„Alarmstufe Rot“ in der Veranstaltungswirtschaft
„Wir werden im Stich gelassen“

Senden -

Thomas Flick hat vor 30 Jahren mit seinem Vater einen Messebaubetrieb aufgebaut. In der Corona-Krise fühlt er sich – wie andere Kleinunternehmer und Soloselbstständige der Veranstaltungsbranche – „von der Politik im Stich gelassen“. Er wünscht sich Deckung der laufenden Betriebskosten und einen Unternehmerlohn.

Donnerstag, 12.11.2020, 18:16 Uhr aktualisiert: 12.11.2020, 20:04 Uhr
Thomas Flick zeigt im Auftragskalender den Termin für die AAGtechnika – die einzige Messe, bei der sein Unternehmen Umsatz generieren konnte. Alle anderen Veranstaltungen im Kalender sind rotumrandet, weil sie ausgefallen sind oder verschoben wurden.
Thomas Flick zeigt im Auftragskalender den Termin für die AAGtechnika – die einzige Messe, bei der sein Unternehmen Umsatz generieren konnte. Alle anderen Veranstaltungen im Kalender sind rotumrandet, weil sie ausgefallen sind oder verschoben wurden. Foto: Siegmar Syffus

„Däumchen drehen“ heißt es schon seit acht Monaten für Thomas Flick und seine Mitarbeit. Denn seit Beginn der coronabedingten Einschränkungen läuft in dem Sendener Messebaubetrieb so gut wie gar nichts mehr. Ein Schicksal, das der Sendener Familienbetrieb mit der gesamten Veranstaltungsbranche teilt.

„Die AAGtechnika im Oktober war die einzige Messe, bei der wir seit 9. März vertreten waren. Ende Januar könnte vielleicht noch die ,boot‘ in Düsseldorf stattfinden. Bis dahin sind alle anderen Messen abgesagt oder verschoben“, skizziert Flick die Auftragsflaute im Messebau.

Seine vier festangestellten Mitarbeiter können die Krise dank des Kurzarbeitergeldes zwar einigermaßen überbrücken. „Ich selbst muss mich und den Betrieb aber komplett aus eigenen Mitteln über Wasser halten. Das geht nur, weil ich in den vergangenen Jahren Rücklagen gebildet habe, sonst wäre die Bude hier schon längst zu“, sagt der Unternehmer, der seinen Betrieb vor 30 Jahren gemeinsam mit seinem Vater aus eigener Kraft aufgebaut hat.

Weitaus schlechter als dem Sendener geht es vielen anderen mittelständischen Unternehmen der Veranstaltungswirtschaft und insbesondere den Zehntausenden Soloselbstständigen. Deshalb rührt Flick die Werbetrommel für die Öffentlichkeitskampagne „Alarmstufe Rot“ der Veranstaltungswirtschaft. „Die Lufthansa hustet einmal und bekommt Milliarden-Hilfen, doch viele kleine Selbstständige müssen sehen, wo sie bleiben“, kritisiert der Sendener Unternehmer die Bundespolitik. Das Rettungsprogramm der Regierung gleiche einem Eisberg, sagt er, gut sichtbare Bereiche wie Theater, Kinos und Gastronomie erhielten jetzt Gelder aus dem Novemberprogramm. Die riesige Zahl der nicht sichtbaren Zulieferer und Dienstleister in der Veranstaltungsbranche ertrinke währenddessen unter der Wasseroberfläche. „Für Unternehmer, die schon seit Jahrzehnten Steuern bezahlten gibt es keinen Ausgleich. Und wer keine Rücklagen hat, rutscht in die Grundsicherung“, bemängelt Flick, dass bis dato noch keine politische Entscheidung für einen Unternehmerlohn gefallen worden ist, der besonders gebeutelten Solo- und Kleinstbetrieben über die Corona-Krise hilft. „Wir werden von der Regierung im Stich gelassen und haben uns ja nicht eigenständig in diese Schwierigkeiten gebracht.“

Zur Deckung der laufenden Betriebskosten hat der Sendener in der ersten Corona-Phase von März bis einschließlich April zwar die Soforthilfe erhalten. In den folgenden drei Monaten musste sich Flick jedoch mit 1000 Euro Unterstützung begnügen. „Ich hätte dem Finanzamt im Vergleich zum Vorjahr einen Einbruch von 60 Prozent nachweisen müssen. Das ging nicht, weil im Juli und August keine Messen laufen und wir somit immer unsere Sommerpause in diesen Monaten machen“, führt der Unternehmer aus. Darum fordert er von der Politik, sie dürfe die Veranstaltungswirtschaft nicht pauschal betrachten, sondern müsse die Probleme differenziert betrachten, zum Beispiel, dass vor allem die Messebauer und Schausteller stark saisonabhängig arbeiten.

„Wir wollen hier in Senden auch in Zukunft weiter machen“, betont der Unternehmer. Dazu brauche es aber neben der Deckung der Fixkosten einer Unterstützung für den Unternehmer selbst, denn auch er müsse seinen Lebensunterhalt und seine Krankenversicherung bezahlen. „Um den Betrieb etwas zu entlasten, habe ich jetzt unsere beiden Lkw mit den Anhänger abgemeldet. Die stehen ja auf nicht absehbare Zeit eh nur hier rum“, sagt Flick.

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