Kabarett-Trio „Storno“ über die Zwangspause und ihr Ende in Senden
„Endlich wieder tun, was wir lieben“

Senden -

Lockdown mit vier Monaten Zwangspause und viel Zeit zum Schreiben und Feilen am Programm: Für das Kabarett-Trio „Storno“ war es jetzt echt mal gut mit Entschleunigung. Die Gelegenheit, in Senden wieder eine Bühne zu erobern, kam da gerade recht.

Sonntag, 28.06.2020, 21:33 Uhr aktualisiert: 29.06.2020, 16:44 Uhr
Auftakt nach Maß: Am Freitagabend startete der Fünfer-Pack des Kabarett-Trios „Storno“ mit seiner „Corona Sonderinventur“ vor 200 Gästen auf dem Schulhof der Marienschule
Auftakt nach Maß: Am Freitagabend startete der Fünfer-Pack des Kabarett-Trios „Storno“ mit seiner „Corona Sonderinventur“ vor 200 Gästen auf dem Schulhof der Marienschule

Neue Situationen verlangen neuen Formate – für das Kabarett-Trio „Storno“ kein Problem. Harald Funke , Thomas Philipzen und Jochen Rüther stürmten mit Freude zu gleich fünf ausverkauften Auftritten auf die „Sommerbühne“ an der Marienschule, die ihnen das Sendener Kulturamt für jeweils 200 Zuschauer bereitet hat. Über das Lachen in tristen Zeiten und Frischluft-Theater sprach WN-Redakteur Dietrich Harhues mit Storno-Akteur und Mitgründer Jochen Rüther.

 

Kann man über Corona überhaupt lachen?

 

Rüther: Gewütet und geängstigt wird ja schon genug. Lachen hingegen befreit und ist gut für´s Immunsystem. Und wenn man Herrn Philipzen gesehen hat, nachdem er sich selbst die Haare geschnitten hat, oder Herrn Funke, wie er vorm Handy im Wohnzimmer Yoga gemacht hat, oder Herrn Rüther, nachdem ihm seine Frau ohne sein Wissen ein Lächeln auf die Maske gemalt hat, fühlt: Lachen ist manchmal alternativlos.

Mit welchem Gefühl erobern Sie jetzt erstmals wieder die Bühne?

Rüther: Dankbarkeit! Zuallererst für die pfiffige Idee, die ja aus Senden kam. Und Respekt für die Arbeit, die das vor Ort mit sich bringt, die Sicherheit für alle Menschen zu gewährleisten. Das bleibt immer noch das Wichtigste.

Eine Tour außerhalb des Münsterlandes fällt aus; passt Senden da als Ersatz prima in den Kram?

Rüther: Mehr als das. Wir konnten unseren Jahresrückblick in Senden wegen Umbauarbeiten der Halle nicht zeigen. Dass wir dafür jetzt ausgerechnet in Senden unsere Corona-Sonderinventur zeigen können, ist fast schon Fügung.

Haben weitere Projekte durch den Lockdown gelitten oder bescherte er eine geradezu kreative Entschleunigung?

Rüther: Wir konnten auch unsere Duo- und Soloprogramme nicht zeigen, hatten also seeeeehr viel Zeit zum Beispiel zum Schreiben. Nach fast vier Monaten war dann aber auch echt gut mit Entschleunigen und Zeit, das zu tun, was wir lieben.

Wie schätzt ihr die Lage der Kollegen Kulturschaffenden ein, ist die Landschaft nach Corona eine andere als vorher, was machen Künstler, die weniger gut im Geschäft sind als ein ausverkaufter Klassiker wie Storno?

Rüther: Der Einschlag war brutal, da alle Veranstaltungen unabhängig vom Vorverkauf schnell abgesagt wurden und das Ergebnis ist für alle: Seit Monaten null Einkommen. Vor allem die Kolleginnen, die erst im März ihre Premieren hatten und auch schon entsprechende Kosten, sind verzweifelt, wir denken auch an die vielen Techniker und Agenturmitarbeiter, die oft auf Kurzarbeit Null sind. Erfreulicherweise haben wir noch von niemandem erfahren, der seinen Beruf oder Berufung aufgeben will oder muss.

Das Publikum in Senden ist euch durch viele, immer wieder ausverkaufte Gastspiele bekannt, gibt es etwas, das typisch für die Zuschauer in der Stevergemeinde ist?

Rüther: Storno ist im Kern ein Münsterlandprojekt und Senden darin unverzichtbar. Wer immer noch das Klischee vom sturen und humorlosen Westfalen im Kopf hat, kann gerne mal nach Senden kommen und die Stimmung bei unseren Veranstaltungen erleben, und zack! Wieder ein Vorurteil storniert.

Mit Senden seid ihr also besonders verbunden . . .

 

Rüther: Pssst, wir haben jetzt aus geheimen Quellen erfahren: Senden ist eine Erfindung. Von Bill Gates. Bestandteil seines E-mail-Programms. Solange die Verbindung steht, werden wir alle nicht gelöscht.

Sind Open-Air-Auftritte eine neue Erfahrung, wenn ja, wie findet ihr sie?

Rüther: Im Coronasommer sind Frischluftauftritte das Mittel der Wahl, obwohl wir selber ziemlich unerfahren darin sind, da unser Jahresrückblick sonst im Winter läuft. Trotzdem imponiert uns, dass es in Senden sogar ein Hygienekonzept für die Verlegung in die Sporthalle bei Unwetter gibt.

Fazit der geballten Auftritte in Senden? Hat´s Spaß gemacht oder war die Taktung zu eng?

Rüther: Es war die reine Freude, den Fünf-Takter wieder anzuwerfen!

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