Joseph-Haydn-Gymnasium: Entlassfeier der Abiturientia
Durchgeboxt gegen jeden Gegner

Senden -

Mit einer gemeinsamen Feier unter freiem Himmel wurden die Abiturienten des Joseph-Haydn-Gymnasiums verabschiedet. Der „Corona-Jahrgang“ geht mit beachtlichen Leistungen in die JHG-Annalen ein. Der Notendurchschnitt liegt mit 2,32 auf dem Stand des Vorjahres. Neben einzelnen Traum-Resultaten fallen eine hohe Mädchen-Quote im Physik-LK und gute Ergebnisse der Quereinsteiger in die Oberstufe auf.

Donnerstag, 25.06.2020, 20:10 Uhr aktualisiert: 02.07.2020, 13:01 Uhr
Auf einer gemeinsamen Feier unter freiem Himmel wurden die Abiturzeugnisse übergeben.
Auf einer gemeinsamen Feier unter freiem Himmel wurden die Abiturzeugnisse übergeben. Foto: di

Die Jahrgangsstufe bewies sprachliche Kreativität und Weitsicht bei der Wahl ihres Mottos. Es lautete „Muhammad Abi – 12 Jahre durchgeboxt“. Als wie passend sich diese Devise entpuppte, offenbarte sich erst, als der Wettstreit mit Köpfchen statt Fäusten in die Endphase geriet. „Wir besiegten auch den großen, unerwarteten Gegner, Corona“, betonte Christoph Heineke als Vertreter der Abiturientia. Eine Tugend, die womöglich zum Triumph auch über die grassierende Seuche beitrug, nannte Lisa Marie Schneider, die ebenfalls als Vertreterin der Jahrgangsstufe sprach: „Im Gegensatz zu der Boxlegende haben wir als Team gekämpft.“

86 Sieger vernahmen am Donnerstag den erlösenden finalen Gongschlag. Mit 85 bestandenen Prüfungen (und demselben Notenschnitt von 2,32 wie im Vorjahr) und einem Fachabitur in den Leistungskursen Deutsch, Mathe Englisch, Geschichte, Sozialwissenschaften, Physik und Biologie stehen viele Türen zu neuen Herausforderungen „im Ring“ offen.

Wissen, Kompetenzen und Reife

Dass die Schülerinnen und Schüler dafür gewappnet sind, stellte Schulleiter Frank Wittig heraus: Die Absolventen brächten nicht nur Wissen und Kompetenzen, sondern auch Reife mit, die sie durch Unterricht und den gesamten Mikrokosmos JHG erlangt hätten. Das Corona-Abi bedeute kein Makel, sondern eine Auszeichnung: Dieser Jahrgang habe besonderes Durchhaltevermögen und Flexibilität bewiesen. Wittig bescheinigte der Abiturientia 2020 ohnehin hohe persönliche Eigenschaften: „Aufrichtigkeit, Mut und Engagement waren besonders ausgeprägt.“

Aufrichtigkeit, Mut und Engagement waren in diesem Jahrgang besonders ausgeprägt.

Schulleiter Frank Wittig

Damit dürften die Absolventen gut gerüstet sein für das Leben jenseits der Schule. Ein Leben, das nicht planbar sei, wie Bürgermeister Sebastian Täger hervorhob. Denn: „Seit März lief nichts mehr nach Plan“, so der Rathauschef, der im Namen der Gemeinde zur „ganz tollen Leistung“ der Abiturienten gratulierte. Sie mussten auf Mottowoche, Abigag und Abiball verzichten. Dies zeige, dass es nötig sei, sein Fortkommen zu planen, aber offen zu sein für überraschende Wendungen. „Die Abenteuer beginnen, wo die Pläne enden“, so Täger, der in sein Dankeschön an Lehrer und Eltern – wie alle Redner – auch die „guten Seelen“, Sekretariatsteam und Hausmeister einbezog. Für eine nachgeholte Abi-Party stellte der Bürgermeister die dann sanierte Steverhalle in Aussicht.

