Kirchhoff GmbH: Reinigungsspezialisten und Händler
„Plötzlich sind wir systemrelevant“

Bösensell -

Die Kirchhoff GmbH zog 2018 von Münster-Handorf nach Bösensell, wo sich ausreichend Fläche in einer Bestandsimmobilie fand. Der Verlagerung kannt der Geschäftsführer nur Gutes abgewinnen. Die Corona-Krise stellte sich trotzdem als echte Herausforderung dar.

Dienstag, 23.06.2020, 16:28 Uhr aktualisiert: 24.06.2020, 14:26 Uhr
Jan Kirchhoff, Geschäftsführer der Kirchhoff GmbH, zeigt eine Säule mit Desinfektionshalter und -spender im Foyer des Firmensitzes im Bösenseller Südfeld.
Jan Kirchhoff, Geschäftsführer der Kirchhoff GmbH, zeigt eine Säule mit Desinfektionshalter und -spender im Foyer des Firmensitzes im Bösenseller Südfeld. Foto: di

Die Corona-Pandemie ist noch nicht zu Ende, vielmehr entzünden sich gerade wieder die Glutnester der Seuche. Doch ihren wirtschaftlichen Schrecken hat sie für Jan Kirchhoff , Geschäftsführer der Kirchhoff GmbH, verloren. Das Virus löste auch bei ihm Sorgen um den Fortbestand seines Betriebs in Bösensell aus. Dann wandelte sich die Krise zur Chance.

Endlich hat unsere Branche den Stellenwert, den sie verdient.

Jan Kirchhoff, Kaufmann und Gebäudereiniger-Meister

Denn der Chef des Familienunternehmens und seine Belegschaft verharrten nicht in Schreckstarre und waren aufgrund der internen Strukturen gut vorbereitet. Den Ansturm auf Desinfektionslösung und Spender bekam Kirchhoff als Großhändler für Reinigung und Hygiene selbst zu spüren. Woraufhin er, aus seinem bestehenden Netzwerk, eine eigene Produktlinie auf den Markt brachte, die so reißenden Absatz fand, dass der Hersteller kaum nachkam. Auch Hardware in der Hygiene-Kette war heiß begehrt und im Handel ratzekahl ausverkauft. Kirchhoff entwickelte deshalb eine Desinfektionsmittelsäule, samt Spender (für unterschiedliche Flaschengrößen) und einem Aufsatz für Handlungsanweisungen an die Nutzer. Die Säule ging in Serie und entpuppte sich als Bestseller. Zu den Aufträgen, die den Betrieb im Südfeld wirtschaftlich über Wasser hielten, zählte, dass beispielsweise eine Ruhrgebietsstadt für sämtliche kommunalen Gebäude das Kirchhoff-Produkt orderte. Dem Geschäftsführer gelang es, Kurzarbeit für seine Belegschaft zu verhindern. Die Prozesse veränderten sich rasch und weitgehend reibungslos: „Durch einen frühen Pandemie-Plan waren wir gut vorbereitet.“ Home-Office, bisher nicht üblich, hielt Einzug, und die Tatsache, dass bestimmte Unternehmensbereiche ohnehin getrennt voneinander waren, erleichterte das Umsetzen eines Hygienekonzeptes.

Außengebäude der Kirchhoff GmbH im Bösenseller Südfeld.

Außengebäude der Kirchhoff GmbH im Bösenseller Südfeld. Foto: di

Umzug: Wandel zum Positiven

Im Jahr 2018 packte das Unternehmen die Kisten – und zog von Münster-Handorf nach Bösensell. Diesen Schritt hat Jan Kirchhoff nicht bereut. Im Gegenteil: „Es hat sich alles zum Positiven gewandelt“, lautet sein Resümee. Das eigene Firmendomizil wuchs sprunghaft an: auf einem 16 000 Quadratmeter großen Grundstück stehen 5000 Quadratmeter fürs Lager und 1500 für Verwaltung/Administration zur Verfügung (plus Ausbaureserve). Die Wahl fiel auf den Kreis Coesfeld, weil dort die Mehrzahl der Mitarbeiter wohnt, deren Zahl mit dem Umzug um fünf auf 30 Vollzeitkräfte anstieg (ohne die Sparte Gebäudereinigung). In Münster habe er jahrelang vergeblich nach einer geeigneten Fläche gesucht. Der Wirtschaftsförderung von Kreis und Gemeinde stellt Kirchhoff Top-Noten aus: „Eine SMS reicht und man kümmert sich.“ Kirchhoff lobt die direkte und zupackende Art und Gespräche auf Augenhöhe: „In Münster gibt es das nicht.“

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Hygiene gehört allerdings auch zu den Kernkompetenzen des Familienbetriebs, dessen Historie sich bis 1929 zurückverfolgen lässt. Das ist eine Wissenschaft für sich, weshalb auch in den vergangenen Jahren mehrere FH-Abschlussarbeiten in Partnerschaft mit dem Unternehmen entstanden sind. Denn: „Nachhaltigkeit wird immer wichtiger“, nennt Kirchhoff einen durchschlagenden Trend. Doch muss es auch sauber bis absolut keimfrei sein. Der Großhandelsbetrieb, der gleichzeitig als Meisterbetrieb für Reinigung und Bodensanierung eine Gebäudereinigung hat, bietet seinen Service vielen Branchen und Einrichtungen an: von der Kita bis zu Klinik und Küchen sowie vom Mode-Filialisten (teils bundesweit) bis hin zu Sporthallen und Bädern. In Corona-Zeiten wird das auch – „endlich“ – anerkannt. „Plötzlich sind wir systemrelevant“, nimmt Kirchhoff, dessen Wort in Krisenstäben Gewicht hat, zur Kenntnis. Er hofft, dass das gestiegene Ansehen anhält.

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