-Jährigen. Denn nachdem er soeben gemeinsam mit seinen Kollegen das Grobkonzept für die im November vorgesehene Wiedereröffnung der Steverhalle entwickelt hat, ist er in die Freistellungsphase seiner Altersteilzeit getreten. Mit einer Träne im Knopfloch, aber auch erleichtert, legt er die Verantwortung für das weite Aufgabenfeld, das Musik, Kabarett, Ausstellungen, Lesungen, Theater und Volksfeste aufspannen, in die Hände seines Nachfolgers Markus Kleymann , der im Rathaus gemeinsam mit Volker Sowade diesen Bereich beackert.

„Zwischen 40 und 50 Angebote hatten wir pro Jahr im Programm. Das sind über 1000 Veranstaltungen, an denen ich mitgearbeitet habe“, zieht Melchers die Bilanz eines emotional bewegenden Berufslebens zwischen Lust und Frust: „Ich erinnere mich gerne an ein Konzert des Petersburger Bolschoi-Orchesters gemeinsam mit dem Petersburger Mosaik, ganz zu Beginn meiner Arbeit – das war Gänsehaut pur. Die Künstler trafen aufgrund besonderer politischer Kontakte nach einer rund 40-stündigen Busfahrt und nur mit Hilfe einer Polizeieskorte erst kurz vor dem Auftritt an der Steverhalle ein und brachten trotzdem die Steverhalle zum Beben. Andererseits gab es Momente, zum Beispiel beim verregneten Lichterabend 2016, da musst du einfach nur funktionieren oder bei einer Kabarett-Veranstaltung, die absolut nicht den Geschmack des Publikums traf und viele die Halle schon zur Halbzeit verließen, da musst du die richtigen Worte finden. . .“

Schon vor 1992 organisierte Klaus Gilleßen – neben diversen anderen Kulturveranstaltungen – Klassik- und Jazz-Konzerte. Günter Melchers baute das Erbe seines Vorgängers aus, indem er die Reihe der Rathauskonzerte und „Jazz Live“ ins Leben rief. „Dazu habe ich mir Experten ins Boot geholt. Für die Klassikreihe waren das Professor Heino Schubert und Bärbel Stähler-Grunert. Beim Jazz konnte ich auf die fachliche Kompetenz von Michael Oberhaus und Herbert Frondziak zurückgreifen. Außerdem sind viele Kontakte nach den Konzerten bei einem Bierchen oder einem Glas Sekt mit den Künstlern zustande gekommen“, erinnert sich der scheidende Kulturamtsleiter.

Als Highlight galten die Oldie-Nights, die circa 15 Jahre hintereinander mit jeweils rund 2000 Besuchern ausverkauft waren, das Konzert mit Grobschnitt und viele Veranstaltungen wie Musicals, Irish-Folk- Aufführungen mit ehemaligen Stepp-Tanzweltmeistern, Travestie-Shows und viele Veranstaltungen in Zusammenarbeit mit großen Agenturen. Noch etwas war ihm wichtig: „Ich habe immer versucht, Kulturschaffende aus Senden einzubeziehen – sie haben in unserem Programm ihren Stellenwert wie zum Beispiel die KuKiS, die Kunstschule, der Musikverein und die Musikschule.“

Sein Bestreben sei es stets gewesen, künstlerische Qualität und die spezifischen Erwartungen des Publikums in Einklang zu bringen. Denn: „Künstler, die andernorts gefallen, kommen nicht unbedingt in Senden an. Da musste ich mich auf meine Erfahrungen und Einschätzung verlassen“, erklärt Melchers. Das gelte nicht nur für Jazz, Klassik, Folk und andere Musik, sondern auch für die Anfang 2000 ins Leben gerufene Kabarettreihe.

Aufbauend auf Altbewährtem hat Melchers viele neue Impulse gesetzt. So findet aufgrund seiner Initiative beispielsweise seit 2001 das Musikfestival „Street Live“ im jährlichen Wechsel mit dem Lichterabend statt. Beim Maifest-Motto „Senden tischt auf“ bauten einige Restaurants unter Federführung des Gastronomen Jürgen Weber 2004 erstmals ihre Gourmet-Küchen unter freiem Himmel auf und zelebrierten den Besuchern über viele Jahre frisch vor Ort zubereitet Gerichte in den mobilen Restaurants. Spargelschäl-Wettbewerbe und Kochduelle, moderiert durch Harry Wijnvoord ergänzten das Programm. „Diese Veranstaltung ist leider eingeschlafen, weil sich im Laufe der Jahre Aufwand und Ertrag für die Gastronomen nicht mehr rechnete“, bedauert Melchers, der in der Kulturarbeit auch „einen wichtigen Image-Faktor für die Gemeinde Senden“ sieht.

Die literarisch-musikalischen Abende mit Patrik Gremme und Bernd Vogt, der Poetry Slam und das Rudelsingen gehören seit einigen Jahren ebenfalls zum Sendener Kulturangebot.

Und was bleibt nach fast 28 Jahren erfolgreicher Kulturarbeit? „Ein glückliches Leben beruflich und privat“, antwortet Melchers und fügt hinzu: „Hieran haben sehr viele fleißige, stets engagierte Leute mitgewirkt; am allermeisten aber meine Frau, die mich in vielfältiger Weise unterstützt hat und ohne die ich meine berufliche Verwirklichung nicht hätte realisieren können. Danke auch allen Arbeitskolleginnen und -kollegen, ich hatte Glück mit ihnen.“

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