Bürgermeister bietet Party-Location an

Auf die Unterstützung, die möglich macht, was erst nicht möglich schien, wies auch Martin Heineke als Vorsitzender der Schulpflegschaft hin. Was er nicht zuletzt auf die gemeinsame Freiluft-Entlassfeier münzte, die zwischendurch kaum in erreichbarer Nähe zu sein schien. Heineke lobte, dass der Corona-Jahrgang die notwendige Selbstdisziplin beim Lernen aufgebracht habe. Der Boxer, der das Abi-Motto lieferte, könne tatsächlich als Vorbild gelten: Ein Kämpfer, der im Leben wie im Ring oft K.o. ging, aber immer wieder aufstand. Aufrappeln, wenn man in den Seilen hängt, Risikobereitschaft und Vorstellungskraft könnten die Sendener Abiturienten von dem Boxer lernen.

Die JHG-Entlassfeier fand mit der "Sommerbühne" der Gemeinde auf dem Hof der benachbarten Marienschule statt.

Die JHG-Entlassfeier fand mit der "Sommerbühne" der Gemeinde auf dem Hof der benachbarten Marienschule statt. Foto: di

Den Kampfeswillen, einem Eingriff ins öffentliche Leben und Grundrechte, wie es ihn bis dato nie gab, zu trotzen, stellte Stufenleiter André Guballa heraus. Trotz der Wucht von Corona seien die Schüler „nicht zu Boden gegangen“, so Guballa, der appellierte, bei künftigen Herausforderungen einen kühlen Kopf zu bewahren und locker zu bleiben.

Erfolgreiche Quereinsteiger

Hervorzuheben ist der Erfolg von insgesamt neun der Abiturienten, die nach Abschluss der Klasse 10 in die Oberstufe des JHG gewechselt sind. 2020 haben nun erstmalig ehemalige Schüler der Profilschule Ascheberg erfolgreich ihre Abiturprüfung abgelegt. Dabei stach besonders Finn Risthaus mit einem Abitur von 1,3 heraus. Fünf ehemalige Schüler der Geschwister-Scholl-Schule sind der Gemeinde Senden treu geblieben und haben ihr Abitur souverän bestanden. Julia Hemkendreis schloss ihre Abiturprüfung sogar mit 1,5 ab. Alle Zugänge waren durch ihre Schulen sehr gut auf die Anforderungen in der Oberstufe vorbereitet und haben ihre Abiturprüfung souverän bestanden. Das JHG, so seine Pressemitteilung, freut sich über die gute Zusammenarbeit mit der Realschule Senden und der Profilschule Ascheberg.

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Auffällig, so die Mitteilung der Schule, war in der Jahrgangsstufe der Anteil an Schülerinnen im Physik-LK: mit elf von 20 Lernenden bestand hier ein „Mädchenanteil“ von über 50 Prozent – und dies in einem Bereich, in dem Frauen landesweit unterrepräsentiert sind. Diese haben nicht zuletzt auch mit ihren Leistungen überzeugt und so haben Kaiken Günthner, Helena Knüpp, Ruth Nießing und Katrin Reher Preise der Deutschen Physikalischen Gesellschaft gewonnen. Ein MINT-EC-Zertifikat konnten Helena Knüpp, Louis Noah Mach, Katrin Reher, Lisa Marie Schnieder und Hanna Willkomm für sich gewinnen. Besonders erfreulich ist der herausstechenden Notendurchschnitt von 1,0 der schon zuvor genannten Schülerinnen Katrin Reher und Lisa Marie Schnieder. Zu den ebenfalls geehrten besten des Jahrgangs zählen überdies Hanna Plester-Buschschlüter, Ruth Nießing und Julia Wortmann (je 1,2).

Für die musikalische Untermalung sorgten Leo Kolke und Elena Wilhelm (beide am Klavier).

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