„Bürgermelder“: Täglich mehrfache Hinweise an die Verwaltung
Digitaler „Draht“ ins Rathaus

Senden -

Es ist ein Baustein der Digitalisierung des Sendener Rathauses: Der Bürgermelder beschert einen direkten Draht ins Rathaus – Feedback und Bearbeitungsstatus inklusive.

Sonntag, 14.02.2021, 18:30 Uhr
Nicht nur in Zeiten von Schnee und Corona schafft der Bürgermelder eine schnelle und interaktive Verbindung ins Rathaus.
Nicht nur in Zeiten von Schnee und Corona schafft der Bürgermelder eine schnelle und interaktive Verbindung ins Rathaus. Foto: di

Das Smartphone hat so ziemlich jeder so ziemlich immer dabei. Umso smarter ist es da, dass mit dem mobilen Minicomputer eine kommunikative Brücke ins Rathaus geschlagen werden kann. Schnell, direkt und präzise. Der „Bürgermelder“ macht´s möglich. Sein Name sagt schon alles: Hinweise der Bevölkerung an die Verwaltung sind dort ausdrücklich erwünscht. Ein Tool, das rege genutzt wird – nicht nur in der Corona-Pandemie. Doch in Virus- oder Schneemassen-Zeiten passt das Werkzeug ganz besonders. Denn während der „normale“ Kontakt mit dem Bürger minimiert werden soll, bietet der Melder maximalen Austausch ohne Begegnungen.

Einführung mit der neuen Senden App

Mit dem Start der Senden-App im Frühjahr 2018 wurde der Bürgermelder eingeführt. Vor genau einem Jahr, im Februar 2020, gesellte sich die Webversion hinzu, die über die Homepage aufgerufen werden kann. Grund waren die Hinweise zum Eichenprozessionsspinner.

Eher ausgelegt ist die Anwendung aber für die Smartphone-Nutzung. Denn dort können „anstößige“ Beobachtungen wie wilde Müllkippen mitten in der Natur oder der Nagel, der auf einem Spielplatz aus einem Spielgerät ragt, gleich fotografiert und die Bilddatei samt Geodaten übertragen werden. Wer seinen eigenen Standort beim Handy nicht freigegeben hat oder seine mobilen Daten schonen möchte, kann Bilder auch im heimischen WLAN laden und mit einer Adresse oder Beschreibung versehen.

Senden als Vorreiter

Der Bürgermelder/Mängelmelder auf App und Homepage ist ein Tool, das bisher wenige Gemeinden anbieten. Zumindest im Umland sei Senden damit ein Vorreiter, hieß es auf WN-Anfrage in der Verwaltung. Im Zuge des Relaunches der Gemeinde-Homepage ist der Melder mit eingeführt worden, weil dieser für den Provider der neuen Homepage zum Standardrepertoire gehört. Das IT-Unternehmen sitzt in Baden-Württemberg, wo Bürgermelder schon weiter verbreitet sein sollen. Die Senden App hat inzwischen 1550 Nutzer.(-di-)

...

Wer den Bürgermelder nutzen möchte, muss sich lediglich mit einer gültigen E-Mail-Adresse registrieren. Obwohl die Anregungen und Bemerkungen an die Verwaltung online öffentlich zu lesen sind, erscheint kein Name des Hinweisgebers. Doch er bleibt im Austausch mit der Verwaltung, die Feedback gibt, was nach seinem Impuls an die Kommune geschieht. Die Reaktionen sind in der App und auf der Homepage auch öffentlich sichtbar. Über die Standardantwort „Vielen Dank für die Meldung, die wir gerne weitergeben“ hinaus, finden sich dann auch schon inhaltliche Erläuterungen. Das „dicke Kabel“, das aus einem Verteilerkasten an einem Spielplatz in Bösensell herausragte, rief beispielsweise sofort die Kommunalbeschäftigten auf den Plan. Was sie feststellten – dass es sich nicht um ein Kabel, sondern ein Stück der Türdichtung gehandelt hat – wurde auf App und Website hinterlegt.

Lösungen nicht immer schnell möglich

 Doch nicht immer sind Lösungen schnell und einfach herbeizuführen. So etwa wenn das geschilderte Problem gar nicht in der Einflusssphäre der Gemeinde liegt. Wie beispielsweise der Appell, die Ampelschaltung am Park-and-Ride-Parkplatz an der A 43 zu überprüfen. Wenn andere Behörden ins Spiel kommen, kann es sein, dass das Beheben eines Problems dauert oder triftige Gründe dafür sprechen, dass gar keine Abhilfe möglich ist, erläutert Katrin Fröhlich, die gemeinsam mit Niklas Esser das Team der Pressestelle der Gemeinde Senden bildet, das sich auch um die Pflege des Bürgermelders kümmert. Während einige Eingaben vor allem über die Beschäftigten des Bauhofs und des Ordnungsamts schnell geregelt werden können, bleiben andere Hinweise länger stehen. „Nicht alle Vorschläge sind mit Blick auf die Gesamtsituation sinnvoll oder realisierbar. Und nicht alles kann ohne politische Beratung, ohne eine interne Zeit- und Ressourcenplanung umgesetzt werden“, gibt Fröhlich zu bedenken, dass an einem kleinen Problem oftmals „ein ganzer Rattenschwanz hängt“. Dann erhalten die Hinweisgeber zumindest eine Information oder einen Ansprechpartner.

 Zwei bis drei „Bürgermeldungen“ gehen täglich ein, lautet die Bilanz. Wie weit die Verwaltung mit ihrem Abarbeiten ist, können nicht nur die Hinweisgeber, sondern alle im Netz schnell erkennen. Dabei werden „noch nicht bearbeitet“, „in Bearbeitung“ und „bearbeitet“ als Status unterschieden und mit einem farbigen Ampelsystem optisch flankiert. Diese Offenheit war nicht unumstritten in der Verwaltung. Esser, zugleich Wirtschaftsförderer und „Digitalisierungsbeauftragter“, und Fröhlich, betonen aber die Vorzüge des Tools: „Es schafft kurze Wege und Transparenz.“ Zugleich erfährt das Rathaus, wo neuralgische Zonen oder Themen lauern, wenn sich Hinweise häufen.

Die Bürgerinnen und Bürger honorieren, dass neben Telefon und E-Mail eine niedrigschwellige Kommunikationsplattform mit der Kommunalverwaltung besteht. Dort komme oftmals ein Dankeschön als Feedback an, manchmal auch in Form einer Tafel Schokolade, deren Markenname den Dank noch unterstreicht.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7816825?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F104%2F166%2F
Nachrichten-Ticker