Kita-Leiterin Martina Menkhoff-Braun tritt in den Ruhestand
„Kinder sind ein wertvolles Gut“

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Fast 38 Jahre lang hat Martina Menkhoff-Braun die Kita St. Laurentius geleitet. Vor ihrem jetzt anstehenden Ruhestand beschreibt sie im WN-Interview, welchen Anforderungen sich die Tageseinrichtungen aktuell stellen müssen und welche Rahmenbedingungen zum Wohl der Kinder verändert werden müssten.

Freitag, 03.07.2020, 17:30 Uhr aktualisiert: 05.07.2020, 13:34 Uhr
Inmitten der Kinder fühlt sich Martina Menkhoff-Braun am wohlsten.
Inmitten der Kinder fühlt sich Martina Menkhoff-Braun am wohlsten. Foto: Siegmar Syffus

Der Countdown läuft: Nur noch zehn Arbeitstage sind es, bevor Martina Menkhoff-Braun am 17. Juli (Freitag) in den Ruhestand tritt. Fast 38 Jahre lang hat sie die katholische Kita St. Laurentius geleitet und in dieser Zeit rund 1000 Kinder beim Lernen und spielerischen Erleben begleitet. Im Interview mit WN-Redakteur Siegmar Syffus sprach die 63-Jährige über die pädagogischen Anforderungen an die Kita – damals und heute sowie über das besondere Profil der Einrichtung.

Wenn Sie zurückdenken: Wie war es damals, als sie die Leitung übernahmen?

Menkhoff-Braun: Es war anders: Viele Kinder besuchten nur ein oder zwei Jahre den Kindergarten – nur wenige waren drei Jahre hier. 25 Kinder spielten, malten, musizierten in einem Gruppenraum. Das Außengelände bestand aus zwei Sandkästen und zwei Spielgeräten. Die Kinder waren glücklich, entwickelten viele Spielideen und erlebten eine unbeschwerte Kindergartenzeit.

Mittlerweile hat sich das gesellschaftliche Umfeld gewandelt. Was hat sich für die Arbeit der Kita geändert?

Menkhoff-Braun: Der Bereich der frühkindlichen Erziehung, Bildung und Betreuung hat sich rasant verändert. Die gesetzlichen Rahmenbedingungen haben uns Erzieherinnen immer wieder vor neue Herausforderungen gestellt. Die Anforderungen, Belastungen steigen enorm: Konzeptionsentwicklung, Fortbildung, Digitalisierung, flexiblere Öffnungszeiten, alltagsintegrierte Sprachbildung, Entwicklungs- und Lernprozesse begleiten und dokumentieren, Elternberatung, individuelle und gezielte Förderung, Aufnahme von immer mehr U3-Kindern und fast 100 Prozent über Mittag zu betreuende Kinder. Die Bildungspolitik geht einen harten Weg. Manchmal glaube ich, wird viel zu wenig an die gedacht, die all das Schultern müssen.

Was müsste sich dem entsprechend ändern?

Menkhoff-Braun: Dem Fachkräftemangel muss mit Nachdruck begegnet werden. Von einer leistungsgerechten Bezahlung bis hin zu altersgerechten Arbeitsbedingungen gibt es noch viel zu tun. Meldungen in den Medien, wo es um dramatische Fälle von Kindesmissbrauch,- Vernachlässigung geht. Wir haben eine hohe Verantwortung für den Schutz der uns anvertrauten Kinder. Daher ist es unerlässlich zwei ausgebildete Kinderschutzfachkräfte, die sich regelmäßig weiterbilden, vorzuhalten. Damit die Einrichtung das bleibt, was wir in all den Jahren mit viel pädagogischen Fachwissen und Erfahrungen aufgebaut haben. Denn Kinder sind ein wertvolles Gut.

Trotzdem bereitet Ihnen der Beruf seit fast vier Jahrzehnten Freude. Was ist geblieben?

Menkhoff-Braun: Trotz aller Anforderungen steht für uns stets das Kind mit seiner Einzigartigkeit im Mittelpunkt. Es erfährt Wertschätzung und wird in seinen Stärken optimal gefördert. Dafür schaffen wir ein anregendes Lebensumfeld, das den Kindern vielfältige und ganzheitliche Erfahrungen ermöglicht.

Die Kita St. Laurentius ist in kirchlicher Trägerschaft. Was ist das Besondere?

Menkhoff-Braun: Das katholische Profil. Wir sind eine Einrichtung, in der Glaube erlebt wird. Dazu gehören christliche Grundwerte wie Toleranz, Konfliktfähigkeit, Umgang miteinander, Ehrlichkeit, Rücksichtnahme, Nächstenliebe, Hilfsbereitschaft. Anhand von biblischen Erzählfiguren erfahren die Kinder aus dem Leben Jesu. Wir gestalten Feste und Feiern im laufenden Kirchenjahr, feiern Wortgottesdienste. So bauen Kinder Vertrauen in Gott auf und erleben das Gefühl, Gott ist immer bei uns, er gibt uns Halt und Kraft. Dank einer aufgeschlossenen Kirchengemeinde wurde in all den Jahren viel bewegt, baulich erweitert, optisch ansprechend, funktionell und zeitgemäß aufgewertet.

Jetzt liegen nur noch zehn Arbeitstage vor Ihnen. Welche Gefühle bewegen Sie?

Menkhoff-Braun: Abschied nach so vielen Jahren tut weh. Doch jeder Abschied trägt auch wunderbare, neue Lebensmöglichkeiten in sich. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge werde ich nach über 37 Jahren die Kita St. Laurentius verlassen. Lächelnd, weil mein Mann, der mich in all den Jahren unterstützt und begleitet hat gemeinsam mit mir diesen neuen Lebensabschnitt erkunden wird, Zeit für Neues, Unbekanntes. Traurig, weil ich mich in all den Jahren mit der Kita verbunden gefühlt habe. Die Zusammenarbeit mit sehr vielen Familien, einem engagierten Team, einer aktiven Kirchengemeinde und vielen anderen die unser Tun auf vielfältige Weise mit unterstützt haben. Sie sind für mich ein kostbares Geschenk das mein Leben bunt und vielseitig mit gestaltet und mich mit vielen kostbaren Momenten bereichert hat. Dafür sage ich Danke.

Und was haben Sie jetzt für Ihren Ruhestand geplant?

Menkhoff-Braun: Ich war noch nie in Rente. Meine Gesundheit steht an erster Stelle. Jeden Tag ganz bewusst und in vollen Zügen genießen, meine Eltern begleiten, sportliche Aktivitäten, Salsa-Tanz vertiefen, Schnuppergolfen, lesen, Gärtnern in unserer Wohlfühloase und endlich einmal außerhalb der Ferienzeit verreisen.

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