Wirtinnen halten „Journal“ mit Nebenjobs über Wasser
„Wir kämpfen weiter“

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Zehn Jahre lang haben Heike und Sandra Blömer mit viel Herzblut die Gaststätte „Journal“ aufgebaut. Die finanziellen Einbußen durch den zweiten Lockdown sind für die Gastronominnen zwar kaum mehr zu verkraften. Trotzdem lassen sich die Schwestern nicht entmutigen und kämpfen weiter.

Mittwoch, 10.02.2021, 17:45 Uhr aktualisiert: 10.02.2021, 17:50 Uhr
Stammgäste haben Heike und Sandra Blömer (v.l.) zum zehnten Geburtstag des „Journals“ neben Spenden auch eine liebevoll gestaltete Foto-Kollage überreicht, mit dem Mutmach-Spruch: „Anerkennung und Gratulation für die gesamte Crew mit Heike & Sandra an der Spitze. Wir fühlen uns wohl bei Euch!“.
Stammgäste haben Heike und Sandra Blömer (v.l.) zum zehnten Geburtstag des „Journals“ neben Spenden auch eine liebevoll gestaltete Foto-Kollage überreicht, mit dem Mutmach-Spruch: „Anerkennung und Gratulation für die gesamte Crew mit Heike & Sandra an der Spitze. Wir fühlen uns wohl bei Euch!“. Foto: Siegmar Syffus

Eigentlich hätten Sandra und Heike Blömer reichlich Grund, die Köpfe hängen zu lassen und den „Laden“ dicht zu machen. Denn nachdem sie zehn Jahre lang die Gaststätte „Journal“ mit viel Arbeit und Herzblut aufgebaut hatten, gerade erst aus den Schulden heraus waren, versetzte ihnen im März 2020 der erste Corona-Lockdown einen heftigen Schlag ins Kontor. Und nun sitzen die Gastronominnen zum zweiten Mal auf dem Trockenen: Seit dem November-Lockdown fließt kein einziges Bier mehr aus dem Hahn. Gleichwohl laufen die vierstelligen Fixkosten für Pacht, Versicherungen und Gebühren immer weiter. Den Mut haben Heike und Sandra Blömer sich trotzdem nicht nehmen lassen. Zuversichtlich und entschlossen blicken sie nach vorne.

„Wir kämpfen weiter und halten uns mit Nebenjobs über Wasser. Die Novemberhilfe ist zwar da, aber die Dezemberhilfe steht noch aus. Jetzt hoffen wir, dass wir im April/Mai wieder öffnen dürfen, sonst wird es ganz eng für uns“, umreißt Sandra Blömer die wirtschaftliche Situation. Sie selbst arbeitet schon seit September bei einem Getränkelieferanten. Ihre Schwester hilft derweil auf einem Gestüt aus.

Im ersten Lockdown hatten Stammgäste den Wirtinnen sowohl moralisch als auch handfest den Rücken gestärkt. Zum „Zehnjährigen“ überreichten sie neben einer liebevoll gestaltete Foto-Kollage einen gesammelten Spendenbetrag. „Dafür sind wir sehr dankbar. Es hat uns gut geholfen und motiviert weiter zu machen. Auch beim zweiten Lockdown hat man uns Unterstützung angeboten, aber das konnten wir nicht annehmen“, sagt Heike Blömer. Sie und ihre Schwester wollten die Hilfsbereitschaft nicht über Gebühr belasten.

Denn im Lauf der Jahre ist im „Journal“ eine ganz besondere Kneipenkultur entstanden. Vor allem für Alleinstehende habe sich die Gaststätte zu einem wichtigen Treffpunkt entwickelt, einem Ort, an dem man sich mit anderen austauschen und gemeinsam schöne Stunden verbringen kann, berichtet Sandra Blömer: „Wenn ein Stammgast, einige Tage nicht da war, hat er von uns auch schon mal einen Anruf bekommen, weil wir uns Sorgen gemacht haben, ob etwas nicht stimmt.“

Das Bewusstsein, dass das „Journal“ nicht nur für sie, sondern auch für viele Gäste ein zweites Zuhause ist, gibt den Wirtinnen Kraft, die finanzielle Durststrecke noch eine gewisse Zeit zu überstehen. „Wir wissen, dass die Leute zurückkommen, wenn es nach dem Lockdown weitergeht. Und wir wissen, dass auch unser Team hinter uns steht“, gibt sich Heike Blömer optimistisch. Und noch etwas macht den Wirtinnen beim Blick nach vorne Mut: „Durch die neue Gestaltung ist die Münsterstraße total aufgewertet worden. Das gibt unserer Außengastronomie einen guten Schub“, freut sich Sandra Blömer jetzt schon auf das Frühjahr und den Sommer.

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