Zwischenbilanz Schloss Senden
„In zwei bis drei Jahren kommen die ersten Nutzungen“

Senden -

Ende 2015 hat sich der gemeinnützige Trägerverein Schloss Senden e.V. gegründet, um Schloss Senden sowie den umliegenden Park denkmalgerecht zu erhalten. Ein weiteres Ziel ist es, das Gebäude für kulturelle Veranstaltungen öffentlich nutzbar zu machen. Im Interview mit WN-Redakteur Siegmar Syffus zieht Dr. Franz Waldmann, Vorstandsvorsitzender des Schlossvereins, eine Zwischenbilanz und wagt einen Blick in die Zukunft.

Freitag, 01.01.2021, 17:30 Uhr aktualisiert: 01.01.2021, 20:49 Uhr
Im Vergleich zum ehemals verputzen Zustand des Giebels gibt die Musterachse einen Ausblick darauf, welche Gestalt Schloss Senden in einigen Jahren und nach Abschluss der Restaurierung annehmen könnte.
Im Vergleich zum ehemals verputzen Zustand des Giebels gibt die Musterachse einen Ausblick darauf, welche Gestalt Schloss Senden in einigen Jahren und nach Abschluss der Restaurierung annehmen könnte. Foto: Siegmar Syffus

Ende 2015 hat sich der gemeinnützige Trägerverein Schloss Senden e.V. gegründet, um Schloss Senden sowie den umliegenden Park denkmalgerecht zu erhalten. Ein weiteres Ziel ist es, das Gebäude für kulturelle Veranstaltungen öffentlich nutzbar zu machen. Im Interview mit WN-Redakteur Siegmar Syffus zieht Dr.  Franz Waldmann , Vorstandsvorsitzender des Schlossvereins, eine Zwischenbilanz und wagt einen Blick in die Zukunft.

Der Verein hat vor fünf Jahren seine Arbeit für Schloss Senden aufgenommen. Wie zufrieden sind Sie mit den seither gemachten Fortschritten?

Dr. Franz Waldmann, Vorsitzender des Vereins Schloss Senden, am 7. Oktober 2020 in einemi der zu sanierenden Fenstern des Romberg-Traktes.

Dr. Franz Waldmann, Vorsitzender des Vereins Schloss Senden, am 7. Oktober 2020 in einemi der zu sanierenden Fenstern des Romberg-Traktes. Foto: Christian Besse

Waldmann: Mit der Gründung des Vereins Schloss Senden e.V. vor fünf Jahren und dem Übergang des Denkmals in die Gemeinnützigkeit machte der Verein – für viele überraschend – den wichtigsten Schritt für eine gute Zukunft dieses für unsere Region bedeutenden Baudenkmals. Auch die direkte erste Sicherung hat der Verein sofort und mutig mit eigenen Mitteln und mit ehrenamtlichen Helfern auf den Weg gebracht. Aus damaliger und auch aus heutiger Sicht haben wir das Richtige getan. Insgesamt können alle sehr zufrieden sein. In den Bauphasen seit 2017 wurden vor allem der Südturm und der Balkon, das große Dach, die Fassade und die Sandsteingewände des Rombergtraktes denkmalgerecht restauriert. Das ist für diese kurze Zeit ein gewaltiges Programm. Ein finanzieller Einsatz von bisher zwei Millionen Euro bedeutet nämlich auch einen hohen personellen und verwaltungstechnischen Aufwand. Dazu hat das kleine Schloss-Team von drei Personen in jüngster Zeit das Fundament des Mannenhauses gesichert und so die Voraussetzung geschaffen, um dieses Barockgebäude wieder instand zu setzen und anschließend für die Besucher zu öffnen. Daran hat vor fünf Jahren kaum jemand geglaubt. Mit der im Frühjahr fertig restaurierten Musterachse des Herrenhauses hat das Schloss schon jetzt etwas von seiner früheren Strahlkraft wiedergewonnen.

Wenn Sie zurückdenken: Was waren die größten Hürden auf dem von Ihnen beschriebenen Weg?

