Landwirt sammelt positive Erfahrungen mit Einsaat von Begleitpflanzen
Experimentierfreude auf dem Acker wird belohnt

Ottmarsbocholt -

Der Einsatz von Dünger und Pflanzenschutzmitteln kann durch Beisaaten zurückgefahren werden. Die Wirkung dieser Form der Bewirtschaftung probiert ein Landwirt aus Ottmarsbocholt aus.

Freitag, 27.11.2020, 06:38 Uhr aktualisiert: 02.12.2020, 12:38 Uhr
Felix Wierling setzt Beisaaten ein und testet die Wirkung der Begleitpflanzen.
Felix Wierling setzt Beisaaten ein und testet die Wirkung der Begleitpflanzen. Foto: wlv

Auf dem Betrieb von Felix Wierling steht der Winterraps in diesem Jahr nicht alleine auf dem Feld und das nicht, weil er den Termin für die Pflanzenschutzmaßnahme verschlafen hat, sondern ganz bewusst. Der Junglandwirt setzt in diesem Jahr erstmalig Begleitpflanzen auf seinem Feld ein: „Zusammen mit der Hauptfrucht Raps haben wir in diesem Herbst auch weitere, sogenannte Beisaaten, eingesät. Ursprünglich stammt die Idee aus Frankreich und hatte anfangs vorwiegend den Ansatz, den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zu reduzieren, dabei kann das Verfahren im Grunde viel mehr.“

Inzwischen, so die Pressemitteilung des WLV, wird das Anbausystem in vielen europäischen Ländern von Landwirten erprobt und zielt sowohl auf eine Reduzierung des Düngebedarfs ab als auch auf eine Abwehr von Schadinsekten. „Eine vielfältige Pflanzengesellschaft wirkt sich auf unterschiedliche Weisen positiv aus, da jede Pflanze andere Aufgaben erfüllt“, erklärt Felix Wierling das System dahinter. Da ist es unumgänglich, dass der Landwirt die Eigenschaften jeder einzelnen Pflanze genau kennen muss, um einschätzen zu können, welche Kulturen am besten miteinander harmonieren.

Eine vielfältige Pflanzengesellschaft wirkt sich auf unterschiedliche Weisen positiv aus.

Felix Wierling

Um die Effekte seiner Begleitpflanzen zu testen, hat Felix Wierling unterschiedliche Parzellen angelegt. So wachsen auf seinen Flächen neben dem Winterraps nun auch Ackerbohnen, Alexandriner Klee, Saatwicken, Ramtillkraut, Seradella, Buchweizen und Weißklee. Letzterer soll das Feld auch über den Winter und die Ernte hinaus begrünen, wohingegen alle anderen Pflanzen bei Frost absterben.

Viele gute Gründe für den Praxistest

Durch die sich dabei entwickelnde Mulchschicht, soll zum einen der Boden geschützt, und zum anderen die dort lebenden Organismen mit Nahrung versorgt werden. Darüber hinaus haben diese frostempfindlichen Pflanzen aber noch weitere Vorteile: „Leguminosen, wie Ackerbohnen oder Wicken, sind zum Beispiel in der Lage Stickstoff aus der Luft zu binden, der dann im Frühjahr dem Raps als Nährstoff zur Verfügung steht. So kann nicht nur Dünger eingespart werden, sondern durch die bessere Vitalität wiederum die Intensität beim Pflanzenschutz reduziert werden. Nicht zuletzt trägt der Anbau von Begleitpflanzen, neben dem Zwischenfruchtanbau und Agrarumweltmaßnahmen, auch zur Steigerung der Biodiversität bei. Viele gute Gründe also, dies in der Praxis auszuprobieren.

„Mit dem Anbau von Begleitpflanzen bin ich bisher sehr zufrieden“, so sein Fazit und er ergänzt: „Im kommenden Jahr wird weiterprobiert – auch in anderen Kulturen.“

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