Pastoralreferent Martin Malaschinsky vor Diakon-Weihe
Fotograf folgt seiner tieferen Berufung

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Martin Malaschinsky, Pastoralreferent in der Pfarrgemeinde St. Laurentius, wird am Sonntag zum Diakon geweiht. Damit unterstreicht er eine berufliche Weichenstellung, die er schon vor längerer Zeit vorgenommen hat. Der gelernte Fotograf verließ die Welt der Werbung, um sich in den Dienst Jesu zu stellen. Die Institution Kirche sieht der Wahl-Sendener vor enorme Herausforderungen gestellt.

Donnerstag, 19.11.2020, 10:58 Uhr aktualisiert: 19.11.2020, 13:16 Uhr
Vom Werbefotograf zum Seelsorger: Pastoralreferent Martin Malaschinsky wird am 22. November zum Ständigen Diakon durch Bischof Dr. Felix Genn geweiht.
Vom Werbefotograf zum Seelsorger: Pastoralreferent Martin Malaschinsky wird am 22. November zum Ständigen Diakon durch Bischof Dr. Felix Genn geweiht. Foto: Michaela Kiepe/Bistum

Die katholische Kirche ist eine weltumspannende Institution. Der globale „Konzern“ wird spürbar durch seine lokalen Mitarbeiter. Zu ihnen gehört Martin Malaschinsky , der seit 2012 in der Pfarrgemeinde St. Laurentius als Pastoralreferent arbeitet. Am Sonntag (22. November) wird er im Dom zum Ständigen Diakon geweiht.

Der 58-Jährige bekräftigt damit eine berufliche Weichenstellung, die schon länger zurückliegt. Bevor er 2002, nach dem Theologiestudium seinen Dienst im Bistum Münster als Pastoralassistent begann, hatte der gebürtige Nordwalder eine Fotografenlehre absolviert und in der Werbebranche gearbeitet. Als Studiofotograf bekam er hauptsächlich Möbel und Interieurbedarf vor die Linse. Seiner Liebe zur Fotografie ist er treu geblieben, benutzt dafür überwiegend eine analoge Hasselblad.

Was vielleicht typisch ist für den 58-Jährigen. Denn diese Art, Motive auf einen Film zu bannen, verlangt, sich bewusst mit seiner Aufgabenstellung auseinanderzusetzen. Eine „entschleunigte Art der Fotografie“, so Malaschinsky. Der ergänzt: „Wir leben heute in einer ziemlich beschleunigten Zeit.“ Der schnelle Konsum, das Streben, Spaß zu haben, die Ablenkung und der reizüberflutende Kick – dies seien prägende Zeichen der Zeit. In der Corona-Krise werde diese Zerstreuung fast unmöglich gemacht und oftmals schmerzhaft vermisst. Zugleich stelle diese Pandemie-Phase auch eine Chance dar: „Sich wieder darauf zu besinnen, worauf es wirklich ankommt.“

Es ist eine ernste, wenn nicht sogar existenzielle Lage, in der wir uns als Kirche befinden.

Martin Malaschinsky

 Für Malaschinsky, dessen religiöse Bindung im Elternhaus begann, ist seit Langem klar, was für ihn zählt: Er will den dienenden Christus, der seinen Freunden die Füße wäscht, repräsentieren. Den Entschluss, diesen Ruf zum Beruf zu machen, haben auch Begegnungen mit Priestern und Ordensleuten gefördert. Aus seiner eigenen Glaubensbiografie ist Malaschinsky deshalb bewusst, wie wichtig Vorbilder sind. Aus der Vorbereitung auf die Erstkommunion weiß das Mitglied des Sendener Seelsorgeteams aber, dass die Kinder immer weniger Vorbilder erleben.

Authentisch bleiben, sich nicht verbiegen

Womöglich dient er selbst als solches, indem er darauf pocht, authentisch zu bleiben. „Ich kann mich nicht verbiegen“, sagt der Vater von vier Töchtern. „Ich bin überzeugt von der Botschaft des Evangeliums und will an der Seite Jesu durchs Leben gehen.“

Die Herausforderungen an die Kirche, weltweit wie vor Ort, steigen: „Es ist eine ernste, wenn nicht sogar existenzielle Lage, in der wir uns als Kirche befinden.“ Dazu, so Malaschinsky, tragen Faktoren der allgemeinen gesellschaftlichen Entwicklung bei. Aber es gebe auch „Entscheidungen der Kirche, die unverständlich sind und uns in Erklärungsnot bringen“, räumt der Wahl-Sendener ein, der seit 2012 in der St.-Laurentius-Pfarre mit ihren mehr als 11 000 Katholiken wirkt. Als verheirateter Mann ist er von der Pflicht zum Zölibat, die für Diakone ansonsten gilt, befreit.

Pfarrer Schneider: Weihe-Ämter auch für Frauen öffnen

Der leitende Pfarrer von St. Laurentius Senden, Klemens Schneider, freut sich, dass Martin Malaschinsky zum Ständigen Diakon geweiht wird. Und Schneider räumt im Gespräch mit der WN-Lokalredaktion zugleich offen ein, dass er sich den Kreis kirchlichen Amtsträger weiter gefasst vorstellen könnte. „Ich wünsche mir, dass auch Frauen und verheiratete Männer zur Diakon- und Priesterweihe zugelassen würden.“ Der Zölibat habe positive Aspekte, die nicht zu unterschätzen seien,sollte aber nicht verpflichtend sein. Mit Blick auf die vielen Frauen, die ihren Dienst tun, betonte Schneider: „Die Kirche vergibt sich einen großen Reichtum, indem sie die Ämter nicht für die Frauen öffnet.“Ein Festempfang für Malaschinsky, der sonst stattfinden würde, muss Corona-bedingt ausfallen. Als Diakon wird er am ersten Advent seinen Dienst in Senden und Bösensell tun, am zweiten Advent ist er in Ottmarsbocholt und Venne tätig.

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Das Aufgabenspektrum und die „Kompetenzen“ verändern sich durch die Weihe, die für Malaschinsky vor allem eine stärkere innere Bindung an Christus bedeutet: Als Ständiger Diakon kann er das Taufsakrament spenden, Trauungen vornehmen, wenn sie als Wortgottesdienst gefeierte werden, Begräbnisfeiern leiten, das Evangelium im Gottesdienst verkünden und predigen. Bisher begleitet er unter anderem die Arbeit der Gemeindecaritas, übernimmt den Begräbnisdienst: „Da komme ich in Kontakt mit Menschen in prekären Situationen, begleite und tröste Trauernde.“ Diese diakonischen Dienste – „eine der schönsten Aufgaben, weil sie an die Substanz“ geht – haben ihn endgültig motiviert, die Ausbildung zum Ständigen Diakon zu absolvieren. Er sei dankbar, dass auch die Familien bei den Kursen berücksichtigt wurden und dass ihn seine Frau bestärkt habe, diesen Weg zu gehen.

Bischof Dr. Felix Genn weiht am Sonntag (22. November) um 14.30 Uhr Martin Malaschinsky und seine sechs Kurskollegen zu Ständigen Diakonen. Wegen der Hygieneregeln sind im Dom nur wenige Mitfeiernde zugelassen. Das Bistum überträgt die feierliche Weihe im Internet unter: www.bistum-muenster.de

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