Waldmann: Drei Dinge haben wir am Schloss gelernt, nämlich geduldig, flexibel und bereit zu sein zur Improvisation. Der denkmalgeschützte Baukörper mit 500 Jahren Geschichte und 4000 Quadratmetern Grundfläche – das entspricht 20 bis 30 Einfamilienhäusern – ist eine echte Herausforderung. Trotzdem packt unser kleines Team natürlich ab und zu die Ungeduld und wir möchten, dass es schneller geht. Inzwischen kennen wir die Abläufe in der Wiederherstellung und wissen, dass manches seine Zeit braucht und gehen gelassener damit um. Zusammen mit den Architekten überlegen wir jeweils, was sinnvollerweise die nächsten Schritte sein können. Hierbei ist dauerndes Nach- und Umdenken gefragt, um die zur Verfügung stehenden Mittel sparsam und sorgfältig einzusetzen. Eine echte Hürde war, dass wir anfangs von zu Hause aus arbeiten mussten. Fehlender Strom, Wasser, Büro und Telefon verhinderten zunächst eine Arbeit vor Ort. Inzwischen haben wir ein gut arbeitendes Büro, doch wird bis heute im Winter bei oft 10 Grad Raumtemperatur die Arbeit erschwert.

Als die Restaurierung begann, gab es etliche Skeptiker und Kritiker. Wie empfinden Sie heute das Meinungsbild in der Bevölkerung?

Waldmann: Für mich waren die Zweifel vieler Sendener angesichts der Größe und des Gebäudezustands nachvollziehbar und verständlich. Um diesen Zweifeln zu begegnen und einen Neuanfang zu machen, haben wir uns von Anfang an für eine klare und offene Informationsarbeit eingesetzt. Viele werden sich noch an das ,Schlosserwachen‘ erinnern, als wir weit über 2000 Besuchern die Räume öffnen und zeigen konnten. Man muss das Gebäude genau kennenlernen, den Denkmalwert einschätzen und kann sich dann leicht die faszinierenden Nutzungsmöglichkeiten kreativ vorstellen. Genau das machen wir. In den nächsten zwei bis drei Jahren kommen die ersten Nutzungen, die das Leben vieler Menschen bereichern werden. Das Schloss Senden hat dazu gute Voraussetzungen, zum Beispiel die sehr günstige Anbindung an die Stadt Münster. Wir sind das einzige Schloss im ganzen Münsterland, das per Schiff erreichbar ist. In Verbindung mit der schönen Kanalpromenade sind ganz neue, sehr attraktive touristische Möglichkeiten denkbar. Unser Park wird auch im Winter gerne als Ort der Erholung aufgesucht und die Besucher können den Baufortschritt Woche für Woche hautnah miterleben.

Aus Ihrer Sicht ist die Wertschätzung also gestiegen. Woran machen Sie das fest?

Waldmann: Die heutige Wertschätzung von Schloss Senden lässt sich ganz einfach an zwei Dingen ablesen: 1.Wir haben inzwischen neben unserer hauptamtlich arbeitenden Geschäftsführerin Dr. Martina Fleßner und unserem wissenschaftlichen Volontär Dr. Lennart Pieper einen festen Stab von treuen, versierten und kontinuierlich arbeitenden Ehrenamtlern, die zum Beispiel den Park auf ein hohes Pflegeniveau gebracht haben. Der Wandel des Schlosshofes gibt ein beredtes Bild vom besonderen Wert dieser ehrenamtlichen Arbeit. Unter Berücksichtigung der Jugendbauhütte Westfalen kommen wir jährlich auf mehrere tausend Ehrenamtsstunden. 2. Die steigende Bereitschaft neuer und bewährter Spender aus Senden, aus der näheren Umgebung und auch von auswärtigen Besuchern ermutigt uns, den bisherigen Weg weiter zu gehen. So konnten durch die noch laufende Aktion ,Bringen Sie Licht ins Mannenhaus‘ zusammen mit der letztjährigen Aktion bis jetzt schon fast 50 000 der benötigten 80 000 Euro Eigenmittel eingeworben werden.

Wenn Sie einen Blick in die Zukunft werfen: Wie weit möchten Sie in weiteren fünf Jahren mit der Restaurierung und der Nutzung des Schlosses sein?

Waldmann: Im Rahmen der Neuqualifizierung der 100-Schlösser-Route wünsche ich mir, die Aufenthaltsqualität am Schloss für alle deutlich zu steigern. Das betrifft den Park und die Gebäude. Als erstes streben wir ein Projektcafé im Mannenhaus an. Schloss Senden soll Bildungs- und Lernort, Kultur-, Arbeits- und Erholungsort werden. Ehrenamtliche, zum Beispiel aus dem Freundeskreis bauen diesen einzigartigen Platz im Münsterland gemeinsam mit uns auf. Darüber bin ich sehr glücklich. Und ich wünsche mir, dass die ehrenamtlichen Mitarbeiter weiter so treu, beherzt, freudig und dauerhaft am Schloss wirken. Weiter wünsche ich mir natürlich sehr, dass die vielen Spender an unserer Seite bleiben und in ihrer Großzügigkeit nicht nachlassen.

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