Michael Sondermeyer über Zaubern in Corona-Zeit
„Zuschauer lernen reale Unterhaltung wieder schätzen“

Bösnesell/Ottmarsbocholt -

Der Zauberer Michael Sondermeyer gastiert am 2. August (Sonntag) sowohl in Ottmarsbocholt als auch in Bösensell. Im WN-Interview erzählt er wie sich Corona auf die „magische Branche“ ausgewirkt hat und wie er die Zukunftsperspektive einschätzt.

Mittwoch, 29.07.2020, 15:25 Uhr aktualisiert: 30.07.2020, 18:18 Uhr
Michael Sondermeyer möchte am kommenden Sonntag seine Zuschauer in Ottmarsbocholt und Bösensell verzaubern.
Michael Sondermeyer möchte am kommenden Sonntag seine Zuschauer in Ottmarsbocholt und Bösensell verzaubern. Foto: Sebastian Konopix

Michael Sondermeyer aus Coesfeld ist nicht nur einer von wenigen Profi-Zauberern in Deutschland, er leitet auch das „Zentrum für Zauberkunst“ in Appelhülsen, das ein Anziehungspunkt für viele Zauberer aus Deutschland und weit darüber hinaus ist. Am Sonntag (2. August) ist er mit zwei Familien-Zaubershows zu Gast in Bösensell (11 Uhr) und Ottmarsbocholt (15 Uhr) – jeweils unter freiem Himmel auf dem Sportgelände. Eintrittskarten zum Preis von vier Euro pro Person sind über die Internetseite der Gemeinde (www.senden-westfalen.de) erhältlich. In einem Interview vorab stand Michael Sondermeyer WN-Redakteur Dietrich Harhues Rede und Antwort.

Die Corona-Pandemie hat besonders der Kreativwirtschaft bislang schwer zu schaffen gemacht. Wie sieht es konkret bei den Zauberern aus?

Sondermeyer: Auch wir Zauberer sind natürlich davon nicht verschont geblieben. Ich kenne sogar einige Kollegen, die überlegen, in ihren alten Beruf zurückzugehen, weil nicht absehbar ist, wann sich die Lage wieder normalisiert.

Und wie hat es Sie persönlich „erwischt“?

Sondermeyer: Auch bei mir hat es natürlich Absagen gehagelt – bis Ende des Jahres wurden so gut wie alle fest gebuchten Auftritte storniert.

Gerade Zauberer leben von der Nähe des Publikums, vielfach werden Zuschauer sogar in die Tricks integriert. Wie kann das gehen in Zeiten, wo gerade Abstand vonnöten ist?

Sondermeyer: Es ist schon schwieriger, und Auftritte beispielsweise im Autokino sind auch keine Lösung; obwohl das einige Zauberkollegen schon versucht haben. Da sieht man sein Publikum noch nicht einmal und das Direkte geht völlig verloren.

Erlebt eigentlich das reale Zaubern in einer immer digitalisierten Welt – unabhängig von Corona – eine Renaissance als „sinnliches“ Erlebnis oder findet auch das magische Geschäft nur noch auf You Tube und Co. statt?

Sondermeyer: Die Zuschauer lernen reale Unterhaltung glaube ich wieder zu schätzen, weil ansonsten vieles nur noch auf dem Bildschirm stattfindet. Allerdings lernen die jungen Zauberer ihre Kunststücke oft von DVDs oder aus dem Internet, was meines Erachtens eine große Gefahr darstellt. Erstens weil man dazu neigt, das Gesehene und auch den Vorführenden zu imitieren und zweitens, weil man die wirklich guten Tricks fast ausschließlich in der Fachliteratur findet.

Und wie steht es mit dem Nachwuchs der Hobby- und Profimagier – wachsen genug Zauberlehrlinge nach?

Michael Sondermeyer: Wir können uns eigentlich nicht beklagen. Es gibt immer wieder Kinder und Jugendliche, die vom magischen Bazillus angesteckt werden. Wir haben in unserem „Zentrum für Zauberkunst“ in Appelhülsen auch eine – momentan natürlich ruhende – Jugendgruppe.

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