Bürgerinitiative Sicherheit vor Therapie
Schutz der Kinder muss verbessert werden

Senden/Amelsbüren -

Die Bürgerinitiative aus Nachbarn der Forensik pocht in einem offenen Brief an Bund und Länder auf verbesserten gesetzlichen Schutz für Kinder. Auch der Missbrauchsfall von Münster habe die Grenzen von Therapie aufgezeigt. Besonders Begegnungen mit unbegleiteten Patienten im Schulbus sollten vermieden werden.

Montag, 22.06.2020, 18:36 Uhr
Auf Transparenten fordert die Bürgerinitiative, dass Gesetze zum Schutz von Kindern geändert werden müssen.
Auf Transparenten fordert die Bürgerinitiative, dass Gesetze zum Schutz von Kindern geändert werden müssen. Foto: Bürgerinitiative

Der Kindesmissbrauchs-Fall von Münster ist widerlich – und für die „Bürgerinitiative Alexianer Forensik – Sicherheit vor Therapie“ ein weiterer Beleg dafür, dass der Schutz von Kindern verbessert werden muss. Die Forderung der BI, die sich mit einem offenen Brief an Politik und Justiz in Bund und Ländern gewandt hat, lautet: „Ändert die Gesetze und Vorschriften zugunsten der Prävention von (Folge-)Straftaten und Übergriffen auf Kinder und andere potenzielle Opfer“ und legt sie dann auch stringent aus.

Kinderpornografie und Kindesmissbrauch müssten als Verbrechen und nicht bloß als Vergehen betrachtet werden. „Es ist schlimm, dass die Gesetze bei Kinderpornografie bislang dahingehend unterscheiden. Wie schmerzlich muss das für die Opfer sein? Wir reden hier von zerstörten Existenzen Unschuldiger“, betont die Bürgerinitiative.

Begegnungen von Kindern und Forensik-Patienten im Schulbus verhindern

Der Vorstoß der Familien, die im Umfeld der Christophorus-Klinik für forensische Psychiatrie leben, hat einen konkreten Hintergrund: Seit vielen Jahren kämpfen sie in Münster und Senden dafür, dass Täter als Klinikpatienten nicht unbegleitet während ihrer Forensik-Freigänge im Linien-Schulbusverkehr mitfahren dürfen. „Bislang vergeblich“, wie die BI bedauert.

Die Ausgangsregelung, die von der ursprünglichen Übereinkunft beim Bau der Klinik abweicht, hat immer wieder zu Konflikten geführt. Ein Urteil des Oberlandesgerichtes Hamm sowie ein Erlass des Beauftragten für den Maßregelvollzug des Landes NRW aus 2018 führten dazu, dass aus therapeutischen Gründen unbegleitete Ausgänge möglich sind.

Sprecherin der Bürgerinitiative Forensik vor Therapie, Ulrike Schulze Tomberge aus der Venne.

Sprecherin der Bürgerinitiative Forensik vor Therapie, Ulrike Schulze Tomberge aus der Venne. Foto: WN

Die Angst der Eltern um ihre Kinder fahre seitdem mit, „wenn die Pennäler aus den Außenbereichen mit der Linie R 41 beziehungsweise 7 den Schulweg zusammen mit den zu therapierenden Delinquenten von und nach Münster antreten“, schildert die Bürgerinitiative. Ein großer Wunsch der Eltern ist, die Täter, die durch Gewalt gegen das Leben auffällig geworden sind, zu Schülerverkehrszeiten nur in Begleitung eines Pflegers oder Therapeuten im Bus mitfahren zu lassen. Während die Interessen der Eltern und Kinder negiert würden, „werden die Forensik-Patienten hervorragend durch ihre Anwälte, Klinikbetreiber, Therapeuten und kirchliche sowie staatliche Instanzen vertreten“. Was aus Sicht der Bürgerinitiative legitim sei, „die Rechte der Kinder und Anwohner sind es aber auch“.

Die Opfer leiden lebenslang.

Ulrike Schulze Tomberge, Sprecherin der Bürgerinitiative Sicherheit vor Therapie

Die Rückfallquote von Sexualstraftätern sei hoch, so die kritischen Forensik-Nachbarn. „Wenn bei der Therapie, wie im Falle des Täters von Münster, etwas schief geht, ist die Betroffenheit allseits groß. Verantwortung übernimmt aber niemand. Doch die Opfer leiden lebenslang“, unterstreichen Ulrike Schulze Tomberge, Sprecherin der Bürgerinitiative, und ihre Mitstreiter in dem Brief. Sie äußerte sich gegenüber den WN zuversichtlich, dass er zum Nachdenken seitens der verantwortlichen Politiker führe. Erstens Feedback auf das Schreiben der Bürgerinitiative sei schon vielversprechend, so die Bewohnerin der Venne.

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