Grüne protestieren gegen Wiesen-Rodung
„Vor vollendete Tatsachen gestellt worden“

Bösensell -

Die mit dem Ausbau des Bahnhofs Bösensell beauftragte Firma hat eine rund 600 Quadratmeter große Wiese komplett gerodet, um dort Baumaterial lagern zu können. Der Kahlschlag rief die Sendener Grünen auf den Plan.

Mittwoch, 22.07.2020, 17:10 Uhr aktualisiert: 24.07.2020, 14:50 Uhr
Die Wiese hinter der ehemaligen Gaststätte Farwick ist komplett abgetragen worden. Dort lagert in den nächsten Wochen Baumaterial für die Modernisierung des Bahnhofs Bösensell.
Die Wiese hinter der ehemaligen Gaststätte Farwick ist komplett abgetragen worden. Dort lagert in den nächsten Wochen Baumaterial für die Modernisierung des Bahnhofs Bösensell. Foto: Siegmar Syffus

Radlader und Bagger haben ganze Arbeit geleistet: Die bis vor wenigen Tagen üppig hinter der ehemaligen Gaststätte Farwick sprießende Wiese ist samt Heckenpflanzen komplett verschwunden. Dieser Kahlschlag veranlasste Rolf Wiederkehr , Vorsitzender des Umweltausschusses, und seine grüne Parteikollegin Sandra Maaß zu einem Ortstermin. Auf dem jetzt freien, rund 600 Quadratmeter großen Areal soll Baumaterial gelagert werden, das zum barrierefreien Umbau des Bahnhofs Bösensell ( WN berichteten) benötigt wird.

„Es ist richtig und wichtig, dass der Bahnhof umgebaut wird. Das steht außer Frage“, räumte Maaß klar und deutlich ein. „Doch es ist uns im Vorfeld versprochen worden, dass sensibel mit der Natur umgegangen wird und dass hier zuvor ein Ortstermin stattfindet. Denn der Artenschutz hat eine hohe Priorität in der Gemeinde. Jetzt sind wir vor vollendete Tatsachen gestellt worden“, ärgerte sich die Kommunalpolitikerin. Sie und Rolf Wiederkehr kritisierte diesbezüglich die Informationspolitik der Gemeindeverwaltung: Der Vorsitzende des Umweltausschusses sei nicht in Kenntnis gesetzt worden, dass die vereinbarte Minimierung des Rückschnitts nicht eingehalten werde.

Der Kritik trat Klaus Mende entgegen. Der Sachbereichsleiter der Sendener Bauverwaltung verwies darauf, dass es sich um eine Baumaßnahme der Deutsch Bahn handele. Die nahezu komplette Rodung sei nach Einschätzung der beauftragte Firma unbedingt erforderlich gewesen. „Das Unternehmen baut vom 1. bis zum 16. August 24 Stunden rund um die Uhr“, so Mende. Denn das betroffene Gleis könne nicht länger gesperrt bleiben. Vor diesem Sachzwang sei die Rodung – laut Aussage der Deutschen Bahn – das „notwendige Maß“. Ein vorheriger Ortstermin mit dem Vorsitzenden des Umweltausschusses hätte an dieser Tatsache nichts geändert, sagte der Sachgebietsleiter. Zudem sei das Areal Teil des Gewerbegebietes. Mende versprach, dass die Wiese „mit einem größeren Mehrwert für die Natur als bisher“ wieder hergerichtet werde.

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