Kunstwerke von Paul Mersmann restauriert
Andenken an Freigeist bewahrt

Senden -

Als Beitrag zum Denkmalschutz in Senden hat Gertrud Kleingräber zwei in ihrem Garten stehende Statuen des 1975 Paul Mersmann restaurieren lassen. Sie möchte damit das Andenken des seinerzeit renommierten, deutschlandweit bekannten Künstlers bewahren.

Mittwoch, 18.11.2020, 17:41 Uhr aktualisiert: 18.11.2020, 17:50 Uhr
Nach der originalgetreuen Wiederherstellung hat Restaurator Markus Rüße die Figuren mit einer transparenten Endlasur aus Silikonharz überzogen. Die Beschichtung soll die Kunstwerke für etwa zehn Jahre vor dem Eindringen von Wasser schützen.
Nach der originalgetreuen Wiederherstellung hat Restaurator Markus Rüße die Figuren mit einer transparenten Endlasur aus Silikonharz überzogen. Die Beschichtung soll die Kunstwerke für etwa zehn Jahre vor dem Eindringen von Wasser schützen.

„Fährmann“ und „Spiegelfrau“ strahlen dank gelungener Restaurierung endlich wieder in alter Frische. Darüber ist Gertrud Kleingräber froh und glücklich. Denn der Erhalt der von Paul Mersmann geschaffenen Kunstwerke ist ihr eine Herzensangelegenheit. „Das ist mein Beitrag zum Denkmalschutz in unserem Dorf“, sagte die Sendenerin, die den Löwenanteil der Restaurierungskosten aus eigenen Ersparnissen bezahlt. Den Rest erhält sie aus Mitteln des Denkmalschutzes.

Schmutz und Moos hatten sich auf den Figuren festgesetzt. Unter dieser Patina befanden sich Risse und lose Betonstücke.

Schmutz und Moos hatten sich auf den Figuren festgesetzt. Unter dieser Patina befanden sich Risse und lose Betonstücke. Foto: sff

Künftig möchte Gertrud Kleingräber am „ Tag des offenen Denkmals “ Kulturinteressierten Zugang zu den Kunstwerken gewähren. Doch vielleicht öffnet sie den des ehemaligen Mersmann-Hauses, in dem sie seit 1992 lebt auch schon früher. Sie könne sich vorstellen, sagt die Sendenerin, dass Besichtigungen als zusätzliche Station in die Nachtwächter-Führungen des Heimatvereins eingebunden werden.

Gertrud Kleingräber möchte das Vermächtnis des Künstlers wieder ins öffentliche Bewusstsein rücken. Nicht nur, weil er unter anderem die „Amazone“ an der Münsterstraße und sein eigenes Grabmal auf dem Laurentius-Friedhof in Senden hinterlassen hat. Paul Mersmann sei zu seiner Zeit ein Vordenker und Freigeist gewesen, hebt Gertrud Kleinwächter hervor.

Paul Mersmann war zu seiner Zeit ein deutschlandweit renommierte Künstler.

Paul Mersmann war zu seiner Zeit ein deutschlandweit renommierte Künstler. Foto: privat

Darauf lassen die Umstände seines Umzugs von Münster nach Senden im Jahr 1967 schließen: In einer Zeit, in der die alten Ackerbürgerhäuser im Ortskern neuer Bausubstanz weichen mussten, richtete sich der Künstler im ehemaligen, 1780 erbauten Rönnebrink-Haus ein. Quasi als Visitenkarte und als Statement stellte er das rund 900 Kilo schwere Standbild der Amazone vor die Tür des Fachwerkhauses. Hoch zu Ross sitzt dort seine Partnerin Charlotte Bartel, mit der er trotz des stark katholisch-konservativ geprägten Umfeldes in den 1960er Jahren nicht verheiratet war, mit der er einen Sohn hatte, der als Kleinkind verstarb.

Während Mersmann seiner Geliebten direkt an der Münsterstraße ein Denkmal setzte, verarbeitete er die Trauer über den Tod seines Sohnes in der lebensgroßen Figurengruppe „Der Fährmann“ im Garten des Hauses. „Es stellt dar, wie das Kind vom Fährmann zum anderen Ufer – ins Totenreich – gebracht wird, während die Frau am Rand das Wassers aus dem Quell des Lebens trinkt“, erklärt Gertrud Kleingräber. Die tiefere Bedeutung der „Spiegelfrau“ ist ihr nicht bekannt.

Restaurator Markus Rüße hat die beiden vom Zahn der Zeit stark angenagten Mersmann-Kunstwerke in den vergangenen Wochen mit akribischer Genauigkeit wieder in den originalgetreuen Zustand versetzt. „Der Künstler wollte seine Ideen möglichst schnell verwirklichen. Er hat nicht auf Nachhaltigkeit geachtet und nicht daran gedacht, wie lange es hält“, fasst Rüße seine Eindrücke zusammen. Als Kern der Figuren seien ganz verschiedene Materialien verwendet: ein Drahtgestell, Zement, Eisen und sogar Tücher. Nur die äußere Schicht wurde vom Künstler mit einer Art Beton fein ausgearbeitet. Lose Teile hat der Restaurator mit Epoxidharz fest verklebt. Teile, die fehlten, wurden mit Mörtel originalgetreu ergänzt. Als Orientierung dienten ihm alte Fotos der Kunstwerke.

Demnächst steht auch die Restaurierung der „Amazone“ an, die sich im Besitz der Gemeinde Senden befindet und mittlerweile gereinigt und eingehaust wurde (WN berichteten). Ebenso wie „Fährmann“ und „Spiegelfrau“ steht auch die „Amazone“ unter Denkmalschutz.

Näher Infos zu Paul Mersmann finden sich auf der Homepage des Heimatvereins Senden.

 

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